Machtkampf in Venezuela Guaidó und Maduro lassen sich auf neuen Vermittlungsversuch ein

Die Krise in Venezuela dauert an, nun wollen Vertreter beider Seiten sich noch in dieser Woche auf Barbados treffen. Laut dem selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó gibt es drei Ziele.

Juan Guaidó: Suche nach einem "Ausweg aus der Diktatur"
Carolina Cabral/ Getty Images

Juan Guaidó: Suche nach einem "Ausweg aus der Diktatur"


Im seit Monaten andauernden Machtkampf in Venezuela haben sich beide Seiten auf einen neuen Vermittlungsversuch eingelassen. Vertreter der Regierung und der Opposition wollen sich in dieser Woche zu Gesprächen auf der Karibikinsel Barbados treffen, wie das norwegische Außenministerium mitteilte. Die Regierung in Oslo tritt in dem Konflikt als Vermittler auf.

Zuletzt waren bereits mehrere Vermittlungsversuche gescheitert. Die sozialistische Regierung von Staatschef Nicolás Maduro betont zwar stets ihre Dialogbereitschaft, ist allerdings zu wenig Kompromissen bereit. Die Opposition um den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó hatte nach gescheiterten Gesprächen in Oslo zuletzt sogar erklärt, für weitere Verhandlungen nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Nun teilte Guaidós Büro mit: "Wir werden an dem Treffen mit den Vertretern des Regimes teilnehmen, um einen Ausweg aus der Diktatur zu suchen. Unsere größte Motivation ist, dem Leiden der Venezolaner ein Ende zu bereiten." Ziel des Treffens seien:

  • ein Abgang Maduros
  • die Bildung einer Übergangsregierung
  • sowie freie Wahlen unter internationaler Beobachtung.

Venezuelas Kommunikationsminister Jorge Rodríguez bestätigte das geplante Treffen indirekt, indem er ein Bild einer Erklärung des norwegischen Außenministeriums veröffentlichte. Darin heißt es, die beiden Konfliktparteien würden sich "diese Woche" auf Barbados treffen, um bei der "Suche nach einer ausgehandelten und verfassungskonformen Lösung" voranzukommen.

Seit Januar liefern sich Maduro und Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Guaidó ernannte sich im Januar selbst zum Übergangspräsidenten des Landes. Er wird von mehr als 50 Staaten anerkannt, darunter auch von Deutschland und den USA. Maduro hat dagegen den Rückhalt von Ländern wie Russland - und weiß die venezolanische Militärführung hinter sich.

aar/AFP/dpa



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Gruuber 08.07.2019
1. So lange Venezuela auch nur einen einzigen Tropfen Erdöl hat,
werden die USA und NATO-Länder an einem Putsch bzw. Umsturz in diesem Land arbeiten. Mit katastrophaler Verschlechterung der Sicherheitslage! Siehe den Irak! Der eines der erdölreichsten Länder ist. Siehe Libyen! Und siehe jetzt auch den Sudan! Vor allem den Südsudan, der nach der politischen Intervention der USA und EU-NATO-Länder zum Land mit der schlechtesten Sicherheitslage wurde! Siehe Medien. Und Venezuela wird dasselbe Schicksal blühen, sobald die USA die Kontrolle über dieses Land bzw. über das Erdöl dieses Landes haben.
Emderfriese 08.07.2019
2. Maximum
Guaidó bleibt der alte Maximalist: Erst Maduro weg, dann neue Regierung (natürlich unter ihm, auch wenn er das wohl nicht ausdrücklich sagt), und wenn endlich alles in seiner Hand ist, Neuwahlen. Wie soll da ein "Kompromiss" mit Maduro bzw. dessen Regierung zustande kommen? Das wird so nix.
Papazaca 08.07.2019
3. Das Maduro das poltisch und wirtschaftlich nicht überlebt,
Zitat von EmderfrieseGuaidó bleibt der alte Maximalist: Erst Maduro weg, dann neue Regierung (natürlich unter ihm, auch wenn er das wohl nicht ausdrücklich sagt), und wenn endlich alles in seiner Hand ist, Neuwahlen. Wie soll da ein "Kompromiss" mit Maduro bzw. dessen Regierung zustande kommen? Das wird so nix.
ist ihm selber sicher klar. Sein beinahe Abflug nach Cuba ist ein Indiz dafür. Aber es geht ja um mehr: Um den ganzen Machtapparat Maduros, besonders die Armee, inklusive vieler Privilegien. Und natürlich auch um Garantien, nicht im Knast zu landen oder vor dem Internationalen Gerichtshof. Es wird ganz sicher zu einem Wechsel kommen, die Frage ist nur wann und wie. Es kann noch dauern aber der Wechsel wird sicher kommen.
vormaerz 08.07.2019
4. In anderen Demokratien Lateinamerikas
wäre ein Putschist wie Guaidó längst aus dem Hubschrauber gefallen. Möge Maduros Flugzeug ihn sicher nach Hause bringen.
Emderfriese 08.07.2019
5. Linien
Zitat von Papazacaist ihm selber sicher klar. Sein beinahe Abflug nach Cuba ist ein Indiz dafür. Aber es geht ja um mehr: Um den ganzen Machtapparat Maduros, besonders die Armee, inklusive vieler Privilegien. Und natürlich auch um Garantien, nicht im Knast zu landen oder vor dem Internationalen Gerichtshof. Es wird ganz sicher zu einem Wechsel kommen, die Frage ist nur wann und wie. Es kann noch dauern aber der Wechsel wird sicher kommen.
Trotzdem stellt sich eine entscheidende Frage: Ein Wechsel der Regierung oder des ganzen Systems? Niemand kann sicher sein, dass bei freien Wahlen das "bolivarische" System wieder gewählt wird. Dann hätten die Leute um Guaidó nichts gewonnen. Im Gegenteil, eine Bestätigung der Linie Chavez' würde im Nachhinein auch noch Maduro betätigen. Warten wir die Entwicklung ab...
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