Piloten-Mord Emirate setzen Kampfjet-Einsatz gegen Terrormiliz IS aus

Die Vereinigten Arabischen Emirate schrauben ihr Engagement im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zurück. Das Land lässt seine Militärjets aus Angst um seine Piloten am Boden, berichtet eine US-Zeitung.

Kampfjet der Vereinigten Arabischen Emirate: Das Land setzt bei den Syrien-Bombardierungen vorübergehend aus
Corbis

Kampfjet der Vereinigten Arabischen Emirate: Das Land setzt bei den Syrien-Bombardierungen vorübergehend aus


Berlin - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nehmen vorerst nicht mehr an den Bombenflügen der internationalen Koalition gegen den "Islamischen Staat" (IS) teil. Dies berichtet die "New York Times" unter Berufung auf US-Beamte.

Die VAE verfügen über eine große und moderne Luftwaffe mit rund 200 Kampfjets. Neben Saudi-Arabien und Jordanien sind sie der wichtigste arabische Koalitionspartner der USA bei den Luftangriffen auf Syrien. Im Irak fliegen die USA ihre Angriffe zusammen mit westlichen Partnern.

Wie nun bekannt wurde, haben die VAE bereits seit Ende Dezember ihren Einsatz vorübergehend ausgesetzt. Denn das Land sorgt sich um die Sicherheit seiner Piloten. Grund ist der Fall des jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh. Er war an Heiligabend über IS-Gebiet in Ostsyrien abgestürzt, gefangengenommen und später getötet worden. Es ist unklar, ob sein Flugzeug verunglückte oder von den Dschihadisten abgeschossen wurde.

Die Emirate fordern von den USA einen Rettungsplan

Die VAE wollen sich erst dann wieder an den Bombardierungen beteiligen, wenn Washington moderne V-22 Osprey-Helikopter in den Irak verlegt. Bisher sind diese in Kuwait stationiert. Wenn Kampfjets der internationalen Koalition im IS-Gebiet notlanden müssen, können sie nicht schnell zur Hilfe eilen.

Die US-Regierung glaubt nicht, dass der jordanische Pilot durch einen Helikoptereinsatz vom Irak aus hätte gerettet werden können. Die Dschihadisten hätten Kasaesbeh "innerhalb weniger Minuten gepackt", sagte ein US-Beamter der "New York Times". "Uns blieb keine Zeit zum Eingreifen."

Obama verspricht, alles für die verbliebene US-Geisel zu tun

US-Präsident Barack Obama versicherte am Dienstag, seine Regierung werde "alles mögliche tun", um die Geiseln zu befreien, die der IS noch in seiner Gewalt hat.

Damit dürfte eine 26-jährige Amerikanerin gemeint sein, die in Syrien humanitäre Hilfe leistete und vor rund eineinhalb Jahren verschleppt wurde. Ihre Name wurde bisher nicht veröffentlicht.

Der US-Fernsehsender ABC berichtete im vergangenen August, der IS verlange für ihre Freilassung knapp sieben Millionen Dollar sowie die Freilassung der 2010 in den USA verurteilten Pakistanerin Aafia Siddiqui, die Kontakt zur Al-Qaida-Führung gehabt haben soll.

Siddiquis Familie sei von der Forderung sehr überrascht gewesen, berichtete ABC, denn Siddiqui habe nichts mit dem IS zu tun und wolle nicht mit der Miliz in Verbindung gebracht werden.

ras

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