Veraltetes System US-Wählerregister führt fast zwei Millionen Tote

Wer in den USA wählen will, muss sich registrieren lassen. Doch das System ist laut einer Erhebung des unabhängigen Pew Center on the States erschütternd ungenau: In den Listen fehlen 51 Millionen Wahlberechtigte ganz - dafür sind 1,8 Millionen Menschen verzeichnet, die bereits verstorben sind.

Hamburg - Die Wählerlisten in den USA bedürfen neun Monate vor der Präsidentschaftswahl einer starken Überarbeitung. Wie das unabhängige Pew Center on the States mitteilte, sind 51 Millionen Wahlberechtigte derzeit gar nicht auf den Wählerlisten verzeichnet. Das entspricht laut dem Bericht knapp einem Viertel aller Wahlberechtigten. In den Listen sind zudem mehr als 1,8 Millionen Personen als "aktive Wähler" aufgeführt, die bereits verstorben sind.

Jeder achte Eintrag im Wählerregister sei fehlerhaft, bemängeln die Experten des Pew Center on the Staates, das entspricht 24 Millionen Datensätzen. Rund zwölf Millionen Personen sind falschen Adressen zugeordnet, was vermutlich bedeutet, dass der Wähler irgendwann umgezogen ist und die neue Adresse nicht nachgepflegt wurde. Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese Personen per Post erreichbar sind. Rund 2,7 Millionen Wähler seien in mindestens zwei verschiedenen Bundesstaaten registriert.

Das System von Wählerlisten auf Papier sei "antiquiert" und "von Fehlern durchsetzt", schreiben die Autoren in dem Bericht. Zum Teil seien die Fehler darauf zurückzuführen, dass die Wählerlisten nach Umzügen der Betroffenen in den vergangenen Jahren nicht aktualisiert wurden.

Den Angaben zufolge arbeiten die Behörden seit 2010 daran, das System zu modernisieren. Die Verbesserungen bestehen aus drei Ansätzen:

  • Die Wählerlisten sollen künftig mit anderen Datenquellen abgeglichen werden. In Frage kommen etwa Kfz-Zulassungsakten und Unterlagen zu Adressänderungen.
  • Moderne Technik und Software soll eingesetzt werden, um Fehlerquellen auszuschalten und die Daten aktuell zu halten.
  • Die Eingabe von Daten auf Papier soll, soweit möglich, abgeschafft werden. Angedacht ist, dass Wähler ihre Daten per Internet aktualisieren können.

In den USA stehen im November Präsidentschaftswahlen an. Für die Demokraten stellt sich der amtierende Herr im Weißen Haus, Barack Obama, der Wiederwahl. Bei den Republikanern ist das Rennen noch offen, wer den Präsidenten herausfordert. Als Favorit gilt Mitt Romney, in den Umfragen ist aber auch Rivale Rick Santorum derzeit sehr stark. Gleichzeitig wird im November ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt.

ffr/AFP
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