Verdacht in Belgien Klauenseuche auf den Kontinent übergeschwappt?

Die Furcht, dass die gefährlichen Maul- und Klauenseuche bald auch auf dem europäischen Festland grassiert, nimmt zu. Jetzt gibt es in Belgien einen Verdachtsfall.


DPA

Brüssel - Obwohl ein Sprecher des belgischen Landwirtschaftsministeriums mitteilte, erste Labortests an Schweinen von dem betroffenen Hof in Westflandern seien negativ ausgefallen, wird ein endgültiges Ergebnis frühestens in drei Tagen vorliegen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, würde es sich um den ersten Fall von Maul- und Klauenseuche auf dem europäischen Kontinent handeln.

Als Reaktion auf den Verdachtsfall ordnete Belgiens Landwirtschaftsminister Jaak Gabriels ein landesweites Transportverbot für Tiere an. Auch in Nordfrankreich wurde ein sofortiges Transportverbot erlassen. Ein Regierungsvertreter im nordfranzösischen Lille sagte, dass zudem die Kontrollen an der Grenze zu Belgien verstärkt würden, um Tiertransporte nach Frankreich zu verhindern.

Ein Sprecher des belgischen Landwirtschaftsministeriums sagte dem Rundfunksender RTBF, Gegenstand der Tests seien drei Schweine von einem Bauernhof in Diksmuide. Sie seien aus Großbritannien eingeführt worden. Inzwischen wurde ein Seuchenbefall auf mindestens 39 britischen Bauern- und Schlachthöfen bestätigt. Großbritannien hatte nach der Feststellung der Seuche einen Exportstopp verhängt.

Die hoch infektiöse Erkrankung kann Tiere wie Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen befallen. Für Menschen stellt sie keine Gefahr dar. Die Seuche war vergangene Woche erstmals seit rund zwei Jahrzehnten in Großbritannien festgestellt worden.

Höhn: Viehtransporte auf das nötigste einschränken

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte in einem Interview der "Magdeburger Volksstimme", das große Problem seien Tiere aus Großbritannien, die vielleicht noch nicht entdeckt worden seien, weil sie über andere EU-Länder nach Deutschland gekommen seien. Womöglich seien wie in Großbritannien auch in Deutschland noch nicht alle Tiere identifiziert, die den Virus in sich tragen könnten. Höhn hatte zuvor gesagt, sie rechne nicht vor Ende des Monats mit einer Entwarnung vor der Maul- und Klauenseuche.

Die Ministerin forderte, Viehtransporte innerhalb der Europäischen Union (EU) auf das nötigste einzuschränken. Zudem müssten die EU-Subventionen für Lebend-Viehtransporte wegfallen. Dagegen müssten Betriebe finanziell belohnt werden, die ihre Tiere im geschlossenen System hielten, also die Aufzucht vom Ferkel zum Mastschwein auf dem eigenen Hof betrieben.



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