Venezuela Chávez macht regierungskritischen Sender dicht

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez ist auf dem besten Weg, die dortigen Medien unter seine Kontrolle zu bringen. In der Nacht musste der älteste Fernsehsender des Landes, RCTV, nach 53 Jahren seinen Betrieb einstellen. Chávez hatte die Lizenz für den regierungskritischen Sender einbehalten.


Caracas - Trotz nationaler und internationaler Proteste verlängerte Präsident Hugo Chávez die Sendefrequenz des seit einem halben Jahrhundert arbeitenden Senders nicht und vergab sie stattdessen an die Regierungsgesellschaft Televisora Venezolana Social (Teves). Zuvor hatten noch einmal Anhänger des beliebten und traditionsreichen Senders gegen die bevorstehende Schließung demonstriert. RCTV war der letzte landesweit zu empfangende oppositionelle Sender.

Chávez-Anhänger beim Feiern: Plötzlich wurden die Bildschirme schwarz
REUTERS

Chávez-Anhänger beim Feiern: Plötzlich wurden die Bildschirme schwarz

Die venezolanische Führung hatte die um Mitternacht ausgelaufene Verlängerung der Lizenz verweigert, weil Chávez RCTV vorwarf, im Jahre 2002 den Putschversuch gegen ihn unterstützt und eine "Mediendiktatur" installiert zu haben. Nach der von den Mitarbeitern gesungenen Nationalhymne wurden die Bildschirme plötzlich schwarz.

Der Erfolg des Privatsenders RCTV gründete vor allem auf Unterhaltungssendungen und der Ausstrahlung von Seifenopern. Eladio Lares, der Präsident des Senders, äußerte gestern die Hoffnung, dass RCTV nach einer gewissen Zeit wieder senden dürfe.

In einer Erklärung des Senders hieß es zudem, RCTV werde alle legalen Möglichkeiten ausschöpfen, um wieder zu seinen Rechten zu kommen. "Diese sind mit der Entscheidung der Schließung verletzt worden", hieß es darin. Marcel Granier, Direktor der Eigentümergruppe des Privatsenders, kritisierte Chavez erneut scharf: Venezuela sei nicht auf dem Weg in den Sozialismus, wie Chávez behaupte, sondern in den Totalitarismus.

Bei Massenprotesten gegen die Schließung kam es gestern zu vereinzelten Auseinandersetzungen der Opposition mit den Sicherheitsorganen, bei denen die Polizei unter anderem Tränengas und Wasserwerfer einsetzte. Im Stadtzentrum von Caracas feierten dagegen die Anhänger von Chávez die Schließung des ihnen verhassten "Putschistensenders" mit Tanz und Musik. RCTV muss nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes des Landes vom Freitag seine Ausrüstung dem neuen öffentlichen Sender Teves überlassen.

Seit Tagen demonstrierten die Gegner einer Schließung vor dem Sitz der venezolanischen Telekom oder den Studios des Senders. Die Zeitung "El Nacional" sprach vom "Ende des Pluralismus" in Venezuela. Sie warnte vor einem zunehmenden Informationsmonopol der Regierung. RCTV-Chef Marcel Granier kündigte an, den "Kampf für Pressefreiheit und Demokratie" mit friedlichen Mitteln fortzusetzen.

ffr/dpa/AFP



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