Schwere Krise Venezuela tritt aus Organisation Amerikanischer Staaten aus

Die Organisation Amerikanischer Staaten hat die Entwicklungen in Venezuela zuletzt heftig kritisiert. Der venezolanische Präsident Maduro reagiert wütend - und ordnet den Austritt aus dem Bündnis an.

Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Caracas
REUTERS

Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Caracas


In Venezuela demonstrieren täglich Tausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro. Die wirtschaftliche Lage in dem südamerikanischen Land ist prekär. Inmitten der schweren Krise hat Venezuela nun angekündigt, aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) auszutreten.

"Morgen werden wir der OAS das Austrittschreiben zustellen und den Prozess einleiten, der 24 Monate dauert", sagte Außenministerin Delcy Rodríguez im Fernsehsender VTV. Der Rückzug erfolgte nach ihren Angaben auf Anweisung von Präsident Nicolás Maduro. Die in Washington ansässige OAS nannte die Ministerin eine von den USA angeführte "interventionistische Koalition".

Zuvor hatte der Permanente Ausschuss der OAS eine Sitzung der Außenminister des Staatenbundes einberufen, um die Lage in Venezuela zu erörtern. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen, Regierungsanhängern und Sicherheitskräften kamen seit Anfang April in Venezuela mindestens 32 Menschen ums Leben.

Auch am Mittwoch gingen erneut Anhänger und Gegner Maduros auf die Straße. Die Polizei setzte Tränengas ein, Demonstranten warfen Steine. Während sich Unterstützer des Staatschefs nahe dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas versammelten, wurden die Regierungsgegner auf ihrem Protestmarsch zunächst von der Polizei gestoppt.

OAS-Generalsekretär kritisierte Venezuela mehrfach heftig

Seit Monaten liefert sich die sozialistische Regierung einen harten Machtkampf mit dem von der Opposition dominierten Parlament. Zuletzt hatte der regierungstreue Oberste Gerichtshof die Nationalversammlung entmachtet. Wenig später wurde die Entscheidung wieder zurückgenommen. Dem einflussreichen Oppositionsführer Henrique Capriles wurde für 15 Jahre das passive Wahlrecht entzogen.

Venezuela leidet zudem unter hoher Kriminalität und einer schweren Wirtschaftskrise. Das ölreichste Land der Welt steht vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden.

OAS-Generalsekretär Luis Almagro hatte die venezolanische Regierung zuletzt immer wieder heftig kritisiert und Neuwahlen in dem südamerikanischen Land gefordert. Die Demokratie in Venezuela sei "tödlich verletzt", sagte er vor Kurzem. Für die Sozialisten in Venezuela ist der Uruguayer längst ein Staatsfeind. Zu Ostern brannten in dem Land Judas-Figuren mit dem Konterfei Almagros.

"Niemals werden wir zulassen, dass kriecherische Lohnsklaven Venezuela beleidigen", schrieb Rodríguez am Mittwoch auf Twitter. "Venezuela zieht sich aus der OAS zurück für seine Würde, Unabhängigkeit, Souveränität, für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes."

Die Organisation Amerikanischer Staaten hat 35 Mitgliedsstaaten und soll die Demokratie sowie die Menschenrechte verteidigen und die Kooperation zwischen den Ländern stärken. Zwar halten Venezuelas Verbündete wie Bolivien, Ecuador und Nicaragua weiter zu Maduro. Allerdings gilt die OAS im Gegensatz zu anderen Regionalbündnissen in Lateinamerika als von den USA dominiert.

