Aufstand in Venezuela Panzerwagen überfährt mehrere Demonstranten

In Venezuela eskaliert die Gewalt. TV-Bilder zeigen, wie ein Panzerwagen in eine Gruppe protestierender Menschen rast. Regierungstreue Gangs kündigen an, Maduro mit Waffengewalt zu verteidigen.

Ein Panzerfahrzeug fährt in Caracas in eine Menschenmenge.
Carlos Garcia Rawlins / REUTERS

Ein Panzerfahrzeug fährt in Caracas in eine Menschenmenge.


Nach der Rebellion einiger Soldaten gegen Präsident Nicolás Maduro ist in der venezolanischen Hauptstadt Caracas ein Panzerwagen in eine Menschenmenge gerast. Nachrichtenagenturen bestätigten den Vorfall, nachdem im kolumbianischen Fernsehsender RCN bereits zu sehen war, wie das Fahrzeug mehrere Demonstranten überfuhr.

Ob durch den Panzerwagen Menschen verletzt oder getötet wurden, war zunächst unklar. Der Vorfall ereignete sich offenbar nahe dem Luftwaffenstützpunkt "La Carlota". Die Nachrichtenagentur AFP berichtete später, bei den Unruhen seien bis zum Abend mindestens 69 Menschen verletzt worden. Zwei der Verletzten hätten Schusswunden erlitten, teilten die venezolanischen Gesundheitsdienste mit.

Der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó hatte zuvor die venezolanischen Soldaten zur Revolte aufgerufen. Guaidó hatte sich an der Seite einiger Soldaten gezeigt und die Endphase seiner "Operation Freiheit" eingeläutet. (Lesen Sie hier, wie Guiadó den Machtwechsel in Venezuela erzwingen will.)

Video: Guaidó geht aufs Ganze

Rafael Hernandez/ DPA

Abtrünnige Soldaten befreiten daraufhin den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest. Rund um den Militärstützpunkt "La Carlota" gab es den ganzen Tag über gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und dem Militär.

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Venezuela: Aufruf zur Revolte

Über die Zahl der abtrünnigen Soldaten gibt es bislang keine gesicherten Angaben. Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino hatte sich nach dem Aufruf Guaidós zunächst hinter die Regierung des amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro gestellt. "Die Streitkräfte verteidigen die Verfassung und die legitimen Autoritäten", schrieb Padrino auf Twitter.

Unterdessen haben regierungstreue Banden angekündigt, den sozialistischen Staatschef mit Waffengewalt verteidigen. "Es ist der Moment gekommen, in dem wir die Revolution mit Waffen verteidigen", sagte der Chef der Gruppe La Piedrita, Valentín Santana, in einem am Dienstag veröffentlichten Video und streckte ein Schnellfeuergewehr in die Kamera. "Wir werden unseren Präsidenten Nicolás Maduro verteidigen." Santanas Gang kontrolliert in der Hauptstadt Caracas die Hügel nahe dem venezolanischen Präsidentenpalast Miraflores und ist der Regierung treu ergeben.

Die sogenannten "Colectivos" beherrschen ganze Stadtviertel, kontrollieren die Verteilung subventionierter Lebensmittel und gehen unbehelligt von der Polizei ihren illegalen Geschäften nach. Im Gegenzug gehen die Motorradgangs bei Protesten gegen die Regierung hart gegen die Demonstranten vor.

fek/dpa/AFP



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