Venezuela Staatschef Maduro bezeichnet Obama als "Teufel"

Venezuelas neuer Staatschef Nicolás Maduro gibt sich offenbar alle Mühe, die Traditionen seines Vorgängers Hugo Chávez fortzuführen. Überall wittert er Verschwörung, US-Präsident Obama ist für ihn gar der "oberste aller Teufel" . Das will der Angegriffene nicht auf sich sitzenlassen.

Maduro bei einer Rede in Caracas: Angebliches Mordkomplott aus Kolumbien
AFP PHOTO/PRESIDENCIA/FRANCISCO BATISTA

Maduro bei einer Rede in Caracas: Angebliches Mordkomplott aus Kolumbien


Caracas - Ihm fehle das Charisma seines Vorgängers, heißt es über Nicolás Maduro. Doch zumindest in Sachen Verbalattacken kann es der neue venezolanische Staatschef mit dem verstorbenen Hugo Chávez aufnehmen. Traditionsgemäß wählt Maduro dabei die USA als Lieblingsziel.

Nachdem der amerikanische Präsident Barack Obama erneut Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Maduros Wahlsieg im April geäußert hatte, legte das venezolanische Staatsoberhaupt am Wochenende richtig los: "Wir verteidigen hier unsere Institutionen, den Frieden, Demokratie, die Menschen Venezuelas (...), und wir können uns mit jedem unterhalten, selbst mit dem obersten aller Teufel: Obama."

Obama hatte sich am Freitag erneut geweigert, Maduros selbstverkündeten Wahltriumph als rechtmäßig anzuerkennen. Für die USA sei wichtig, dass in Lateinamerika "die Menschenrechte, demokratische Prinzipien, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit geachtet werden", sagte der US-Präsident bei einem Besuch in Costa Rica. Und es gebe Informationen, wonach diese Rechte in Venezuela "nach der Wahl nicht vollständig respektiert worden" seien. Die Venezolaner müssten selbst über ihre Zukunft entscheiden dürfen, forderte Obama.

Maduros Gegenangriff erinnert an ein legendäres Zitat seines Vorgängers Hugo Chávez, der den früheren US-Präsidenten George W. Bush auch als Teufel bezeichnet hatte. Chávez war im März nach langer Krebserkrankung gestorben.

Obama redet "dreistes Zeug"

Maduro ist der politische Ziehsohn von Chávez. Er hatte die Präsidentschaftswahl Mitte April nach offiziellen Angaben knapp gegen seinen konservativen Kontrahenten Henrique Capriles gewonnen. Das Ergebnis ist allerdings nach wie vor umstritten und wird insbesondere von der Opposition angezweifelt.

"Obama hat einen Haufen unverschämter Bemerkungen losgelassen, dreistes Zeug", wetterte Maduro bei seiner Rede am Wochenende. "Er gibt den Befehl und seinen Segen für einen Angriff der faschistischen Rechten auf Venezuelas Demokratie."

Auch aus dem Nachbarland Kolumbien wittert Maduro Verschwörungen - wie schon sein Vorgänger Chávez. Es gebe Beweise, dass von Miami und Bogotá aus Pläne gesteuert würden, um ihn "physisch zu beseitigen". Kolumbiens konservativer Ex-Präsident Alvaro Uribe stehe "hinter einem Plan, mich zu ermorden", hatte Maduro bereits am Freitag geklagt.

Uribe sei ein "Mörder", mit dem auch die politische Rechte Venezuelas in Verbindung stehe. "Sie sagen, wenn sie mich aus dem Weg räumen, wird in Venezuela das Chaos regieren, aber sie werden es nicht schaffen, das wird nicht passieren." Uribe selbst wies die Anschuldigung als "unreif" zurück. Es gebe nur eine einzige Antwort: "Wiederholt die Wahl."

Auch Obama konterte Maduros Angriff. Er verspottete die venezolanische Regierung für deren These, dass ein US-Filmemacher während der Präsidentschaftswahlen in Venezuela im Auftrag Washingtons gesellschaftliche Unruhen provozieren sollte. "Die Idee, dass diese Person ein Spion sein soll, ist lächerlich", sagte Obama in einem Fernsehinterview zum Fall Timothy Hallet Tracy.

Der Regisseur war im vergangenen Monat am Flughafen von Caracas festgenommen worden, wollte seinem Anwalt zufolge aber bloß eine Dokumentation über die tiefen politischen Gräben in Venezuelas Gesellschaft drehen. Die venezolanischen Behörden sehen in ihm dagegen einen Verbündeten der Chávez-kritischen Protestbewegung "Operation Souveränität".

stk/AFP/dpa



insgesamt 74 Beiträge
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voltaire001 05.05.2013
1. Maduro ist ein Linker
.....und als solcher wird er freiheitliche und demokratische Präsidenten immer angreifen.Das muß wohl ein linker Reflex sein.
shokaku 05.05.2013
2. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von voltaire001.....und als solcher wird er freiheitliche und demokratische Präsidenten immer angreifen.Das muß wohl ein linker Reflex sein.
Naja. Sein Redenschreiber könnte sicher auch für die GOP arbeiten, ohne sich groß umstellen zu müssen.
querulant_99 05.05.2013
3. Interessante These
Zitat von voltaire001.....und als solcher wird er freiheitliche und demokratische Präsidenten immer angreifen.Das muß wohl ein linker Reflex sein.
Demzufolge ist auch Ahmadinedschad ein Linker?
Forenleser 05.05.2013
4. optional
so unrecht hat er da ja nicht. die amis wollen in Venezuela nur mitmischen, weil es da öl ohne ende gibt.
cazimir 05.05.2013
5. Ausgerechnet die USA
sollten sich mit Anzweifelungen des Wahlergebnisses zurückhalten, solange ist Georg W. erste Wahl auch nicht her. Auch wieder rum hat uns die Geschichte gelehrt, dass die USA sehr wohl ungeliebte Regierungen (auch demokratisch Gewählte) stürzen und Tötungsbefehle geben. Warum das also als abwegig abtun?
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