Landesweiter Stromausfall 24-Stunden-Blackout in Venezuela

Chaotische Szenen in Krankenhäusern, lange Schlangen an Tankstellen und geschlossene Läden: Ein gigantischer Stromausfall legt Venezuela weiterhin lahm.

Schlange vor einer Apotheke in Caracas, Venezuela
REUTERS

Schlange vor einer Apotheke in Caracas, Venezuela


Venezuelas Blackout ist nach mehr als 24 Stunden immer noch nicht beendet. In großen Teilen des Krisenlands war am frühen Donnerstagabend der Strom ausgefallen.

In der Hauptstadt Caracas und den angrenzenden Bundesstaaten konnte die Stromversorgung am Freitagnachmittag zwar in einigen Gegenden kurzzeitig wiederhergestellt werden. Kurz darauf fiel der Strom jedoch erneut aus. In anderen Landesteilen waren die Menschen durchgehend ohne Elektrizität.

In Caracas kam es zu einem Verkehrschaos, weil die Metro ausfiel und zahlreiche Ampeln nicht funktionierten. Telefon- und Internetverbindungen waren gekappt. In vielen Wohnhäusern kam die Trinkwasserversorgung zum Erliegen, weil das Wasser mit Hilfe elektrischer Pumpen verteilt wird. Handel und Geldgeschäfte waren vielfach nicht mehr möglich, da die meisten Transaktionen elektronisch per Kartenzahlung erfolgen.

Augenzeugen berichteten auch von chaotischen Zuständen in einigen Krankenhäusern. Angehörige versuchten dort, kranke Patienten im Dunkeln in andere Kliniken mit besserer Stromversorgung zu bringen. Im Universitätsklinikum in Caracas starb eine Frau, nachdem ihr Beatmungsgerät aufhörte zu arbeiten.

In einem Kinderkrankenhaus verschafften sich Angestellte nachts mit ihren Handys etwas Licht. "Die Kinder waren sehr verängstigt", sagte Emilse Arellano, deren Kind wegen des Stromausfalls am Freitag keine Dialyse bekam.

Fauliger Verwesungsgeruch

Vor dem größten Leichenschauhaus in Caracas hing fauliger Verwesungsgeruch in der Luft, weil die Kühlanlagen versagten. Menschen warteten draußen, um die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen entgegennehmen und beerdigen zu können. "Wir können keine weiteren Leichen annehmen", sagte ein Angestellter.

Auf dem internationalen Flughafen von Caracas warteten Hunderte Menschen, darunter viele mit kleinen Kindern, auf eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs. "Wir sind seit gestern hier, ohne Essen und ohne Toiletten, weil die geschlossen sind", sagte Maria, die mit ihren beiden acht und 13 Jahre alten Kindern festsaß.

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Die genaue Ursache für den Stromausfall ist bislang unklar. Experten werfen der Regierung von Präsident Nicolás Maduro vor, in der Vergangenheit nicht genug in die Infrastruktur investiert zu haben. Die Regierung machte einen Cyberangriff auf ein wichtiges Wasserkraftwerk dafür verantwortlich und kündigte an, der Uno "Beweise" für eine Verstrickung der USA vorzulegen.

Der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó bekräftigte unterdessen seinen Aufruf zu neuen Massenprotesten am Samstag. Er forderte seine Unterstützter auf, landesweit "mit so viel Kraft wie noch nie" auf die Straßen zu gehen.

In Venezuela tobt seit Wochen ein Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Präsidenten Maduro und Oppositionsführer Guaidó. Guaidó will Maduro aus dem Amt drängen und Neuwahlen organisieren.

lov/AFP/dpa

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