Venezuela Teenager und 36-Jähriger bei Anti-Maduro-Protesten erschossen

Bei Protesten gegen die Regierung Venezuelas hat es erneut Tote gegeben. Im Westen des Landes wurden mehrere Menschen erschossen. In San Félix gingen auf den Präsidentenkonvoi Steine und Eier nieder.

H. PASQUALE/ EPA/ REX/ Shutterstock

In Venezuela sind Proteste gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro erneut in tödliche Gewalt umgeschlagen. Bereits am Dienstagabend kamen beim Aufeinandertreffen von Oppositionellen und Maduro-Anhängern zwei Menschen ums Leben.

Ein 13-jähriger Junge und ein 36-jähriger Mann seien in der Stadt Barquisimeto im Westen des Landes erschossen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Ein 32-jähriger Demonstrant aus Cabudare erlag am Donnerstag seinen Verletzungen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei den seit einer Woche andauernden Protesten auf fünf.

Mit ein Auslöser für die schweren Krawalle war ein Besuch Maduros in der Ortschaft San Félix im armen Bundesstaat Bolivar. Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen, in denen der Präsident in einem offenen Wagen durch die Menge gefahren wurde und winkte. Als Steine, Eier und Flaschen in Maduros Richtung flogen, brach die Übertragung plötzlich ab.

"Venezuela hasst deine korrupte Regierung"

Die venezolanische Opposition hatte den Angriff aufgebrachter Bürger auf den Präsidenten bejubelt. "Ganz Venezuela hasst dich und deine korrupte Regierung. Sofort Wahlen", schrieb Oppositionsführer Henrique Capriles auf Twitter. Parlamentspräsident Julio Borges sagte, ganz Venezuela lehne "Maduro und seine Diktatur ab". Laut einem Bericht der Zeitung "El Nacional" hat das Dorf, in dem Maduros Konvoi attackiert wurde, mit Versorgungsengpässen zu kämpfen. Wiederholt sei es dort zu Protesten gekommen.

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Proteste in Venezuela: Barrikaden und Brandbomben gegen Maduro

In der Hauptstadt Caracas strömten im Anschluss allerdings auch Anhänger Maduros aus mehreren Armenvierteln auf die Straßen, zündeten Feuer an und errichteten Straßensperren. Bei einer solchen Aktion in Barquisimeto sollen der Jugendliche und der 36-jährige Mann erschossen worden sein.

Venezuela leidet seit Langem unter einer schweren Wirtschaftskrise. Das ölreiche Land steht vor dem Bankrott und muss immer wieder mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden.

In dieser schweren Zeit sieht sich der linke Maduro im Parlament mit einer konservativen Mehrheit konfrontiert. Darum regiert er seit mehr als einem Jahr über Notstandsdekrete. Ende März ließ er durch den regierungstreuen Obersten Gerichtshof die Nationalversammlung entmachten. Wenig später wurde die Entscheidung wieder zurückgenommen. Oppositionsführer Capriles wurde für 15 Jahre das passive Wahlrecht entzogen.

Wie schon seinem Amtsvorgänger Hugo Chavéz wird auch Maduro vorgeworfen, die Demokratie in dem Land auszuhöhlen und eine Diktatur errichten zu wollen. Die Opposition hat für kommenden Mittwoch zu landesweiten Anti-Maduro-Protesten aufgerufen. Mit einer friedlichen "Mutter aller Demonstrationen" soll der Druck auf den Präsidenten noch einmal erhöht werden.

cht/Reuters/AFP/dpa

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gehirngebrauch 13.04.2017
1. mit
protesten fängt es an, wenn es außer kontrolle gerät sprechen die waffen und enden kann es wie bei somoza.
egoneiermann 13.04.2017
2.
Das war einem typische populistische Politik und das sage ich als Linker. Im Parlament kann sich die Regierung nur mit Hilfe der von ihnen eingesetzten höchsten Richter halten, dann versucht man eben, so zu tun, als würden die Menschen doch hinter einem stehen. Aber im offenen Wagen durch die Menge zu fahren kann eben auch in die Hose gehe, dass weiß jetzt auch Maduro.
Airkraft 13.04.2017
3. Ist vermutlich...
Zitat von egoneiermannDas war einem typische populistische Politik und das sage ich als Linker. Im Parlament kann sich die Regierung nur mit Hilfe der von ihnen eingesetzten höchsten Richter halten, dann versucht man eben, so zu tun, als würden die Menschen doch hinter einem stehen. Aber im offenen Wagen durch die Menge zu fahren kann eben auch in die Hose gehe, dass weiß jetzt auch Maduro.
Ist vermutlich nur mit einem schon weit fortgeschrittenen Realitätsverlust zu erklären ;-)
Ersti1 13.04.2017
4. Maduro
Maduro hat eine Diktatur errichtet.
m.sielmann 13.04.2017
5. Demokratie
Zitat von egoneiermannDas war einem typische populistische Politik und das sage ich als Linker. Im Parlament kann sich die Regierung nur mit Hilfe der von ihnen eingesetzten höchsten Richter halten, dann versucht man eben, so zu tun, als würden die Menschen doch hinter einem stehen. Aber im offenen Wagen durch die Menge zu fahren kann eben auch in die Hose gehe, dass weiß jetzt auch Maduro.
Richter werden in nahezu allen Staaten durch Parlemente oder deren Ausschüsse benannt. Das wird in SPON gerade am Beispiel der Besetzung des Supreme Court immer wieder in Artikeln deutlich. Paralamentarier kommen durch Wahl ins Parlament. Der Präsident wird vom Wähler direkt oder indirekt bestimmt. Es ist schön, wenn die vernezulanische Verfassung dise schützt und Richter dies anwenden. Wir sehen in der Ukraine, dass gewaltsame Regierungswechsel vormals stabile Staaten in Wanken bringen können. Mit friedlichen Mitteln von einer Regierung Änderungen verlangen ist ok. Aber ihre Kritik greift in Grundprinzipien des Rechtsstaats ein. Wir müssen uns aber immer entscheiden, wollen wir ein rechtsstaatliches Prinzip, bei dem Gerichte zu entscheiden haben und die Verfassung gilt, oder wollen wir das eher imperialistische Prinzip des Rechts des Stärkeren?
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