"Marsch der Millionen" Hunderttausende Venezolaner protestieren gegen Regierung

Erneut kam es zu schwerer Gewalt: Am 50. Tag der Massenproteste sind Hunderttausende Venezolaner gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Das Militär besetzte eine von Deutschen gegründete Stadt.


Seit 50 Tagen dauern die massiven Proteste gegen Venezuelas sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro an. Am Samstag gingen im ganzen Land erneut Hunderttausende Menschen auf die Straße.

Allein in der Hauptstadt Caracas waren es nach Angaben der Opposition mehr als 160.000. Beim "Marsch der Millionen" kam es zu schweren gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Dutzende Demonstranten wurden verletzt.

Die Opposition macht die sozialistische Regierung für die schwere politische und wirtschaftliche Krise im Land verantwortlich. Sie wirft Maduro vor, das von einer dramatischen Versorgungskrise erschütterte Land mit den größten Ölreserven in eine Diktatur zu verwandeln und fordert Neuwahlen. Lebensmittel und Medikamente fehlen, und die Inflation dürfte laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) dieses Jahr 720 Prozent erreichen.

"Wir sind Millionen gegen die Diktatur", stand auf Pappschildern der Demonstranten in Caracas zu lesen. "Es sind nun 50 Protesttage", sagte die 24-jährige Mariaangel. "Ich bin hier mit meinen zwei Kindern, ich kann keine Milch bekommen, ich kann kein Essen bekommen."

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Staatskrise in Venezuela: Proteste, Tränengas, Gewalt

Die Demonstranten wollten zum Innenministerium im Stadtzentrum marschieren, die Polizei hinderte sie aber mit Tränengas daran. Einige Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Steinen und Molotow-Cocktails. Auf der wichtigsten Autobahn von Caracas waren Oppositionsanhänger zwischen Barrikaden mit Stöcken und Steinen bewaffnet, um sich gegen die Polizei zur Wehr zu setzen.

Einige junge Männer waren vermummt, trugen Gasmasken und selbst gemachte Schilde aus Holz oder Metall. Auf Fotos ist zu sehen, wie Polizisten mit Gummigeschossen auf Protestierende feuern. Nach Angaben des Bezirksbürgermeisters Ramón Muchacho wurden allein in Caracas mindestens 46 Menschen verletzt.

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Auch rund 2000 Anhänger der Regierung gingen auf die Straße, um für Maduro zu demonstrieren. Sie versammelten sich in einem anderen Teil der Hauptstadt. Eigentlich hatte Maduro seine Anhänger im Präsidentenpalast empfangen sollen, das Treffen fand aber nicht statt. In einem Telefonat lobte Maduro die Solidaritätskundgebung.

In San Cristóbal im westlichen Bundesstaat Tachira gingen laut Schätzungen mehr als 40.000 Maduro-Gegner auf die Straße. Maduro hatte diese Woche 2600 Soldaten nach Tachira entsandt, nachdem es dort eine Reihe von Plünderungen und Angriffen auf Einrichtungen von Polizei und Armee gegeben hatte.

Auch in der von deutschen Einwanderern gegründeten Stadt Colonia Tovar kam es zu heftigen Ausschreitungen. Der Ort mit seinen rund 20.000 Einwohnern wurde bis auf Weiteres unter Militärkontrolle gestellt. Bei Protesten gegen Maduro war dort zuvor der Sitz der Nationalparkbehörde angegriffen und Autos angezündet worden.

Zunächst wurde mit Straßenblockaden versucht, das Eindringen des Militärs zu verhindern. Die Nationalgarde soll ein 13-jähriges Mädchen angefahren haben, das verletzt wurde, hieß es. Der Ort liegt eine Stunde von Caracas entfernt.

Colonia Tovar im Dezember 2015
DPA

Colonia Tovar im Dezember 2015

"Das ist eine sehr angespannte Situation", sagte eine Mitarbeiterin des Hotels Bergland. Das Militär sei mit vielen Lastwagen angerückt und kontrolliere die Ortseingänge. Die Hotels seien wegen der gefährlichen Lage derzeit geschlossen.

Der Ort ist besonders bei Tagestouristen beliebt. Gegründet wurde die Siedlung von 392 Badensern, die 1842 aus dem Kaiserstuhl mit dem Schiff nach Südamerika kamen. Bis heute haben sich die alemannische Kultur und der Dialekt erhalten.

Seit Beginn der massiven Proteste Anfang April sind bei Demonstrationen und Plünderungen 48 Menschen gestorben, es kam zu über 2000 Festnahmen.

fdi/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
m.sielmann 21.05.2017
1. einseitige Berichterstattung
Es pritestieren auch 100000-de für die Regierung und gegen die Rückkehr der alten Machthaber, 2 Millionen protestierten in Chile gegen die Folgen der Privatisierung der Rente und in Brasilien gab es einen Generalstreik mit großer Teilnahme gegen den Putschisten Tmer. Berichten Sie doch auch darüber, damit man sich eine Meinung bilden kann.
muellerthomas 21.05.2017
2.
Zitat von m.sielmannEs pritestieren auch 100000-de für die Regierung und gegen die Rückkehr der alten Machthaber, 2 Millionen protestierten in Chile gegen die Folgen der Privatisierung der Rente und in Brasilien gab es einen Generalstreik mit großer Teilnahme gegen den Putschisten Tmer. Berichten Sie doch auch darüber, damit man sich eine Meinung bilden kann.
ja, ja, die böse Lügenpresse: http://www.spiegel.de/video/chile-zusammenstoesse-von-studenten-und-polizei-video-1758067.html http://www.spiegel.de/video/studentenproteste-in-chile-eskalieren-video-1677058.html gibt jedes mal dazu Berichte...also diese Demonstrationen gibt es schliesslich regelmässig.
grommeck 21.05.2017
3. Militär und Polizei...die Garanten der Demokratie??
Immer wieder das gleiche Lied, gegen den Willen der Bevölkerung, bis zum Eklat, bis Blut fließt, bis die Masse die s.g. Oberschicht beseitigt.
-su- 21.05.2017
4.
Zitat von muellerthomasja, ja, die böse Lügenpresse: http://www.spiegel.de/video/chile-zusammenstoesse-von-studenten-und-polizei-video-1758067.html http://www.spiegel.de/video/studentenproteste-in-chile-eskalieren-video-1677058.html gibt jedes mal dazu Berichte...also diese Demonstrationen gibt es schliesslich regelmässig.
Wie niveaulos es hier geworden ist, sieht man ja schon an den Schlagwort "Lügenpresse", das immer dann auftaucht, wenn jemand eine abweichende Meinung vertritt und dabei auch Kritik an der Berichterstattung geäußertg wird. Immer wenn das geschieht, taucht in kürzester Zeit jemand auf, der "Lügenpresse" plärrt um die berechtigte Kritik abzuwürgen. Schade. Aber ist wohl der Lauf der Zeit. Es werden nur noch Meinungen gewünscht, die auf Linie liegen. Sieht man schön hier im Forum bei den veröffentlichten Beiträgen.
MrBuddyCasino 21.05.2017
5. Ähem - "Badensern"?
Das ist eigentlich ein Schimpfwort der niederträchtigen Schwaben.
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