Vereidigung Negroponte will bei US-Geheimdiensten aufräumen

Fast einstimmig hat der amerikanische Senat John Negroponte als ersten Geheimdienstdirektor bestätigt. Der frühere Irak-Botschafter soll eine zentrale Rolle in der US-Sicherheitspolitik spielen.


Bush, Negroponte: Überwältigende Mehrheit im Senat
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Bush, Negroponte: Überwältigende Mehrheit im Senat

Washington - Die Entscheidung für Negroponte, 65, fiel im US-Senat mit 98 gegen zwei Stimmen. Wenig später wurde er in Anwesenheit von US-Präsident George W. Bush vereidigt.

Negroponte hatte zuvor eine umfassende Reform der Geheimdienste zugesagt. Das Sammeln von Informationen bis hin zu den Analysen solle qualitativ besser werden, sagte der Karrierediplomat während seiner Anhörung im Senat. Es müsse sichergestellt werden, dass die politischen Entscheidungsträger mit der Wahrheit konfrontiert würden.

Als künftiger "Superchef" hat er aber nicht die Befugnis, in die geheimen CIA-Operationen einzugreifen. Das Verteidigungsministerium bleibt außerdem für die Kontrolle der Spionagesatelliten und -flugzeuge zuständig.

Zuletzt war Negroponte Botschafter der USA im Irak. Sein neuer Posten wurde als Konsequenz aus den Fehlern bei der Terrorabwehr vor den Anschlägen des 11. September 2001 geschaffen. Negroponte soll die Arbeit der 15 amerikanischen Geheimdienste koordinieren und wird eine zentrale Rolle in der Sicherheitspolitik Washingtons spielen.

Bush hatte Ende letzten Jahres ein Gesetz zum Umbau der Geheimdienste unterzeichnet. Zu der größten Reform des Sektors seit einem halben Jahrhundert zählt auch die Einrichtung des Geheimdienstkoordinators.

Negroponte machte sich als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen einen Namen, bevor Bush ihn im Juni letzten Jahres kurz nach der Übergabe der Souveränität an die Iraker nach Bagdad entsandte. In den achtziger Jahren war er US-Botschafter in Honduras, wo er eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Contras gegen die sandinistische Regierung im Nachbarland Nicaragua spielte. Die Kritik daran hatte seine Bestätigung als US-Vertreter bei den Vereinten Nationen um ein halbes Jahr verzögert.



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