SPIEGEL ONLINE

Grenze zu Frankreich Italienische Polizei räumt Flüchtlingscamp

Sie wollten nach Frankreich und landeten in Italien: Hunderte Flüchtlinge harrten seit Tagen an der italienisch-französischen Grenze aus. Im Streit um die Aufnahme der Menschen hat Italien jetzt gehandelt - und die Polizei geschickt.

Im Streit mit Frankreich über die Aufnahme Hunderter an der französisch-Italienischen Grenze gestrandeter Flüchtlinge haben italienische Polizisten nun ein Flüchtlingscamp geräumt. Die Beamten trugen am Dienstagmorgen Dutzende Migranten weg.

Die überwiegend aus Afrika stammenden Menschen hatten tagelang an der Riviera im italienischen Ventimiglia gecampt und auf eine Möglichkeit gewartet, über die Grenze nach Frankreich weiter reisen zu können.

Als am Morgen die Polizisten kamen und die Flüchtlinge zum Verlassen des Unterschlupfs aufforderten, wehrten sich einige von ihnen mit Händen und Füßen. Andere seien in Richtung Meer auf die Klippen geflohen, wobei die Polizei nicht eingeschritten sei, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Am Dienstagmorgen hielten sich noch rund 60 Migranten auf den Felsen auf, die einige Meter von der französischen Grenze entfernt liegen.

Die französischen Behörden verweigern den Flüchtlingen seit Donnerstag die Einreise über den Grenzübergang nach Menton. Italiens Innenminister Angelino Alfano kritisierte das Vorgehen Frankreichs als "Schlag ins Gesicht Europas ", heißt es in der Onlineausgabe der italienischen Zeitung "La Repubblica" . Die Szene in Ventimiglia sei Beweis, dass die Migranten nicht nach Italien gekommen sind, um in Italien zu bleiben. Er forderte Solidarität mit seinem Land. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve betonte zuvor, es habe sich nicht um eine Blockade an der Grenze gehandelt, Italien müsse den Flüchtlingen helfen.

Fotostrecke

Flüchtlinge in Italien: Übernachtung auf dem Bahnhof

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS

Nach dem Polizeieinsatz wurden die Flüchtlinge in einem Bus zum Bahnhof von Ventimiglia gebracht. Minister Alfano sagte vor dem Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg: "Es ist genau die Szene von Ventimiglia, aus der alle ihre Lehren ziehen müssen." Auf dem Treffen soll auch über die Situation an der Grenze gesprochen werden.

apr/dpa/AFP