Verdachtsfälle Klauenseuche möglicherweise schon auf dem Kontinent

In Belgien und Frankreich grassiert nach Verdachtsfällen die Angst vor einem Überschwappen der Maul- und Klauenseuche auf das europäische Festland. In Großbritannien breitet sich die Krankheit weiter aus.


London/Brüssel - Während die britischen Behörden am Samstag acht neue Fälle von Maul- und Klauenseuche (MKS) bestätigten, wurden in Belgien und Frankreich zwei Höfe unter Quarantäne gestellt. Die belgische Regierung stoppte den Export aller Nutztiere. Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) befürchtet, dass sich "irgendwann das Einschleppen nach Deutschland nicht mehr verhindern" lässt. Die Seuche komme immer näher, warnte die Ministerin im ZDF.

Schafherde: Acht neue Seuchenfälle in Großbritannien
AP

Schafherde: Acht neue Seuchenfälle in Großbritannien

In Belgien wurde um den betroffenen Hof bei Diksmuide, 90 Kilometer westlich von Brüssel, ein Sperrbezirk errichtet, nachdem bei drei Schweinen Symptome festgestellt worden waren. 323 Schweine wurden notgeschlachtet. Am Samstag verhängte die Regierung ein dreitägiges Verbot für Viehtransporte. Alle Tiere, die in der Nacht zum Samstag in Belgien transportiert wurden, sollten vorsorglich notgeschlachtet werden.

Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums erklärte, der betroffene Hof habe vor kurzem Schweine aus Großbritannien importiert. Auch wenn die vorläufigen Testergebnisse negativ ausgefallen seien, bleibe der Verdacht weiter bestehen. Mit den endgültigen Testergebnissen ist frühestens in drei Tagen zu rechnen. Der belgische Landwirtschaftsminister Jaak Gabriels bezeichnete die Symptome als alarmierend.

In Frankreich wurde ein landwirtschaftlicher Betrieb in Roche-la-Moliere im Departement Loire vorsorglich abgeriegelt. Aus Großbritannien importierte Schafe des Betriebes hätten möglicherweise Symptome der Krankheit gezeigt, hieß es. Erste Tests seien negativ ausgefallen, mit endgültigen Ergebnissen sei am Montag zu rechnen. Das Landwirtschaftsministerium in Paris betonte, die Sperre des Betriebes sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Unterdessen wurde der Verdacht auf MKS auf einem abgesperrten Hof im Kreis Aachen endgültig ausgeräumt. Das Bundesverbraucherministerium appellierte dennoch an die Landwirte, innerdeutsche Transporte von Klauentieren so weit wie möglich einzuschränken. Zudem wurde empfohlen, die Sperrung von Viehmärkten und Sammelstellen zu verlängern. Im deutschen Grenzgebiet werden wegen des MKS-Verdachtsfalls die Hauptverkehrswege nach Belgien verstärkt auf Tiertransporte kontrolliert.

In Großbritannien wurden am Samstag acht neue MKS-Fälle bestätigt, unter anderem in Schottland und Cornwall. Damit stieg die Zahl der betroffenen Höfe im ganzen Land auf 48. In Schottland, England und Wales wurden Scheiterhaufen vorbereitet, auf denen erneut Hunderte Schafe, Rinder und Ziegen verbrannt werden sollten. Bislang sind bereits 45.000 Tiere getötet worden. In Irland wurden Sportveranstaltungen abgesagt, um ein Einschleppen der Seuche zu verhindern.

Angesichts eines Uefa-Cup-Spiels gegen Liverpool wächst auch in Portugal die Sorge vor einer Ausbreitung der Seuche. Zu der Partie Porto gegen Liverpool werden am kommenden Donnerstag 1000 britische Fans erwartet, die das Virus möglicherweise auf den Kontinent tragen könnten.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.