Krise in Venezuela Armee setzt Tränengas gegen Demonstranten ein

Kurz vor dem Start eines umstrittenen Hilfsgütertransports eskaliert an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien die Gewalt. Vier Soldaten von Machthaber Maduro sollen desertiert sein.

REUTERS

Das venezolanische Militär hat Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, um eine Demonstration an der Grenze zu Kolumbien aufzulösen. Im Grenzort Ureña kam es zu Zusammenstößen zwischen Spezialkräften der Nationalgarde und Protestierenden.

Mindestens ein Mann sei bei den Ausschreitungen verletzt worden, berichtet der Sender CNN Español. Die Demonstranten zündeten Autoreifen auf den Straßen an und bewarfen die Polizei mit Steinen. Unter den Protestierenden waren viele Menschen aus der Region, die täglich die Grenze überqueren, entweder zum Einkaufen oder zur Arbeit.

Die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro hatte am Freitag große Teile der Grenze zu Kolumbien geschlossen, um zu verhindern, dass internationale Hilfsgüter für die unter Hunger und medizinischem Notstand leidende Bevölkerung ins Land kommen.

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das rohstoffreiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

Anhänger des selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó wollen mehrere Tonnen Nahrungsmittel, Medikamente und Hygieneartikel von einem Lager in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta nach Venezuela bringen.

Maduro behauptet, mit der Lieferung der Hilfsgüter solle eine militärische US-Invasion vorbereitet werden. Tatsächlich ist die gezielte Verteilung von Lebensmitteln an Anhänger wohl vor allem ein Mittel der Machtpolitik. Maduros Einfluss würde weiter geschwächt, wenn die Opposition die Not der Bevölkerung selbst lindern könnte.

Die Unterstützung für Maduro scheint ohnehin etwas zu bröckeln: Nach übereinstimmenden Angaben von CNN Español und der Nachrichtenagentur Reuters desertierten am Samstagmorgen mindestens vier Mitglieder des venezolanischen Militärs. Die Soldaten verließen demnach ihre Posten und baten die kolumbianische Einwanderungsbehörde um Hilfe.

Auf venezolanischer Seite haben zudem zwei Panzer nach Berichten von Augenzeugen Barrieren zerstört, die die Grenzbrücke Simon Bolívar blockierten.

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In den vergangenen Tagen war es in Venezuela immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Das Militär soll an der Grenze zu Brasilien mindestens zwei Menschen erschossen haben. Der Generalsekretär der Uno, Antonio Guterres, forderte die Sicherheitskräfte zur Mäßigung auf. Die US-Regierung drohte, dass Verstöße gegen Menschenrechte "nicht ungestraft" bleiben würden.

Maduros Widersacher Guaidó hatte sich im Januar selbst zum Präsidenten erklärt. Er wird von den USA sowie mehreren europäischen Staaten, darunter Deutschland, unterstützt.

ssu/AFP/dpa



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melnibone 23.02.2019
1. Ein Regime ...
muss weg. Es ist zutiefst beschämend wie sich ein linker ´Ursupator´ um an der Macht zu bleiben gebärdet. Die Bevölkerung ... ca. drei Millionen sind bereits außer Landes geflohen ... ist einer Willkürherrschaft ausgesetzt. Es gibt Morde und Hinrichtungen durch das Regime Maduro. Das möglicherweise reichste Land Südamerikas ist ein einziges Armenhaus.
Hans Hase 23.02.2019
2.
"Aus Mangel an Devisen kann das rohstoffreiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen." Das stimmt nicht. Die Citybank hat venezolanische Devisen schon 2017 eingefroren und dem Staat dadurch die Möglichkeit entzogen, auf dem internationalen Markt Medikamente zu kaufen. An Devisen mangelt es Venezuela definitiv nicht, da es seit Wochen Öl über seine Seehäfen nur noch per Barzahlung exportiert. Das liegt wiederum an der Sperrung internationaler Konten des staatlichen Ölkonzerns PDVSA durch die USA. Wer sich ein differenziertes Bild der Verfassungskrise in Venezuela machen möchte, dem empfehle ich, die Ausarbeitung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zu Venezuela zu lesen aus der auch hervorgeht, auf welch dünnem argumentativem Eis sich die Bundesregierung völkerrechtlich bewegt, was ihren Umgang mit Venezuela belangt. ===> http://www.trend.infopartisan.net/trd0219/wissenschaftlicher_dienst_rechtsfragen_venezuela.pdf
ein_deutscher 23.02.2019
3. Tränengas
Wo ist das Problem? Unsere werfen es bei unerheblichen Anlässen, G20 etc. In Venezuela steht die Unabhängigkei auf der Kippe und in Deutschland wird sie bekämpft.
rant.biden 23.02.2019
4. Jetzt beenden
Good luck für die Menschen in Venezuela, der Kampf gegen das faschistische Maduro-Regime muss jetzt ausgefochten werden. Die USA sollten helfen, zum Beispiel die Brücken räumen, aber auch das venezolanische Militär angreifen, falls dieses sich tatsächlich gegen das eigene Volk wenden sollte. Der Versuch der gegen die freiheitliche Informationsgesellschaft Krieg führenden Ost-Achse - Russland, China, Iran - im Westen einen Brückenkopf zu errichten muss entschieden beendet werden. Im Sinne des Volkes von Venezuela und im Sinne der Welt. Venezolaner, lasst es euch, lassen wir uns es nicht gefallen, dass die Ost-Achse Völker in Südamerika als Geiseln nimmt und, im Falle einer "Einmischung", die Welt mit Krieg bedroht!
HanzWachner 23.02.2019
5. Wieder so ein Despot...
in Südamerika wie Pinochet, Videla, Ortega und wie sie alle heißen, die erst Armut dann Gewalt über ihr Volk bringen. Ich hoffe nur, dass der Maduro-Spuk schnell vorbei ist, damit Venezuela zur Ruhe kommt, die Wirtschaft wieder aufbauen kann und das schöne Land wieder lebenswert für alle ist.
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