Konflikt in Caracas USA rufen Venezuelas Regierungsmitglieder zu Abkehr von Maduro auf

Nach dem erneut entflammten Machtkampf in Venezuela haben die USA Mitglieder der Regierung aufgerufen, sich gegen Präsident Nicolás Maduro zu stellen. Russland warnte vor einem Eingreifen von außen.

US-Sicherheitsberater John Bolton: Venezuela droht, in eine Diktatur abzudriften
JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

US-Sicherheitsberater John Bolton: Venezuela droht, in eine Diktatur abzudriften


Der neuerliche Aufstand in Venezuela mit gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Militär zieht international Reaktionen nach sich. Der nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, forderte den venezolanischen Verteidigungsminister Vladimir Padrino und andere auf, sich dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó anzuschließen. Padrino hatte sich nach dem Aufruf Guaidós zunächst hinter die Regierung des amtierenden Präsidente Nicolás Maduro gestellt. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass sich große Teile des Militärs gegen Maduro stellen.

Bolton sagte, Venezuela werde in eine Diktatur abdriften, sollten Guaidós Bemühungen fehlschlagen. Den USA gehe es um einen friedlichen Machtübergang in Venezuela, sagte Bolton. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er beobachte die Lage sehr genau. Die USA stünden an der Seite des venezolanischen Volkes, so Trump.

In einer weiteren Twitter-Nachricht kündigte Trump ein "volles und komplettes Embargo" und schwere "Sanktionen" gegen Kuba an, sollten kubanische Truppen ihre "militärischen Operationen" in Venezuela nicht unverzüglich beenden. Die Opposition um Guaidó und Washington beschuldigen Kuba, Agenten des militärischen Geheimdienstes in Venezuela positioniert zu haben, um einfache Soldaten auf Linie zu halten. Kuba bestreitet das.

In dem südamerikanischen Land hatte der selbst ernannte Interimspräsident Guaidó am Dienstagmorgen einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. (Lesen Sie hier, wie Guiadó den Machtwechsel in Venezuela erzwingen will.)

Abtrünnige Soldaten befreiten zudem den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest. Nach Angaben des chilenischen Außenminister Roberto Ampuero befindet sich López offenbar in der Residenz des chilenischen Botschafters in Caracas.

Im Video: Guaidó geht aufs Ganze

Rafael Hernandez/ DPA

Die Europäische Union hat am Abend "größte Zurückhaltung" gefordert. Es könne nur einen "politischen, friedlichen und demokratischen Weg" aus der Krisensituation des Landes geben, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die EU lehne "jede Form von Gewalt" ab und rufe dazu auf, "den Verlust von Leben und eine Eskalation" zu vermeiden.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, die Bundesregierung unterstütze Guaidó nach wie vor. "Was wir nicht wollen, ist, dass die Waffen sprechen. Wir brauchen eine politische, keine militärische Lösung", schrieb Maas auf Twitter. Der Minister befindet sich derzeit auf einer Lateinamerika-Reise, in deren Verlauf er Brasilien, Mexiko und Kolumbien besuchen wird. Am Dienstag sollte er Brasiliens rechtsextremem Präsidenten Jair Bolsonaro treffen.

Bolsonaro drückte seinerseits seine "Solidarität" mit den Venezolanern aus. Venezuela sei "versklavt von einem Diktator", schrieb Brasiliens Staatschef auf Twitter. Das mexikanische Außenministerium teilte dagegen mit, man sei besorgt über eine mögliche Eskalation der Gewalt in Venezuela. Mexiko hatte Maduro lange Zeit abgelehnt, nach der Wahl des aktuellen Präsidenten Obrador hatten sich die Beziehungen jedoch wieder verbessert.

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Venezuela: Aufruf zur Revolte

Unterstützt wird die Regierung des amtierenden Präsidenten Maduro etwa von Russland, China und der Türkei. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow, warnte vor einem Eingreifen von außen. Es gebe Kräfte, die nur einen Vorwand für ein gewaltsames Einschreiten suchten.

Kossatschow nannte die USA nicht namentlich, forderte allerdings, den Machtkonflikt durch einen innenpolitischen Dialog und auf Grundlage der Mechanismen der Vereinten Nationen zu lösen. Russland hatte laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits Waffen und rund 100 Soldaten in das Land geschickt.

fek/dpa/Reuters



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