Venezuela 26 Tote bei Protesten gegen Präsident Maduro

Tote Demonstranten, gekappte diplomatische Beziehungen: Die Staatskrise in Venezuela nach der versuchten Machtergreifung durch Parlamentschefs Gaidó verschärft sich. Der Papst betet für das Land.

Pilger halten in Panama eine Flagge für Venezuela
AFP

Pilger halten in Panama eine Flagge für Venezuela


Bei den jüngsten Massenprotesten gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Die Opfer seien seit Montag bei Demonstrationen in acht verschiedenen Bundesstaaten getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle für soziale Konflikte (OVCS) mit. Zuvor hatte die Nichtregierungsorganisation (NGO) von 16 Toten gesprochen.

Venezuela wird derzeit von einer schweren politischen Krise erschüttert. Seit einem gescheiterten Aufstand von Mitgliedern der Nationalgarde am Montag gehen Regierungsgegner gegen Maduro auf die Straße, am Mittwoch erklärte sich Parlamentspräsident Juan Gaidó zum Interimspräsidenten.

Nach der Solidaritätsnote der USA für seinen Gegenspieler Guaidó, hatte Maduro die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten abgebrochen. Er kündigte an, die Mitarbeiter venezolanischer Vertretungen aus den USA abzuziehen: Am Samstag würden die Angestellten von Botschaften und Konsulaten die Vereinigten Staaten verlassen haben, sagte Maduro in einer Rede vor dem Obersten Gericht in Caracas.

Gaido dagegen bat die USA um humanitäre Hilfe: Er bitte um die Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischen Artikeln, schrieb er an US-Außenminister Mike Pompeo. Auch die Entsendung eines Klinikschiffs sei wünschenswert. Pompeo hatte zuvor bereits Hilfslieferungen in Aussicht gestellt, sobald das logistisch möglich sei.

Nachdem die Bundesregierungen freie Wahlen in Venezuela gefordert hatte, stellte sich Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) klar auf die Seite des selbsternannten Gegenpräsidenten Juan Gaidó: "Wir sind nicht neutral in dieser Frage, sondern wir unterstützen das, was Guaidó dort tut", sagte er der Deutschen Welle.

Papst Franziskus, der zum Weltjugendtag nach Panama reiste, ließ über Vatikan-Interimssprecher Allesandro Gisotti mitteilen, er verfolge die Ereignisse in Venezuela "sehr genau. Er bete "für die Opfer und für alle Venezolaner". In einer Erklärung hieß es später: "Der Heilige Stuhl unterstützt alle Anstrengungen, damit der Bevölkerung keine weiteren Leiden auferlegt werden."

mal/AP/AFP/dpa



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