Verbaler Rückzug Briten sprechen nicht mehr vom "Krieg gegen Terror"

Es ist eines der wichtigsten Schlagworte von George W. Bush: Immer wieder beschwört der US-Präsident den "Krieg gegen den Terror". Seine britischen Verbündeten rücken jetzt zumindest verbal von ihm ab: Londons Diplomaten finden den Begriff "kontraproduktiv" und wollen ihn künftig vermeiden.


London - Das britische Außenministerium hat vom Gebrauch des Begriffs "Krieg gegen den Terror" abgeraten, der sich in den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 weit verbreitet hat. In einer Empfehlung an die britischen Minister, Diplomaten und sonstigen Regierungsvertreter habe das Außenministerium darauf hingewiesen, dass sich die Verwendung des Begriffs als "kontraproduktiv" erweisen könnte, berichtet das Magazin "The Observer" in seiner jüngsten Ausgabe. Vielerorts werde der "Krieg gegen den Terror" als Krieg gegen den Islam missverstanden. "Wir empfehlen das Hervorheben gemeinsamer Werte als Mittel gegen Terroristen", sagte ein Ministeriumssprecher.

US-Soldaten in Afghanistan: Was genau ist der "Kampf gegen den Terror"?
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"Das ist höchste Zeit", kommentierte der Terrorismus-Experte Gary Hindle vom Royal United Services Institute in London die Entscheidung. "Militärische Begrifflichkeit ist absolut kontraproduktiv und trägt eher dazu bei, bestimmte Gruppen zu isolieren."

Die Regierung in London war von Diplomaten laut "Observer" immer wieder darauf hingewiesen worden, dass muslimische Fundamentalisten den Begriff "Krieg gegen den Terror" bei der Rekrutierung neuer Kämpfer nutzten.

har/AFP



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