Venezuela Strom fällt erneut aus - Regierung spricht von Attacke

Erst Anfang März hatte ein Stromausfall Venezuela lahmgelegt, Dutzende Menschen starben. Nun blieb es in vielen Städten des Krisenlandes zeitweise wieder dunkel. Die Regierung sieht sich als Opfer einer Attacke.

Reisende am Flughafen in Caracas harren im Dunkeln aus
Carlos Jasso/ REUTERS

Reisende am Flughafen in Caracas harren im Dunkeln aus


Zweieinhalb Wochen nach einem massiven Stromausfall in Venezuela lagen am Montag erneut zahlreiche Gegenden in dem Krisenland im Dunkeln. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Netblocks brachen 57 Prozent der Energieversorgung zusammen.

In der Hauptstadt Caracas fiel die Stromversorgung am frühen Nachmittag (Ortszeit) aus. Auch der internationale Flughafen war betroffen. Augenzeugen zufolge kontrollierten Mitarbeiter die Pässe von Reisenden mit Taschenlampen. Die Gepäckbänder wurden mithilfe von Notfallgeneratoren betrieben. Flüge mussten offenbar nicht storniert werden.

In anderen Regionen fiel der Strom ebenfalls aus, wie Einwohner in Städten wie Barquisitmeto, Barcelona, Ciudad Bolívar und Barinas bei Twitter berichteten. In Maracaibo war die Stromversorgung demnach unbeständig. Das Licht gehe "an und wieder aus", schrieben Twitter-Nutzer. In den meisten betroffenen Gebieten konnte die Stromversorgung nach einigen Stunden wieder hergestellt werden.

Die Regierung von Machthaber Nicolás Maduro machte wie schon Anfang März einen Angriff auf Venezuelas Infrastruktur für die Störungen verantwortlich. "Wir sind wieder Opfer eines Angriffs auf das Transmissionszentrum unseres staatlichen Stromnetzes geworden", sagte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez im Fernsehen. Er nannte keine konkreten Namen, sagte aber, Venezuelas Rechte strebe danach, "Sorgen und Ängste zu schüren, um die Macht zu ergreifen und all unsere Ressourcen zu stehlen".

Video zur Lage an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien

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Ab dem 7. März hatte der schlimmste Stromausfall in der Geschichte Venezuelas das Land fast eine Woche lang lahmgelegt, mehr als 40 Menschen starben. Der linksnationalistische Staatschef Maduro machte Cyberattacken der USA sowie die Opposition unter ihrem Anführer Juan Guaidó dafür verantwortlich.

Maduros Gegner werfen der Regierung hingegen vor, nicht ausreichend in die Infrastruktur zu investieren. "Dieser Stromausfall ist der Beweis, dass der Diktator nicht dazu in der Lage ist, die Krise zu lösen", schrieb Guaidó am Montag auf Twitter. Er hatte sich im Januar zum Übergangspräsidenten Venezuelas erklärt. Er wird in seinem Versuch, Maduro zu entmachten, von den USA sowie rund 50 weiteren Staaten weltweit unterstützt, darunter auch von Deutschland.

USA werfen Russland "rücksichtslose Eskalation" in Venezuela vor

Aber auch Maduro hat Unterstützer im Ausland, darunter Russland. Der Vizepräsident der regierenden Sozialistischen Partei Venezuelas, Diosdado Cabello, bestätigte am Montag, dass zwei Flugzeuge aus Russland in dem südamerikanischen Land eingetroffen seien.

Die USA kritisierten Russlands Entsendung von Militärmaschinen und Personal nach Caracas als eine "rücksichtslose Eskalation der Lage". US-Außenminister Mike Pompeo gab an, er habe seinem russischem Kollegen Sergej Lawrow in einem Telefonat gesagt, die USA würden nicht untätig zusehen, wie Russland Maduro unterstütze. Was die USA dagegen konkret unternehmend würden, sagte Pompeo jedoch nicht.

