Golf von Oman Norwegisches und deutsches Frachtschiff im Golf von Oman angegriffen

Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate ist laut der norwegischen Seefahrtsbehörde ein Öltanker angegriffen worden. Berichten zufolge wurde auch ein Schiff einer deutschen Reederei attackiert.

Iranische TV-Aufnahme der "Front Altair": Rauch steigt auf
IRIB News/ DPA

Iranische TV-Aufnahme der "Front Altair": Rauch steigt auf



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Die norwegische Seefahrtsbehörde hat einen Angriff auf den Öltanker "Front Altair" im Golf von Oman bestätigt. Das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Schiff sei am frühen Morgen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran attackiert worden, teilte die Behörde mit. Es sei von drei Explosionen an Bord berichtet worden, ein Feuer sei entstanden. Die Crewmitglieder seien nicht zu Schaden gekommen. Hintergründe seien unklar, man rate norwegischen Schiffen aber, bis auf Weiteres Abstand zu iranischen Fahrwassern zu halten.

Wenig später berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA, das Schiff sei inzwischen gesunken. Ein Sprecher der Reederei Frontline dementierte diese Meldung jedoch umgehend.

Auch die omanische Küstenwache erklärte gegenüber der norwegischen Zeitung "Dagbladet", es habe einen Angriff gegeben. Es sei zu einer Explosion an Bord des norwegischen Schiffes gekommen, sagte ein Küstenwachensprecher der Zeitung. Demnach ereignete sich der Vorfall in iranischen Gewässern. Deshalb stehe man in Kontakt mit den iranischen Behörden.

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte auf einer Pressekonferenz, sie habe bislang keine Informationen zu dem Fall.

Größte Tankerflotte der Welt

Der Öltanker "Front Altair" wurde 2016 gebaut; er ist 252 Meter lang und 44 Meter breit. Frontline gilt als die größte Tankerflotte der Erde. Sie befindet sich im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen.

Die Fünfte Flotte der USA hat nach eigenen Angaben Notrufe von zwei Tankern in der Gegend erhalten. Schiffe der U.S. Navy leisteten Unterstützung, teilten die Amerikaner mit. Im Konflikt mit Iran hatten die USA zuletzt ihre Militärpräsenz in der Golfregion verstärkt.

Auch das britische Militär erklärte, man wisse von einem Vorfall in der Region. "Großbritannien und seine Partner ermitteln", teilte die Royal Navy mit - ohne nähere Details zu nennen.

In einem Medienbericht hieß es, die "Front Altair" sei von einem Torpedo getroffen worden. Auf der Schiffs-Spotting-App "Marine Traffic", die den internationalen Schiffsverkehr aufzeichnet, ist zu sehen, wie der Rohöltanker auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Taiwan gegen 5.20 Uhr deutscher Zeit massiv an Fahrt verlor. Demnach drehte er sich um die eigene Achse und trieb schließlich, offenbar manövrierunfähig, im Golf von Oman.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP handelt es sich bei dem anderen betroffenen Schiff um die "Kokuka Courageous" von der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM). Der unter panamaischer Flagge fahrende Tanker war vor drei Tagen aus dem saudi-arabischen Hafen Al-Jubail ausgelaufen und war auf dem Weg nach Singapur. Laut "Marine Traffic" war der Tanker zunächst mit etwa 13 Knoten auf südöstlichem Kurs im Golf von Oman unterwegs. Dann kam das Schiff ungefähr 30 Seemeilen südlich der iranischen Hafenstadt Bandar-e-Jask abrupt zum Stehen.

US-Vorwürfe gegen Iran

Bereits vor vier Wochen hatten die VAE Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe im Golf von Oman gemeldet. Nach saudi-arabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar.

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die "fast sicher" Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von "lächerlichen Behauptungen".

Die Ölpreise reagierten am Donnerstag mit einem starken Anstieg auf die Meldungen über die mutmaßlichen Angriffe. Im Vormittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 61,73 US-Dollar. Das waren 1,76 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,28 Dollar auf 52,42 Dollar.

kev/srö/AP/dpa/Reuters



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