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Protest in Venezuela: Millionen gegen Maduro

Foto: PAULO WHITAKER/ REUTERS

Verfassungsreform Millionen Venezolaner stimmen bei Anti-Maduro-Referendum ab

Mit einer Volksabstimmung wehrt sich Venezuelas Opposition gegen den autoritären Präsidenten Maduro. 7,2 Millionen Menschen beteiligten sich. Vor einem Wahllokal fielen Schüsse.

Mehr als ein Drittel der wahlberechtigten Venezolaner hat am Sonntag ihre Stimme bei einer symbolischen Volksabstimmung gegen den umstrittenen Präsidenten Nicolás Maduro abgegeben. "7,18 Millionen Menschen haben den Schrecken Maduros bestätigt", schrieb der von der Opposition eingesetzte Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, Julio Borges, auf Twitter.

Die Opposition hatte insgesamt 19 Millionen wahlberechtigte Venezolaner zur Volksabstimmung aufgerufen, um ein Zeichen gegen die geplante Verfassungsreform zu setzen. Die Regierung erkennt das Referendum nicht an. Das von der Opposition kontrollierte Parlament wiederum sieht seine Initiative durch die Verfassung gedeckt. Als Mobilisierungserfolg galt die Marke von acht Millionen der rund 19 Millionen wahlberechtigten Venezolaner.

Die Volksabstimmung wurde von Gewalt überschattet. In der Hauptstadt Caracas töteten Bewaffnete am Sonntag eine Frau und verletzten drei weitere Menschen. Laut Staatsanwaltschaft wollten die Opfer gerade wählen, als Unbekannte von Motorrädern aus das Feuer auf die Bürger eröffnet hätten. Die Opposition machte "paramilitärische Gruppen" aus dem Umkreis von Präsident Nicolás Maduro für den Angriff verantwortlich.

Ermittler am Tatort in Caracas

Ermittler am Tatort in Caracas

Foto: CARLOS GARCIA RAWLINS/ REUTERS

López hofft auf Signal des "zivilen Ungehorsams"

Maduros autoritär-sozialistische Regierung will eine neue Verfassung von einer verfassunggebenden Versammlung verabschieden lassen, deren Zusammensetzung am 30. Juli bestimmt werden soll. Die Opposition befürchtet, dass der Präsident das Gremium mit seinen Anhängern besetzen könnte, um sich dann mit der neuen Verfassung diktatorische Vollmachten zu geben.

Das Oppositionsbündnis MUD - ein Sammelbecken konservativer, liberaler und sozialdemokratischer Parteien - hatte gehofft, dass das Plebiszit ein klares Signal des "zivilen Ungehorsams" sendet. "Ich bin weiter Gefangener, ich kann nicht zum Wahllokal gehen. Ich rufe euch auf, die Schritte bis zu eurem Wahllokal zu gehen und für Venezuela zu stimmen", ließ der zurzeit bekannteste Oppositionelle Leopoldo López über den Twitter-Account seiner Frau ausrichten. López wurde erst vor wenigen Tagen nach Jahren der Inhaftierung unter Hausarrest gestellt. Seiner Botschaft war ein Bild angehängt, das offenbar seinen eigenen Fuß mit elektronischer Fußfessel zeigte.

Venezuela versinkt seit Monaten im Chaos. Mehr als 90 Menschen sind seit Anfang April bei massiven Straßenprotesten gegen die Regierung gestorben. Das Land leidet unter der höchsten Inflation weltweit und einer akuten Versorgungskrise, überall fehlt es an Medikamenten und Lebensmitteln.

brk/dpa
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