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16. Dezember 2018, 21:17 Uhr

Südamerika

Deutscher Reporter in Venezuela verhaftet

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Er berichtete unter anderem für die rechte Wochenzeitung "Junge Freiheit": Der deutsche Journalist Billy Six wurde in einem Hotel in Venezuela verhaftet und sitzt nun in einem Geheimdienst-Gefängnis in Caracas.

Seit 2017 schrieb Billy Six in Venezuela über den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes. Der 32-jährige freiberufliche Reporter arbeitete unter anderem für die rechte Wochenzeitschrift "Junge Freiheit" sowie für den nationalistischen Verein "Die Konservativen".

Er thematisierte vor allem die massenhafte Abwanderung von Venezolanern nach Kolumbien. Das ölreiche Venezuela befindet sich aktuell in einer existenziellen Wirtschaftskrise. Die Inflation ist außer Kontrolle. Es gibt kaum noch Nahrungsmittel oder Medikamente im Land. Die katastrophale Lage zwingt viele Menschen zur Flucht.

Vor einem Monat wurde Six in einem Strandhotel 500 Kilometer nordwestlich von Caracas verhaftet. Wie die venezolanische Menschenrechtsorganisation "Espacio Público" berichtet, seien am 17. November 15 Soldaten in das Hotel "Los Taques" in Punto Fijo gekommen, in dem sich Six befunden habe. Dort hätten sie den Berliner festgenommen.

Nun befinde sich Billy Six in der venezolanischen Hauptstadt Caracas in dem Gefängnis "El Helicoide", das von der Geheimpolizei Sebin genutzt wird. Das Gefängnis befindet sich in einem ehemaligen Einkaufszentrum.

Treffen mit der Farc

Am Tag nach seiner Festnahme wurde der Häftling offensichtlich vor ein Militärgericht geladen. Ihm werde "Spionage", "Rebellion" und "Verletzung von Sicherheitszonen" vorgeworfen, so "Espacio Público". Six habe sich mit Rebellen der verbotenen Farc getroffen und sei in die Sicherheitszone um Präsident Nicolás Maduro eingedrungen, um Bilder von dem umstrittenen Präsidenten zu schießen.

"Die Vorwürfe gegen unseren Sohn sind konstruiert und ohne Grundlage," sagt der Vater des Journalisten, Edward Six. Die Fotos vom Präsidenten seien vom öffentlichen Zuschauerraum geschossen worden. Das Treffen mit Vertretern der verbotenen Farc habe zwar stattgefunden, aber ausschließlich für Recherchezwecke. Die entsprechende Reportage sei dann in der nationalpopulistischen Wochenzeitschrift "Junge Freiheit" erschienen.

Edward Six, fürchtet, dass sein Sohn zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt werden könnte, falls es, wie angekündigt, in wenigen Tagen tatsächlich zu einer Gerichtsverhandlung kommt. Die deutsche Botschaft bemühe sich um Zugang, berichtet der Vater. Bisher sei es aber keinem Diplomaten gelungen, Kontakt zu dem Häftling herzustellen.

Billy Six ist an Dengue-Fieber erkrankt

Dem Reporter Billy Six wiederum gelang es umgekehrt, einen Brief aus dem Gefängnis hinauszuschmuggeln. Darin fordert Six, der an Dengue-Fieber erkrankt ist, unter anderem Zugang zu einem Anwalt und einem Vertreter der Deutschen Botschaft. Am 13. Dezember ist Six in einen Hungerstreik getreten.

Billy Six war bereits 2013 in Syrien verschleppt und für mehrere Wochen eingesperrt worden.

Reporter ohne Grenzen engagiert sich für die Freilassung des Journalisten. Man schätze dessen rechtspopulistische Äußerungen nicht, so der Geschäftsführer der Organisation in Berlin, Christian Mihr. Aber wie jeder andere Reporter habe Six ein Recht auf freie Meinungsäußerung - "ohne irgendwo Verurteilung und Festnahme fürchten zu müssen".

Anmerkung der Redaktion: Die Eltern des Journalisten Billy Six haben uns um drei Korrekturen gebeten. Die Festnahme erfolgte demnach nicht am 11. November, sondern am 17. Er wurde nicht eine Woche später, sondern gleich am Folgetag vor ein Militärgericht gebracht. Und er hat den Hungerstreik nicht nur angekündigt - er verweigert die Nahrungsaufnahme bereits seit fünf Tagen.

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