Verbot aufgehoben Deutscher Russland-Experte darf wieder nach Moskau reisen 

Das Einreise-Verbot für den angesehenen Russland-Kenner Hans-Henning Schröder ist aufgehoben. Die Bundesregierung hatte scharf gegen die Maßnahme protestiert. Dem Deutschen wurde nun erklärt, es habe sich lediglich um eine Panne gehandelt. 


Berlin/Moskau - Der angesehene Osteuropa-Forscher Hans-Henning Schröder darf wieder nach Moskau reisen. "Moskau hat mitgeteilt, dass es angeblich nur eine technische Panne war", sagte Schröder am Freitag. Ihm war am Mittwoch die Einreise verboten worden, als er auf dem Moskauer Flughafen gelandet ar. Zu dem Rückzug des Einreiseverbots sagte Schröder: "Mit dieser Erklärung wahren natürlich alle ihr Gesicht." Er halte an seiner Meinung fest, dass in Russland viele Dinge politisch schieflaufen würden, sagte Schröder. "Falls Einschüchterung das Ziel der Aktion war, hat sie es nicht erreicht."

Nach einer Nacht in der Abschiebezelle hatte Schröder am Donnerstag nach Berlin zurückkehren müssen. Inoffiziell hatte es geheißen, er sei ein "Sicherheitsrisiko". Die deutsche Botschaft in Moskau und das Kanzleramt schalteten sich in die Sache ein. Die Bundesregierung verurteilte das Verbot scharf.

Der angesehene Russland-Experte und Leiter einer Forschungsgruppe der Stiftung Wissenschaft und Politik war auf Einladung der Moskauer Higher School of Economics in die russische Hauptstadt geflogen. Das Visum hatte die russische Botschaft in Berlin ausgestellt. Schröder sollte in Moskau an einer Konferenz teilnehmen und zum Thema "Werte von Russen und Deutschen im Vergleich" sprechen.

Der 62-jährige Herausgeber der "Russlandanalysen" gilt als besonnener, Russland durchaus gewogener Experte. Den Kreml hat er nie frontal angegriffen. Schröder selbst kann sich keinen Reim auf das Verhalten der russischen Behörden machen. Er sei in diesem Jahr bereits mehrfach problemlos in das Land eingereist. Es habe keinerlei Anzeichen auf mögliche Probleme gegeben, sagte er.

Die russischen Behörden haben bereits mehrfach Journalisten und Forschern die Einreise in ihr Land verboten. Dem deutschen Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff versagte Russland 2003 die Einreise.

