Machtkampf in Venezuela Generalstreik soll Maduro in die Knie zwingen

Der Umsturzversuch mithilfe des Militärs scheiterte, jetzt hat der Gegenspieler von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro einen neuen Plan: Juan Guaidó ruft zum Generalstreik auf.


Die "Operation Freiheit" des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó brachte nicht den gewünschten Erfolg. Zwar gingen Tausende Menschen in Venezuela aus Protest gegen Machthaber Nicolás Maduro auf die Straße. Doch der Präsident ist immer noch im Amt.

Maduro drohte denen, die sich am gescheiterten Umsturzversuch beteiligten, mit Gefängnis. "Alle Sicherheitskräfte suchen nach diesen Putschisten, die isoliert und besiegt sind", sagte der Staatschef bei einer Kundgebung zum Tag der Arbeit am Mittwoch. "Früher oder später werden sie ins Gefängnis kommen und für ihren Verrat bezahlen."

"Wer in den Präsidentenpalast Miraflores will, muss nur eine Anforderung erfüllen: Wahlen gewinnen", sagte Maduro vor seinen Anhängern. "Kugeln und Gewehre werden niemals einen Präsidenten bestimmen."

Am Dienstag hatte Guaidó einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest befreit. Allerdings scheiterte der Versuch, größere Teile der Streitkräfte zum Überlaufen zu bewegen.

Organisation: Frau bei Protesten in Caracas erschossen

Jetzt kündigte Guaidó an, Maduro nun mit einer Serie von Streiks in die Knie zwingen zu wollen. "Ab morgen beginnen wir mit gestaffelten Streiks bis hin zu einem Generalstreik", sagte der Oppositionsführer am Mittwoch bei einer Kundgebung in Caracas. "Das Ende der unrechtmäßigen Machtübernahme ist nah."

Guaidó rief seine Anhänger dazu auf, durchzuhalten und bei den Protesten gegen die Regierung nicht nachzulassen. "Wenn das Regime glaubt, wir hätten bereits den maximalen Druck erreicht, dann täuscht es sich", sagte er. "Unsere Opfer waren nicht umsonst. Wir erobern uns Räume zurück und bleiben auf der Straße, bis wir die Freiheit für Venezuela erlangt haben."

Bei den Protesten gegen Maduro ist nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation eine Frau erschossen worden. Die 27-Jährige sei in Caracas von einer Kugel am Kopf getroffen worden, erklärte die Menschenrechtsorganisation Venezolanische Beobachtungsstelle für soziale Konflikte. Die Organisation verurteilte den "Mord" an der jungen Frau.

Regierungsgegner und Sicherheitskräfte lieferten sich nahe der Luftwaffenbasis La Carlota in Caracas gewaltsame Auseinandersetzungen. Vermummte Demonstranten schleuderten Steine und Brandsätze auf die Beamten. Nationalgardisten auf Motorrädern feuerten Tränengas in die Menge. Nach Angaben der Venezolanischen Beobachtungsstelle für soziale Konflikte wurden mindestens 77 Menschen verletzt.

als/dpa/AFP



insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AmyYma 02.05.2019
1. Es wäre mal nicht schlecht ...
... zu erfahren, wie viele der ca. 31 Millionen Einwohner wirklich auf Seite von Guaidó stehen. Im Artikel heißt es, "tausende" hätten demonstriert. Bei 31 Millionen Einwohnern sind "tausende" Demonstranten nun wirklich keine Mehrheit. Es hat den Eindruck, dass da etwas aufgebauscht werden soll, was so groß gar nicht ist.
Meconopsis 02.05.2019
2. "Venezolanische Beobachtungsstelle für soziale Konflikte"
die Menschenrechtsorganisation "Venezolanische Beobachtungsstelle für soziale Konflikte" - wer ist das ? Zum selbsternannten Präsidenten taucht jetzt auch noch eine selbsternannte Presseagentur auf. Es ist zu befürchten, dass über die Vorgänge in Venezuela genauso berichtet werden wird, wie in den letzten Jahre über den syrischen Bürgerkrieg. Guaido arbeitet jetzt eine Widerstandsform nach der anderen ab, nun solls also ein Generalstreik richten. An einen Erfolg wird er selbst kaum glauben. Was soll ein Streik in einem Land, in dem eh fast alle Räder still stehen ? Guaido will wohl nur zeigen - schaut, ich habe alles versucht. Damit am Ende dann doch die Amerikaner intervenieren. Ich bin überzeugt, das die russischen Berater der venezolanischen Regierung sehr nahegelegt haben, die Amis nicht allzusehr zu provozieren, und auf die Festnahme Guaidos zu verzichten. Der Rechtslage nach, müsste der eigentlich längst im Gefängnis sitzen.
mori1982 02.05.2019
3. Venezuela Syrien
Die Beobachtungsstellen häufen sich... Wundert mich, dass es noch keine nordkoreanische, iranische und chinesischen Beobachtungsstellen gibt. Aber die werden erst entstehen, sollte sich im betreffendem Staat ein innerer Konflikt initiieren lassen. Die Situation scheint verfahren in dem Land, leider befürchte ich, dass Neuwahlen nichts bringen würden, das der Verlierer diese wohl eh nicht anerkennt.
vay75 02.05.2019
4. Guaidó versucht alles....
....aber das Volk steht hinter Maduro. Auch die USA kann nichts gegen den unbeliebte Anti USA Machthaber anstellen. Respekt an Maduro!!!
bernteone 02.05.2019
5. Jetzt also Generalstreik
Wenn Maduro auch nur halb so schlimm ist wie er hier dargestellt wird , dann wäre der US Möchtegern Präsident schon längst von der Bildfläche verschwunden . Ehrlich gesagt wundert es mich das da jemand zum offenen Putsch aufruft und noch frei herum läuft . Jetzt also soll es ein Generalstreik richten, vielleicht noch unterstützt durch Stromausfälle damit die Sache nicht ganz im Sande verläuft . Die Mehrheit der Venezulaner scheinen noch hinter Maduro zustehen , Neuwahlen würden das wohl deutlich zu Tage bringen . Davon redet der selbsternannte Präsident und die Amerikaner dann mal auch lieber nicht . Da stört eigentlich nur die Weltanschauung und die Nähe zu Russland und China . Aber wie hat Trump neulich so schön formuliert , Die Amerikaner leben nach amerikanischen Gesetzen , genau das sollten Sie dem Rest der Welt auch zugestehen und die Welt wäre um einiges besser .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.