max/dpa/AFP



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spon-facebook-1393188940 27.04.2017
1. Der letzte Satz sagt Alles
Maduro hat recht. Nun, liebe SPON-Redaktion, wie stellt Ihr Euch ein besseres Venezuela vor? 2000% Inflation anstatt 1600%? Hauptsache, nicht USA-dominiert? Oder wie, oder was? Mal ganz tatsachenorientiert gefragt: wer von Euch berichtet eigentlich aus Venezuela? Nicht nur per web oder so? Wer sitzt in Caracas und erzählt uns, wie es sich lebt mit leeren Regalen im Supermarkt? Ich sehe hier nur 2nd hand Quark, Zeug das ich mir jederzeit selbst ergoogeln kann.
thomas_gr 27.04.2017
2. Überschrift
In diesem Land werden die Protestler von außen finanziert. Venezuela hat Probleme, richtig, aber man muss festhalten, dass es der Masse der Bevölkerung noch nie so gut ging. Vor Chavez verhungerten die Ärmsten, heute gibt es sowas nicht mehr. Kostenlose Bildung, Wohnraum, Medizinische Versorgung, usw. Aber der Westen mag keine erfolgreichen Wirtschaftsmodelle, die sich nicht dem Schockkapitalismus unterwerfen lassen, also werden ökonomische hitman in solche Länder geschickt, die die Staaten vernichten sollen. Und wenn das nicht reicht, kommt die NATO und bombt die Länder weg (siehe Libyen)
m.sielmann 27.04.2017
3. Verständlich aber schade
Den Austritt von Venezuela kann man verstehen, bei dem Druck der von allen Seiten auf die Demokratie dort ausgeübt wurde. Nach dem Putsch in Brasilien, den Massendemonstrationen in Chile und dem Rückgriff auf die Macht durch die alten Militärs in den anderen Staaten Südamerikas (zB Peru) wird doch nur über die reaktionäre Protestbewegung in Venezuela international und einseitig diskutiert. Nach en zwanzig Toten auf einer Demonstration (es waren wohl mehr), von denen acht bei Einbrüchen an elektrischen Sicherungsanalgen der Ladenbesitzer, ein Polizeibeamter in den Rücken geschossen, ein Motorradfahrer bei Durchbrechen Umfahren einer Barikade der Madurao-Gegner von diesen erschossen, zwei von der Maduro-Polizei getötet und die anderen Toten noch ungeklärt sind, scheint nur ein Thema interessant: Regimechange. Auch in der Ukraine begann der Bürgerkrieg mit den Schüssen am Maidan auf Demonstranten und Polizisten (also auf beide Seiten. Chaos führt nur zu mehr Toten. Wenn nach Wahrnehmung von Maduro jetzt die OAS sich ebenfalls auf die Seite der Chaos-Befürworter stellt, ist das schade und ein Austritt sicher falsch. Aber die Einseitigkeit in der Betrachtung ist schwer zu ertragen (sollte aber ein Politiker können. Dennoch, berichtet doch mal über die Massenproteste in Chile gegen den Verfall der Renten nach deren Privatisierung. Berichtet doch mal über die Gewalt gegen die Massenproteste der Brasilianer gegen den Putsch. Berichtet doch mal über die Armut in Argentinien durch die Landvertreibung, nachdem Sojafelder das ehemalige Gaucholand ablösen. Vielleicht ist das eine ander Perspektive auf Südamerika, die es auch wert ist gesehen zu werden.
Boone63 27.04.2017
4. Richtig so!
Menscherechte halten nur davon ab dem Vollk zu zeigen wie gut es ihm geht. Schließlich leben sie in einer linken Volksrepublik in dem allen alles gehört. Nur weil der Großteil des Volkes das nicht einsehen will ist das noch lange kein Grund nachzugeben. Darum sind Demokratienh zum scheitern verurteilt. Dort hat das Volk zu viel Einfluß! Nur wenn die linke Miderheit endlich das sagen hat, gibt es eine Chance auf Glück für alle, zur Not eben mit Gewalt. Zur Not muss man eben das Volk dezimieren, wie in Pol Pot es getan hat, um dem Rest Glück und Wohlstand zu bringen. Wenn man nur lange genug alle zwangsbeglückt dann wird das schon funktionieren, siehe auch die Zeit von 33 -45.
erwin9 27.04.2017
5. Ein rasch um sich greifendes Fieber
Man möchte gerade an der Welt verzweifeln. Überall dieselbe fatale Entwicklung. Despoten reißen die Macht an sich oder schicken sich an es zu tun. Ans Ziel getragen von hassverführten Mitmenschen, die nur noch in eine (falsche) Richtung schauen können und auf ihre Mitmenschen buchstäblich sch.... Die Demokratie und die Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Überall dasselbe unendlich dumme und wirre Gefasel von Staatsfeinden, Volksverrätern, den bösen, angeblich auszutrocknenden Eliten, die dann zugunsten von sogenannten starken Männern (und Frauen) ausgetauscht werden müssen, die den anderen Völkern, Andersdenkenden, oder Völkerrechtlichen Organisationen (heißen sie nun OAS,UNO, oder EU) endlich mal zeigen, wo der Hammer hängt. Am besten das betreffende Land tritt gleich aus, weil man sich Einspruch in die eigene heilige Souveränität verbittet. Irgendwie scheint die Menschheit, oder zumindest ein nicht unbeträchtlicher Teil vergiftet, oder von einer Art Fieber erfasst, das immer schneller um sich greift. Ich habe langsam wirklich massive Angst, dass wir das Jahr 2017, als das Jahr in Erinnerung behalten werden, an dem die Menschheit wieder Mal - und dieses Mal final- die Lunte anlegte. Falls dann überhaupt noch jemand übrig bleibt,der sich erinnern kann.... Das Schlimme ist, es ist vollkommen unnötig.
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