Machtkampf in Caracas USA ziehen Diplomaten teilweise aus Venezuela ab

Das US-Außenministerium hält die diplomatischen Vertretungen in Venezuela nur noch mit einer Notbesetzung geöffnet. Zudem sollen Amerikaner im Land ernsthaft eine Ausreise erwägen - oder sich mit Vorräten eindecken.

Anti-Maduro-Demonstranten und Polizisten in Caracas
REUTERS

Anti-Maduro-Demonstranten und Polizisten in Caracas


In einer Sicherheitswarnung hat das Außenministerium in Washington angeordnet, dass alle nicht dringend benötigten US-Diplomaten in Venezuela das Land verlassen sollen. Zudem forderte es alle amerikanischen Bürger in Venezuela auf, ernsthaft eine Ausreise zu erwägen. Die diplomatischen Vertretungen könnten in Notfällen nur noch eingeschränkt helfen.

Hintergrund ist der anhaltende politische Konflikt in dem Land: Am Mittwoch hatte Parlamentschef Juan Guaidó sich selbst zum Interimspräsidenten erklärt und damit Staatschef Nicolás Maduro offen herausgefordert. US-Präsident Donald Trump erkannte Guaidó als legitimen Interims-Präsidenten des Landes an. Daraufhin hatte Maduro die US-Diplomaten des Landes verwiesen und ihnen dafür bis Sonntag Zeit gegeben.

Fotostrecke

9  Bilder
Politische Unruhen in Venezuela: Adiós, Maduro!

Wenig später hatte US-Außenminister Mike Pompeo dann allerdings zunächst noch erklärt, die USA würden der Anweisung zum Abzug aller Diplomaten nicht folgen: "Das Regime des früheren Präsidenten Nicolás Maduro ist nicht legitim. Wir betrachten daher alle seine Erklärungen und Handlungen als illegitim und ungültig."

Nun ziehen die USA zumindest teilweise ihre Diplomaten ab. In der Sicherheitswarnung des Außenministeriums heißt es zudem, US-Bürger sollten ihre Ausreise aus Venezuela erwägen, solange es noch kommerzielle Flüge gebe. Wer sich zum Bleiben entscheide, solle ausreichende Vorräte anlegen.

Maduro wirft USA vor, "Staatsstreich" zu organisieren

Die Lage in Venezuela hat sich seit einem gescheiterten Aufstand von Nationalgardisten am Montag kontinuierlich verschärft. Bei Protesten gegen Maduro und Unruhen wurden laut der Nichtregierungsorganisation Beobachtungsstelle für soziale Konflikte seit Wochenbeginn 26 Menschen getötet.

Die USA, die EU und zahlreiche lateinamerikanische Länder erkennen Guaidó als legitimen Staatschef an. Maduro hingegen kann auf die Unterstützung des mächtigen Militärs sowie seiner Verbündeten in Russland, Iran, Türkei, Kuba, Bolivien und Nicaragua zählen.

Maduro dankte dem Militär am Donnerstag für die Unterstützung und warf den USA vor, "einen Staatsstreich" in Venezuela zu organisieren. Er kündigte an, die Botschaft seines Landes und alle Konsulate in den USA zu schließen.

Video: Guaidó gegen Maduro - Szenen der Machtprobe in Venezuela

Zugleich zeigte er sich offen für Gespräche mit der Opposition im Land. Bei Twitter schrieb Maduro: "Wir unterstützen den Vorschlag der Regierungen von Mexiko und Uruguay, eine neue internationale Initiative für einen Dialog zwischen den politischen Kräften in Venezuela zu starten, um im Rahmen der Verfassung nach einer Einigung zu suchen, die Stabilität und Frieden für alle Venezolaner garantiert."

Guaidó teilte in der Nacht zu Freitag mit, er würde eine Amnestie für Maduro und dessen Anhänger erwägen - falls diese dabei helfen würden, in Venezuela wieder eine Demokratie einzuführen.

aar/dpa/AFP/AP

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zoon.politicon 25.01.2019
1.
Ob die Zeiten sich geändert haben? Oder sitzen in der US-Botschaft - wie weiland in Allendes Chile - weiterhin Mitarbeiter der CIA? Die würden sicherlich als Letzte abziehen. Und einem Trump traut man zu, sich, wie in alten Zeiten, in Mittel- und Südamerika einzumischen.
haarer.15 25.01.2019
2. Venezuela
Lasst die Angelegenheiten das Land selber regeln. Ungebetene Einmischung bringt nur Komplikationen, wie man jetzt sieht. Aber die Amis, sie können es nicht lassen und sie lernen einfach nicht aus vergangenen Erfahrungen. Von diesem Einmischer-Club ist jetzt in Venezuela keiner mehr sicher. Da würde ich schon unaufgefordert das Land verlassen. Trump täte gut daran, die Probleme in seinem eigenen Stall zu lösen.
hansriedl 25.01.2019
3. Na sowas
zwei Präsidenten in Venezuela kämpfen um die Macht. Der eine ein Despot, der andere ein US Pudel. UND, die Ratten verlassen das sinkende Schiff.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.