ler/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
erwin777sti 07.10.2011
1. selbstverständlich ist H-H Schröder ein Sicherheitsrisiko für Russland ..
Zitat von sysopDas Einreise-Verbot für den*angesehenen Russland-Kenner Hans-Henning Schröder ist aufgehoben.*Die Bundesregierung hatte scharf gegen die Maßnahme protestiert. Dem Deutschen wurde nun erklärt,*es habe sich lediglich um eine Panne gehandelt.* http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790644,00.html
jeder, der nicht auf Putins "Nationale Front" eingeschworen ist, stellt insgeheim ein Sicherheitsrisiko für die Russische Föderation dar. Zumindest in den Augen der Wähler von "Vereinigtes Russland", und das sind gut zwei Drittel. Und deshalb kann sich der Machtapparat jeden noch so hanebüchenen Unsinn ungestraft verbreiten, leider. Und diese Ausrastereien werden von Herrn Putin zumindest geduldet, wenn nicht sogar initiiert, um einzuschüchtern. Schade, dass die absolutistische Einschüchterung möglicher politischer Konkurrenten die einzige nationale Idee Russlands zu sein scheint. Ein Dankeschön an die Bundesregierung, dass sie so vehement und mit Erfolg protestiert hat.
mnborken 08.10.2011
2. ...
Zitat von erwin777stijeder, der nicht auf Putins "Nationale Front" eingeschworen ist, stellt insgeheim ein Sicherheitsrisiko für die Russische Föderation dar. Zumindest in den Augen der Wähler von "Vereinigtes Russland", und das sind gut zwei Drittel. Und deshalb kann sich der Machtapparat jeden noch so hanebüchenen Unsinn ungestraft verbreiten, leider. Und diese Ausrastereien werden von Herrn Putin zumindest geduldet, wenn nicht sogar initiiert, um einzuschüchtern. Schade, dass die absolutistische Einschüchterung möglicher politischer Konkurrenten die einzige nationale Idee Russlands zu sein scheint. Ein Dankeschön an die Bundesregierung, dass sie so vehement und mit Erfolg protestiert hat.
Mal ganz ehrlich, Sie glauben wirklich das Putin die Zeit hat, sich um die Einreise eines "Hans-Henning-Schröder" von wo nochmal zu kümmern? Langsam wirds lächerlich. Selbst wenn, dann hätte der Herr bereits in Berlin kein Visum bekommen. Bei der strikten Visa-Vergabepolitik, die Deutschland bei Russ/innen an den Tag legt, eigentlich nicht mal ein Grund, dass gerade wir Deutschen da rumjaulen.
Panslawist 08.10.2011
3. Titel
Zitat von mnborkenMal ganz ehrlich, Sie glauben wirklich das Putin die Zeit hat, sich um die Einreise eines "Hans-Henning-Schröder" von wo nochmal zu kümmern? Langsam wirds lächerlich. Selbst wenn, dann hätte der Herr bereits in Berlin kein Visum bekommen. Bei der strikten Visa-Vergabepolitik, die Deutschland bei Russ/innen an den Tag legt, eigentlich nicht mal ein Grund, dass gerade wir Deutschen da rumjaulen.
Naja, dann hätte man ihn aber nicht in die Abschiebezelle bringen können. Schröder: Man hat andere Vorstellungen von Demokratie, man hat vor allen Dingen auch keine Vorstellung davon, wie man mit Minderheiten, mit Ausländern, insbesondere mit Zuwanderern aus dem Südkaukasus, Zentralasien umgeht oder man geht sozusagen feindselig mit ihnen um. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1533301/ Schröder muss nun in Moskau-Domodedowo auf den nächsten möglichen Rückflug nach Berlin warten, in einer Zelle mit Abschiebehäftlingen, die nach Zentralasien und in den Südkaukasus ausgewiesen werden sollen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790177,00.html Nachdem ich Schröders Interview gelesen habe, denke ich schon, dass Rußland ihm einen Denkzettel verpassen wollte und halte dieses Vorgehen für falsch. Rußland möchte eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit Deutschland und versucht alle objektiv vorhandenen Hindernisse mit Gewalt zu beseitigen bzw. mundtot zu machen, anstatt die Wahrheit zu akzeptieren, nämlich das der "angesehenste deutsche Rußland-Kenner" und Politkberater sich die Zeiten Gorbatschows und Jelzins zurück wünscht und meint, dass Rußland im deutschen oder westlichen Sinne sozialisiert werden müsse, bevor es diese Partnerschaft geben kann. Ich befürchte, dass Rußland wenig aus der Geschichte gelernt hat, oder an einem Stockholm-Syndrom leidet. Beides bedarf einer Säuberung.
Andrycha 08.10.2011
4. . . .
Zitat von PanslawistNaja, dann hätte man ihn aber nicht in die Abschiebezelle bringen können. Schröder: Man hat andere Vorstellungen von Demokratie, man hat vor allen Dingen auch keine Vorstellung davon, wie man mit Minderheiten, mit Ausländern, insbesondere mit Zuwanderern aus dem Südkaukasus, Zentralasien umgeht oder man geht sozusagen feindselig mit ihnen um. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1533301/ Schröder muss nun in Moskau-Domodedowo auf den nächsten möglichen Rückflug nach Berlin warten, in einer Zelle mit Abschiebehäftlingen, die nach Zentralasien und in den Südkaukasus ausgewiesen werden sollen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790177,00.html Nachdem ich Schröders Interview gelesen habe, denke ich schon, dass Rußland ihm einen Denkzettel verpassen wollte und halte dieses Vorgehen für falsch. Rußland möchte eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit Deutschland und versucht alle objektiv vorhandenen Hindernisse mit Gewalt zu beseitigen bzw. mundtot zu machen, anstatt die Wahrheit zu akzeptieren, nämlich das der "angesehenste deutsche Rußland-Kenner" und Politkberater sich die Zeiten Gorbatschows und Jelzins zurück wünscht und meint, dass Rußland im deutschen oder westlichen Sinne sozialisiert werden müsse, bevor es diese Partnerschaft geben kann. Ich befürchte, dass Rußland wenig aus der Geschichte gelernt hat, oder an einem Stockholm-Syndrom leidet. Beides bedarf einer Säuberung.
Die schöne Einstellung - Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt. Westen, vor allem die USA wünschen sich natürlich das Russland eine Marionette wird. Wie es zur Zeiten von Jelzin und Gorbatschow war. Russland als einen Partner wollen viele einfach nicht Akzeptieren. Wie soll sich denn das Land vorwärts bewegen wenn Ständig Steine unter die Füße von dem "Rest" der Welt geschmissen werden, zb. WTO beitritt um ein Punkt zu nennen.
derandersdenkende, 08.10.2011
5. Gibt es eigentlich auch russische Deutschlandexperten?
Zitat von erwin777stijeder, der nicht auf Putins "Nationale Front" eingeschworen ist, stellt insgeheim ein Sicherheitsrisiko für die Russische Föderation dar. Zumindest in den Augen der Wähler von "Vereinigtes Russland", und das sind gut zwei Drittel. Und deshalb kann sich der Machtapparat jeden noch so hanebüchenen Unsinn ungestraft verbreiten, leider. Und diese Ausrastereien werden von Herrn Putin zumindest geduldet, wenn nicht sogar initiiert, um einzuschüchtern. Schade, dass die absolutistische Einschüchterung möglicher politischer Konkurrenten die einzige nationale Idee Russlands zu sein scheint. Ein Dankeschön an die Bundesregierung, dass sie so vehement und mit Erfolg protestiert hat.
Ich denke, die russische Regierung sollte mehr davon Gebrauch machen, mehr dieser Experten nach Deutschland zu schicken. Das hat nichts mit Einmischung zu tun, könnte aber so manchen die Augen öffnen und das eindimensionale Blickfeld etwas verändern. Die von Deutschland finanzierte Gorbatschow-Behörde könnte ebenso seine Referenzbehörde in Berlin bekommen und den Goetheinstituten könnten Gorki- oder Tolstoi-Institute in deutschen Städten entsprechen. Beide Länder haben sich viel zu sagen und wenn nicht immer nur von einer Seite geredet wird, ist durchaus ein Dialog möglich. Und ein Akt gegenseitiger Akzeptanz wäre es, wenn auch die Einhaltung der Menschenrechte nicht nur in einer Richtung sondern in beiden Richtungen angemahnt werden könnte. Sie würde dadurch glaubhafter.
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