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08. August 2017, 05:15 Uhr

Proteste in Venezuela

Hacker greifen Regierungswebsites an

Nach der Attacke bewaffneter Dissidenten auf einen Militärstützpunkt in Venezuela haben Hacker Dutzende Onlineseiten angegriffen, darunter die der Regierung. Sie protestieren damit gegen Staatschef Maduro.

Dutzende Websites in Venezuela - vor allem von Behörden - sind Ziel einer Cyberattacke geworden. Ein Hacker-Kollektiv namens "The Binary Guardians", übersetzt etwa: Die binären Wächter, griff am Montag unter anderem die Online-Auftritte der Regierung, des Obersten Gerichtshofs und der Wahlkommission an. Auch private Firmen wie die Telekomfirma Digital waren betroffen.

Mit ihrer Aktion wollten die Hacker eigenen Angaben zufolge eine bewaffnete Gruppe unterstützen, die am Sonntag den Paramacay-Armeestützpunkt nahe der Stadt Valencia angegriffen hatte. Zwei Männer kamen dabei ums Leben. Zehn weitere waren nach Angaben der Regierung geflohen, nach ihnen lief auch am Montag noch eine "intensive Suche". Während Staatschef Nicolás Maduro ausländische Mächte für die Attacke verantwortlich machte, sprachen die bewaffneten Angreifer von einer "rechtmäßigen Rebellion" der Streitkräfte.

Video: Soldaten rufen zu Putsch auf

Die Hacker-Gruppe zeigte bei Twitter, was sie auf die gehackten Websites gestellt hatte: eine Erklärung, in der die Attacke auf die Militärbasis unterstützt wurde; außerdem ein Auszug aus Charlie Chaplins Film "Der große Diktator". Sie riefen Regierungskritiker zu neuen Demonstrationen auf, um "unsere tapferen Soldaten" zu unterstützen.

Venezuela wird seit Monaten von politischen Unruhen und einem erbitterten Machtkampf zwischen Regierungslager und Opposition erschüttert. Ein neuer Höhepunkt der Konfrontation war die Einsetzung einer Verfassunggebenden Versammlung, mit der Maduro das Parlament ausbootete. Dort verfügt die Opposition nach der Wahl vom Dezember 2015 über eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Die Mitglieder des neuen Gremiums sollen die Verfassung novellieren, die 1999 unter Maduros Vorgänger, dem 2013 gestorbenen Hugo Chávez, in einem Volksentscheid verabschiedet worden war. Die Wahl der 545 Mitglieder wird von Betrugsvorwürfen überschattet. Maduro preist das Gremium als Vertretung des Volkes. Darin sitzen aber fast nur Anhänger der Sozialisten.

Am Montag kamen die Abgeordneten des demokratisch gewählten Parlaments zusammen und beschlossen einstimmig, dass das neue Parallel-Parlament illegitim sei. Damit seien auch alle Entscheidungen wie die Absetzung der kritischen Generalstaatsanwältin Luisa Ortega null und nichtig, hieß es. Ob das allerdings Konsequenzen hat, ist unklar.

USA bereiten offenbar neue Sanktionen gegen Venezuela vor

Die USA planen Regierungskreisen zufolge eine Verschärfung der Sanktionen gegen Venezuela. Es würden neue Strafmaßnahmen gegen mehrere ranghohe Personen aus dem Umfeld von Präsident Maduro vorbereitet, die noch in dieser Woche verkündet werden könnten, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Insider, die namentlich nicht genannt werden wollten. Die USA hatten bereits kurz nach der Wahl der verfassungsgebenden Versammlung Sanktionen gegen Maduro verhängt.

aar/AFP/dpa/Reuters

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