Neue Demonstrationen gegen Maduro "Diese Regierung hilft den Venezolanern nicht"

Abermals gibt es in vielen Teilen Venezuelas Stromausfälle. Die Opposition macht Präsident Maduro dafür verantwortlich. Das Rote Kreuz bereitet nun Hilfslieferungen für das Krisenland vor.

Proteste in Los Teques, Venezuela
Manaure Quintero / REUTERS

Proteste in Los Teques, Venezuela


Im krisengebeutelten Venezuela sind am Wochenende viele Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die schwere Versorgungskrise, die andauernden Stromausfälle und die Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro zu demonstrieren. "Das Regime will, dass sich unsere Herzen mit Angst und Dunkelheit füllen", sagte der Oppositionsführer und selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó in der Stadt Los Teques im Bundesstaat Miranda. "Wir wissen, wer für die Stromausfälle verantwortlich ist: Maduro. Sie machen sich über uns lustig. Aber jetzt reicht es."

Die Menschen schwenkten venezolanische Flaggen und zeigten Transparente mit Parolen gegen die sozialistische Regierung. "Wir protestieren gegen die Ungerechtigkeit, die schlechte Sicherheitslage und den Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln", sagte ein Demonstrant im Fernsehen. "Diese Regierung hilft den Venezolanern nicht." Medienberichten zufolge litten die Menschen am Wochenende erneut in mehreren Bundesstaaten unter gravierenden Stromausfällen.

Die Regierung macht von den USA und der Opposition geplante Sabotageaktionen für den Zusammenbruch der Energieversorgung verantwortlich. Die Regierungsgegner rund um Guaidó sehen hingegen verschleppte Investitionen, mangelnde Wartung und Korruption als Grund für die Stromausfälle.

Rotes Kreuz will Hilfslieferungen einfliegen

Am Freitag hatte das Rote Kreuz angekündigt, humanitäre Hilfe nach Venezuela zu bringen. Die Lieferungen für 650.000 Menschen könnten das Land in zwei Wochen erreichen, sagte der Präsident der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, Francesco Rocca. Die Verteilung im Land soll durch das venezolanische Rote Kreuz erfolgen. "In einem von Machtkämpfen zerrissenen Land hat die Menschlichkeit gesiegt", sagte Rocca. "Das ist ein entscheidender Schritt, um die humanitäre Hilfe in Venezuela auszuweiten."

Auch Maduro rief seine Anhänger für Samstag zu Demonstrationen auf. "Heute geht das ganze Volk auf die Straße, um den Frieden in unserem geliebten Venezuela zu verteidigen. Immer loyal, niemals Verräter", hieß es in dem Aufruf.

Guaidó und Maduro liefern sich seit zwei Monaten einen erbitterten Machtkampf. Zwar haben zahlreiche Staaten Guaidó als rechtmäßigen Übergangspräsidenten anerkannt, aber in Venezuela selbst konnte er Maduro bislang noch nicht verdrängen.

Russland eröffnet Hubschraubertrainingszentrum

Vor einer Woche hatte die Landung zweier russischer Militärflugzeuge in der Nähe von Caracas unter anderem Kritik aus den USA hervorgerufen. Sie brachten Truppen und Gerät in das südamerikanische Land. Im Konflikt zwischen Venezuelas Regierung und der Opposition unterstützt Russland Maduro. Rund 50 vorwiegend westliche Staaten, darunter die USA und Deutschland, stehen dagegen auf Seiten des Übergangspräsidenten Guaidó. Die USA haben Russland bereits mehrfach dazu aufgefordert, sich aus Venezuela zurückzuziehen. Zuletzt drohte die US-Regierung Moskau sogar mit Sanktionen.

Russland zeigt sich davon unbeirrt. Nach eigenen Angaben eröffnete das russische Militär am Freitag ein Trainingszentrum für Hubschrauberpiloten in Venezuela. Venezolanische Piloten sollten dort den Umgang mit russischen Mil-Helikoptern lernen.

Ein Sprecher des Rüstungskonzerns Rosoboronexport sagte der Nachrichtenagentur Interfax, das Trainingszentrum sei aufgrund einer Absprache mit Venezuelas staatlichen Rüstungsunternehmen Cavim eingerichtet worden. Ziel sei es, die Zusammenarbeit mit dem venezolanischen Verteidigungsministerium zu vertiefen. Der Sprecher sagte weiter, Venezuela habe bereits "eine nennenswerte Anzahl russischer Waffen und Militärtechnologie" erhalten, wozu neben Panzern und Kampfjets auch Mil-Hubschrauber gehörten.

kry/dpa/AFP

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