Generalstreik in Venezuela Erneut Tote bei Protesten gegen Maduro

In Venezuela läuft ein zweitägiger Generalstreik. Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Eine weitere große Fluggesellschaft kappte ihre Verbindung nach Caracas.

Ein Demonstrant steht Sicherheitskräften in Venezuela gegenüber
REUTERS

Ein Demonstrant steht Sicherheitskräften in Venezuela gegenüber


Bei Protesten gegen die Regierung sind in Venezuela mindestens drei Menschen getötet worden. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, starb ein 16-Jähriger am Mittwoch bei einer Demonstration gegen Staatschef Nicolás Maduro in der Hauptstadt Caracas.

Im Westen des Landes seien zudem ein 30 Jahre alter und ein 23 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Damit sind bei den seit April andauernden Protesten bereits mehr als 100 Menschen gestorben.

In dem südamerikanischen Staat läuft seit Mittwoch ein zweitägiger Generalstreik. Regierungsgegner lieferten sich Straßenschlachten mit Sicherheitskräften, sie errichteten Barrikaden und forderten auf Spruchbändern ein "Ende der Diktatur". In der Hauptstadt und größeren Städten wie Maracay, Maracaibo und San Cristóbal setzten Sicherheitskräfte Tränengas ein, um die Demonstrationen aufzulösen.

Opposition will Wahl boykottieren

Mit dem Streik will die Opposition den Druck auf Präsident Maduro erhöhen. Die wichtigsten Gewerkschaften unterstützten den zweitägigen Ausstand. Maduro hingegen sagte, der "Versuch eines unbegrenzten Generalstreiks" sei "besiegt" worden.

Seit Monaten kämpft die Opposition für Maduros Amtsenhebung. Sie macht ihn für die Wirtschaftskrise im ölreichen Venezuela verantwortlich, die sich durch den Fall des Preises für Erdöl auf dem Weltmarkt verschärft hat. In den Geschäften und Krankenhäusern des sozialistischen Landes fehlt es mittlerweile am Nötigsten. Außerdem befürchtet ein breites Bündnis aus Liberalen, Nationalisten und Sozialdemokraten den Umbau des Landes in eine Diktatur.

Am Sonntag sollen nach dem Willen Maduros die 545 Mitglieder einer Verfassungsgebenden Versammlung gewählt werden. Die Opposition will die Wahl boykottieren, da die von Maduro geplante Zusammensetzung und der Wahlmodus den seit 1999 regierenden Sozialisten eine Mehrheit sichern wird.

USA verhängen Sanktionen

Wegen ähnlicher Bedenken hat auch die US-Regierung Sanktionen gegen Regierungsvertreter und sozialistische Funktionäre aus dem Umfeld von Maduro erlassen. Das teilte das Finanzministerium am Mittwoch mit. Durch die Strafen werden mögliche Vermögen von 13 betroffenen Personen in den USA eingefroren. US-Unternehmen ist es zudem künftig verboten, mit ihnen Geschäfte zu machen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin drohte Maduro mit weiteren Konsequenzen. Präsident Donald Trump habe klargemacht, dass man es nicht hinnehmen werde, sollte die Regierung in Caracas damit fortfahren, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu untergraben. "Jeder, der sich in die Verfassungsgebende Versammlung wählen lässt, sollte wissen, dass ihn deswegen US-Sanktionen treffen könnten", erklärte er.

Airlines fliegen nicht mehr nach Venezuela

Auch der Luftverkehr ist von den heftigen Unruhen betroffen. Die Fluggesellschaft Avianca will als nächste große Airline nicht mehr in das südamerikanische Land fliegen. Wie Avianca am Mittwoch in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá mitteilte, werden die Verbindungen von Bogotá und der peruanischen Hauptstadt Lima nach Caracas und zurück am 16. August wegen Sicherheitsbedenken eingestellt.

Zuvor hatte unter anderem die Lufthansa im Juni 2016 nach rund 45 Jahren ihre Flüge nach Caracas ausgesetzt - und dafür unter anderem Außenstände im dreistelligen Millionenbereich angeführt. Venezuela leidet unter der höchsten Inflation der Welt, zudem gibt es Berichte über Unregelmäßigkeiten bei der Abwicklung des Flugbetriebs. Auch Alitalia, die brasilianische Gol und Aeromexiko stoppten die Verbindung in das sozialistische Land.

slü/AFP/dpa

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