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Venezuela Mehrere Tote bei Maduros Blockade gegen Hilfsgüter

Blutiges Ende einer versuchten Hilfslieferung: An Venezuelas Grenzen zu Kolumbien und Brasilien sind mindestens zwei Demonstranten gestorben, als Polizisten auf Konvois schossen. Zwei Laster brannten aus.

An venezolanischen Grenzübergängen, an denen die Truppen von Staatschef Nicolás Maduro Demonstranten und Konvois mit Hilfslieferungen aufgehalten haben, hat es am Samstag Tote gegeben.

Insgesamt wurden bei Zusammenstößen mit den venezolanischen Sicherheitskräften an Grenzübergängen nach Kolumbien und Brasilien mindestens zwei Menschen getötet und Hunderte weitere Menschen verletzt.

Die Hilfslieferungen waren zuvor vom selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó mithilfe Chiles, Brasiliens und der USA auf den Weg gebracht worden.

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Gewalt an der Grenze: Lastwagen brennen, Polizisten desertieren

Foto: MAURICIO DUENAS CASTANEDA/EPA-EFE/REX

An der Grenze zu Kolumbien hatten sich venezolanische Polizisten und venezolanische Demonstranten den ganzen Samstag lang gegenüberstanden. Die Lage am Nachmittag eskalierte, als vier Lkw mit Hilfsgütern zur Grenze auf einer Brücke vorgefahren waren.

Zwei der Lastwagen wurden auf der Santander-Brücke in Ureña offenbar von Maduros Truppen angezündet. In Videos in den Onlinenetzwerken war zu sehen, wie Dutzende Menschen inmitten einer großen Rauchwolke aus den Lastwagen Säcke und Hilfsgüter abluden. Die kolumbianische Regierung ordnete angesichts der gewaltsamen Blockade die Rückkehr der Lastwagen an.

Gestartet waren die Laster im kolumbianischen Grenzort Cúcuta mit tonnenweise Lebensmitteln und Medikamenten, sie kamen jedoch an mehreren Grenzübergängen nicht durch. Nach Angaben des kolumbianischen Außenministers Carlos Holmes Trujillo wurden bei den Zusammenstößen 255 Venezolaner und 30 Kolumbianer verletzt. Ebenfalls nach kolumbianischen Angaben sollen bis zu 60 venezolanische Polizisten auf die kolumbianische Seite übergelaufen sein.

Kolumbianische Polizisten halten einen venezolanischen Kollegen fest, der die Grenze überquert hatte

Kolumbianische Polizisten halten einen venezolanischen Kollegen fest, der die Grenze überquert hatte

Foto: Benjamin Rojas/ dpa

285 Verletzte an den venezolanisch-kolumbianischen Grenzübergängen zählte die Organisation Amerikanischer Staaten OAS am Samstagabend. Bis zu 14 Tote soll es zudem in Venezuela bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Paramilitärs mit der Bevölkerung gegeben haben.

Weitere Hilfslieferungen waren an den Grenzen nach Brasilien aufgehalten worden. Auch dort beschossen Sicherheitskräfte die Demonstranten mit Tränengas und offenbar auch mit scharfer Munition.

USA kündigen "Maßnahmen" gegen den "kranken Tyrannen" an

Nach der Eskalation an den Grenzen wollen die USA sich nun noch intensiver in den Konflikt einschalten. Sie drohten Maduro mit "Maßnahmen", ohne diese aber näher zu benennen.

Noch am späten Samstagabend twitterte Oppositionsführer Guaidó, er bitte die internationale Gemeinschaft darum, "alle Optionen offenzuhalten, um Venezuela zu befreien". Das muss man so lesen, dass der Politiker nach diesem Wochenende jetzt selbst eine militärische Lösung des Konflikts in Erwägung zieht, mit der bisher nur US-Präsident Donald Trump kokettiert hat.

Auch US-Außenminister Mike Pompeo schrieb via Twitter, es sei nun "die Zeit zum Handeln gekommen, um dem verzweifelten venezolanischen Volk zu helfen". Maduro nannte er einen "kranken Tyrannen".

Am Montag wollen sich US-Vizepräsident Mike Pence und Guaidó in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota treffen. Zu dem Treffen haben sich auch Vertretern der konservativen lateinamerikanischen Lima-Gruppe angekündigt. Venezuela hatte nach der Eskalation an der Grenze die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen.

cht/dpa/AFP/Reuters