aar/Reuters/AFP/dpa

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raoul2 26.03.2019
1. Man darf vermuten,
daß dies nicht der letzte gegen den Präsidenten (nicht "Machthaber") gerichtete Vorfall sein wird. Schickt Rußland aber zwei Flugzeuge mit benötigter Hilfe, schreit Trump auf: Zeter! Mordeo! Es ist so lächerlich einfach zu durchschauen was da abläuft. Aber warum macht DE bei dem Umsturzversuch, der gegen alle UNO-Vereinbarungen verstößt, eigentlich mit? Während rund 2/3 der Staaten sich entweder heraushalten (richtig) oder den gewählten Staatschef unterstützen.
simonweber1 26.03.2019
2. Das
Zitat von raoul2daß dies nicht der letzte gegen den Präsidenten (nicht "Machthaber") gerichtete Vorfall sein wird. Schickt Rußland aber zwei Flugzeuge mit benötigter Hilfe, schreit Trump auf: Zeter! Mordeo! Es ist so lächerlich einfach zu durchschauen was da abläuft. Aber warum macht DE bei dem Umsturzversuch, der gegen alle UNO-Vereinbarungen verstößt, eigentlich mit? Während rund 2/3 der Staaten sich entweder heraushalten (richtig) oder den gewählten Staatschef unterstützen.
sehe ich ähnlich. Man erregt sich in den USA über die angebliche russische Wahleinmischung auf, geht aber in Sachen Venezuela viel brachialer gegen die venezuelanische Regierung vor. Das was die USA da macht, ist schon eine Nummer größer.
ingen79 26.03.2019
3. solange Manduro an der
Macht bleibt, ist eine Verbesserung für Venezuela nicht in Sicht. Das Volk wird weiter leiden. Daran wird die Hilfe des Lupenreinen Demokraten Putin auch nicht viel ändern. Die russischen Ingenieure haben anscheinend keine Lust auf Urlaub in Venezuela
ezet 26.03.2019
4.
Zitat von raoul2daß dies nicht der letzte gegen den Präsidenten (nicht "Machthaber") gerichtete Vorfall sein wird. Schickt Rußland aber zwei Flugzeuge mit benötigter Hilfe, schreit Trump auf: Zeter! Mordeo! Es ist so lächerlich einfach zu durchschauen was da abläuft. Aber warum macht DE bei dem Umsturzversuch, der gegen alle UNO-Vereinbarungen verstößt, eigentlich mit? Während rund 2/3 der Staaten sich entweder heraushalten (richtig) oder den gewählten Staatschef unterstützen.
Moment mal: Maduro , von Beruf Busfahrer, wäre nach dem Tod von Chavez gar nicht wählbar gewesen. Die Verfassung sagt, dass ein nachrückender Vizepräsident nicht an der Ersatzwahl für einen z.B. verstorbenen Präsidenten teilnehmen darf. Um an der Macht zu bleiben, haben die Chavistas in der Folge alle Tricks angewandt: Wahlfälschung (Tausende "Tote" gingen wählen, Zerschneiden von Wahlkreisen in kleiner, um in ihren Hochburgen mehr Delegiertenstimmen zu bekommen, und schliesslich niemals geheime Wahlen. Wer nicht für die Chavistas gestimmt hat, wurde vom Staat bei jeder Gelegenheit benachteiligt. DAS war der Umsturz, den es jetzt im Interesse der Humanität schleunigst zu beseitigen gilt. Zu den Stromausfällen: Die gibt es schon seit Jahren. Immer wieder kann ich mit meinen Leuten in Venezuela nicht via Internet kommunizieren, weil das Stromnetz ausfällt, ohne "Hilfe" von Saboteuren. Statt in das Stromnetz zu investieren, hat man den Kubanern (gleiche Ideologie) das Öl praktisch geschenkt. Die ideologisch verseuchten Typen in der Regierung können keine Fehler zugeben, weil dadurch ihre Ideologie ad absurdum geführt wird. Typisch für alle solche Regime. Dann wird gelogen, getrickst und wenn sich ein Arzt einem Spital beklagt und um Hilfe ruft, weil er mangels Elektrizität und Medikamenten den Patienten nicht helfen kann, wird er einfach verhaftet. So war es auch in der DDR: Was nicht wahr sein darf, wurde weggelogen und die Zeugen weggesperrt. Hoffentlich kommen die Amerikaner schnell. Das ist jedenfalls der Wunsch aller Leute im Dorf, wo ich einst war.
Knossos 26.03.2019
5.
Daheim Bevölkerungen zu Milchkühen geschäftiger Gilde machen, der Geldkaste zugleich Luken zu Steuerflucht und zum Kassieren beim Fiskus öffnen, Krisenherde anheizen und Waffen dazu liefern, soziale Diskrepanz und Umweltnöte unterm Teppich halten, sich zum Weltpolizisten und Saboteur gegen Alles machen, das auch nur versucht oder behauptet, soziale Gleichberechtigung zu schaffen ... ... und sich zur gleichen Zeit schamlos "Demokratie" auf die Fahne schreiben. Solchen Widersinn sollen die Menschen der Industrienationen angeblich wählen. Viele in der sogenannten Dritten Welt glauben auch tatsächlich, daß die Menschen unserer Hemisphäre hinter solchen Regierungen stehen. Dabei vernachlässigend, wie sich indirekte und halbherzig kontrollierte Wahlsysteme, manipulierende Mediengewalt, Lobbyparlamente und Korruption gestalten. Jedenfalls hatte und habe ich einen schweren Stand, in Entwicklungsländern zu erklären, daß die Völker im Westen keine Mafia, sondern integere und humanistische Staatsführung im Sinn haben, die letztlich auch sie selbst fair vertrete und behandelte. Und irgendwann wird unser Gemeingeist verstehen, daß so etwas nur zu haben ist, wenn anonymer Geldverkehr endgültig unterbunden ist. Denn wo routinemäßig und ungehindert Schmiergeld aller Größenordnung verschoben werden kann, um Geldwertes vielfachen Umfangs aus Planung, Recht und Staatshaushalt zuschustern zu lassen, kann Demokratie nicht aufkommen. Ohne Transparenz ist sie zur Utopie verdammt.
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