SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. Juni 2019, 21:58 Uhr

Krisenland

Venezuela öffnet Grenze zu Kolumbien

Fast vier Monate lang hielt Venezuela die Grenze zu Kolumbien geschlossen, Machthaber Maduro fürchtete eine militärische Intervention. Nun wurde die Sperre aufgehoben - Tausende Menschen strömten ins Nachbarland.

Menschen stehen dicht gedrängt am Grenzübergang, sie tragen Kinder auf dem Arm oder Koffer. Tausende Venezolaner sind nach der Öffnung der Grenze nach Kolumbien in das Nachbarland geströmt. Auf der Brücke Simón Bolívar nahe der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta bildeten sich an diesem Samstag lange Schlangen, berichtete der Fernsehsender RCN.

Nach fast vier Monaten hatte Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro am Freitag angekündigt, die Grenze nach Kolumbien wieder zu öffnen. Im Streit um humanitäre Hilfe für das krisengebeutelte Land hatte Maduro im Februar die Grenzen zu den Nachbarländern dichtgemacht.

Venezuela leidet unter einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Seit Monaten liefern sich Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Aus Mangel an Devisen können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden. Die Opposition um Guaidó hatte lange versucht, Hilfsgüter über die Grenze nach Venezuela zu schaffen. Maduro sah darin einen Vorwand für eine militärische Intervention in dem südamerikanischen Land.

Über das Rote Kreuz gelangen mittlerweile aber einige Hilfslieferungen ins Land. Die Menschen am Grenzübergang zu Kolumbien wollten unter anderem Lebensmittel und Medikamente im Nachbarland einkaufen, hieß es. Einige hatten jedoch auch Koffer, Plastiksäcke und anderes großes Gepäck dabei.

Vor einem Monat hatte die venezolanische Regierung bereits die Grenzen zu Brasilien und der niederländischen Karibikinsel Aruba wieder geöffnet. Wegen der Krise verlassen immer mehr Menschen das Land. Allein seit November vergangenen Jahres haben dem Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zufolge eine Million Venezolaner ihrer Heimat den Rücken gekehrt.

Damit leben mittlerweile rund vier Millionen der etwa 31 Millionen Venezolaner im Ausland. Allein rund 1,3 Millionen Venezolaner sind ins Nachbarland Kolumbien gegangen. Peru hat rund 768.000 Menschen aufgenommen. Auch in Chile, Ecuador, Brasilien und Argentinien leben jeweils Hunderttausende Venezolaner.

kko/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung