Generalstreik Tote bei landesweiten Protesten in Venezuela

Bei gewaltsamen Protesten gegen die Regierung sind in Venezuela erneut zwei Menschen ums Leben gekommen. Landesweit blieben viele Geschäfte wegen eines Generalstreiks geschossen.

Demonstrant in Caracas
AFP

Demonstrant in Caracas


Millionen Menschen in Venezuela haben sich aus Protest gegen Präsident Nicolás Maduro an einem Generalstreik beteiligt. Dabei ist es zu Ausschreitungen gekommen, bei denen zwei Menschen erschossen wurden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Menschenrechtsgruppen zufolge wurden bis zum späten Nachmittag mehr als 170 Menschen festgenommen.

In vielen Städten errichteten Regierungsgegner Straßenblockaden. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Maduro sprach von minimalen Auswirkungen. Oppositionelle hätten die Zentrale des Staatsfernsehens angegriffen, seien aber von Soldaten und Arbeitern zurückgeschlagen worden. In einer Rede kündigte er an, die Anführer der Streiks einsperren zu lassen. "Ich habe die Gefangennahme aller faschistischen Terroristen angeordnet."

Die Demonstranten wollen mit der um 6 Uhr Ortszeit begonnenen Arbeitsniederlegung die linksnationale Regierung unter Druck setzen, damit eine am 30. Juli geplante Wahl zu einer verfassunggebenden Versammlung nicht stattfindet. Die Opposition wirft Maduro vor, das Gremium mit eigenen Anhängern besetzen zu wollen, um sich "diktatorische Vollmachten" zu sichern. Der Generalstreik soll 24 Stunden dauern.

Am Sonntag hatten die konservativen und rechten Regierungsgegner ein symbolisches Referendum gegen die verfassunggebende Versammlung veranstaltet. Daran beteiligten sich nach ihren Angaben rund 7,6 Millionen der rund 19 Millionen Wahlberechtigten im In- und Ausland. 95 Prozent stimmten demnach gegen die von Maduro einberufene Versammlung und für die Beibehaltung der Verfassung, die unter dem 2013 gestorbenen Präsidenten Hugo Chávez verabschiedet worden war.

Seit dem Beginn der fast täglichen Massenproteste gegen Maduro im April gab es knapp hundert Tote, tausende Menschen wurden verletzt, hunderte festgenommen. Das ölreiche Venezuela befindet sich in einer schwere Wirtschaftskrise, verursacht auch durch den Einbruch des Ölpreises auf dem Weltmarkt. Bei der Parlamentswahl 2015 siegte die Opposition. Maduro, der 2013 mit knapper Mehrheit gewählt worden war, ignoriert seitdem die Volksvertretung.

max/AFP/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
RalfHenrichs 21.07.2017
1. Wie können wir Maduro etwas vorwerfen?
In Hamburg gibt es bei G20 Ausschreitungen, die weit weniger gewalttätig waren als in Venezuela (wenngleich für deutsche Verhältnisse sehr gewalttätig) und es wird von "linken Terrroristen" gesprochen, die Gesetze sollen verschärft werden und Gewalttäter eingesperrt werden. Natürlich ist die Polizei - nach Ansicht der deutschen Regierenden - unschuldig daran. Was würde hier also passieren, wenn es ähnliche gewalttätige Umsturzversuche geben würde?
im_ernst_56 21.07.2017
2. Falsch
Die Wirtschaftskrise in Venezuela wurde nicht allein durch den Einbruch des Erdölpreises verursacht, denn der trifft andere Erdöl produzierende Länder gleichermaßen, ohne dass es dort zu solchen Verwerfungen kommt. Ursächlich ist die sozialistische Wirtschaftspolitik verbunden mit einer strikten Devisenbewirtschaftung, einer exorbitanten Inflation mit der Folge gravierenden Mängeln in der Versorgung. Man sollte nicht den Eindruck , als seien die wirtschaftlichen Probleme Venezuela nicht (auch) hausgemacht.
Pecaven 21.07.2017
3.
Die Wirtschaftskrise ist das Ergebnis einer unfaehigen, korrupten und verbrecherischen linken Regierung, und nicht der Verfall des Oelpreises. Andere Oellaender haben nicht diese Probleme.
magier 21.07.2017
4.
Wie sich die Bilder gleichen. Vermummte Demonstranten, brennende Straßenbarrikaden, massierte Sicherheitskräften im Einsatz. Nur der Tenor der Berichterstattung ist ein anderer. Waren in Hamburg die Demonstranten (links) die Bösen und die Sicherheitskräfte die Guten, sind in Venezuela die Demonstranten (rechts) die Guten und die Sicherheitskräfte die Bösen (Tote und Verhaftete).
newbie99 21.07.2017
5. Auch wenn sich Bilder gleichen mögen - die Situation dahinter nicht!
In Venezuela steht ein knapp gewählter Präsident einem Parlament gegenüber, in dem seit den letzten Wahlen die Opposition das Sagen hat. Ihm und seinem verstorbenem Vorgänger werden seit jeher ein sagen wir mal "fragwürdiges" Verhältnis zu den Prinzipien der Demokratie vorgeworfen. Und nun lautet sein neuestes Projekt "Verfassungsänderung". So neu ist es nicht. In einem Referendum ist es bereits abgelehnt worden. Vom Parlament kann er derzeit auch keine Unterstützung erwarten. Seine Lösung: Er schafft sich einfach ein neues Gremium, abseits der derzeitigen Verfassung, will es nach eigenem Gut-Dünken mit Gefolgsleuten besetzen und halt darüber eine ihm genehme Verfassung beschließen lassen. Man braucht wohl nur wenig Phantasie, um sich auszumalen, wie so ein Gebilde aussehen wird. Und das sehen auch die Bürger des Landes, die ihm zunehmend kritischer gegenüber stehen. Chavez und Maduro haben alles auf die Erdöl-Karte gesetzt, diese Industrie verstaatlicht und mit den Einnahmen all' das finanziert, mit dem sie sich ihre Reihen genehm halten konnten. Andere Industriezweige oder auch nur eine gewisse Effizienz bei den Förderbetrieben: Fehlanzeige. Da nun der Ölpreis in den Keller gerutscht ist, kann man sich auch sein Gefolge nicht mehr kaufen und da nun nicht einmal mehr die Der-Böse-West-ist-Schuld-Karte zieht, kommt es zu immer größeren Protestaktionen. Ist das nun mit den Ausschreitungen in Hamburg vergleichbar? Im Traum doch nicht! Hier und da zahlt es sich aus, gewisse Differenzierungen vorzunehmen - echt! Ganz bestimmt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.