Veraltete Maschinen Russische Kampfjets reif für die Schrottpresse

Ein russischer Kampfpilot konnte sich nur per Schleudersitz retten, ein zweiter starb beim Absturz seiner MiG-29. Jetzt enthüllt eine Moskauer Zeitung: 200 russische Jagdflugzeuge müssen am Boden bleiben, weil die Jets veraltet und völlig verschlissen sind.


Moskau - Der Rost zerfrisst den Stolz der russischen Luftwaffe, er nagt an Flügeln, Rumpf und Heck. Rund 200 Flugzeuge des Typs MiG-29 sind flugunfähig, berichtet die Moskauer Zeitung "Kommersant" - oder sogar reif für die Schrottpresse.

Rost nagt an Flügel, Rumpf und Heck: Russische MiG-29 bei einer Flugshow
REUTERS

Rost nagt an Flügel, Rumpf und Heck: Russische MiG-29 bei einer Flugshow

"Das russische Verteidigungsministerium hat zum ersten Mal eingeräumt, dass 200 seiner MiG-29-Flugzeuge nicht mehr nur kampfunfähig seien, sondern einfach nicht abheben können", schreibt das Blatt.

Das wäre ein Fiasko für die russischen Luftstreitkräfte, die damit mit einem Schlag auf rund ein Drittel ihrer rund 650 Jagdflugzeuge verzichten müsse, so die Zeitung. Schlimmer noch: Andere Flugzeugtypen wie die SU-27 oder die MiG-31 könnten im Ernstfall kaum die Aufgaben der MiG-29 übernehmen, von der nur noch rund 90 Maschinen einsatzbereit seien. Die MiG-29 gilt als äußerst wendig.

In den vergangenen Monaten waren Flugzeuge vom Typ MiG-29 mehrfach abgestürzt. Am 17. Oktober 2008 konnte sich der Pilot eines Jägers noch rechtzeitig per Schleudersitz aus seiner Maschine retten, bevor diese in der Nähe der Stadt Tschita in Sibirien zerschellte. Am 5. Dezember starb der Pilot einer MiG bei einem weiteren Unglück. Ein Teil des Flugzeughecks war abgerissen. Daraufhin stoppte die Luftwaffe alle Flüge. Die MiG durften nicht mehr abheben, eine Untersuchungskommission nahm die Arbeit auf. Jetzt berichtet die Zeitung Kommersant über das schockierende Resultat der Ermittlungen: Die Absturzursache soll Korrosion gewesen sein - Rost also.

Die meisten Maschinen des Typs MiG-29 wurden in den achtziger und neunziger Jahren gebaut. "Die letzten Katastrophen der MiG-29 liegen in ihrem Alter und der Materialabnutzung begründet", zitiert der Kommersant einen nicht namentlich genannten Vertreter der russischen Luftfahrtindustrie. Die beiden im vergangenen Jahr abgestürzten Kampfjets stammen aus dem Jahr 1985 - und hätten nach 20 Jahren außer Dienst gestellt werden sollen.

beb/AP/dpa



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