Multimillionär Lai vor Gericht König der Schmuggler

Er soll den chinesischen Staat um vier Milliarden Euro geprellt haben. Seit Karfreitag muss der Schmugglerkönig Lai Changxing sich vor Gericht verantworten. Dem Multimillionär droht eine lebenslange Haftstrafe, obwohl er Verbindungen in die Führung von Partei und Militär hat.

AP/ Canadian Press

Von , Peking


Er kann kaum lesen und schreiben, ist ungeschliffen, doch bauernschlau, geschäftstüchtig und ausgestattet mit einer gehörigen Portion Chuzpe. Mit diesen Eigenschaften hat er es zum vielfachen Millionär gebracht, er pflegte Verbindungen bis nach Peking: der langjährige Schmugglerkönig Chinas Lai Changxing, 53.

Doch nun ist seine Karriere am Ende. Am Karfreitag begann vor dem Mittleren Volksgericht der südchinesischen Hafenstadt Xiamen der Prozess, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Staatsanwälte werfen ihm vor, von 1996 bis 1999 Chef eines großen Schmuggelrings gewesen zu sein, unzählige Funktionäre bestochen und den Fiskus um umgerechnet rund vier Milliarden Euro erleichtert zu haben.

Vieles geschah unter dem Auge des Gesetzes. Frachtschiffe und Tanker legten am helllichten Tag an, Container passierten offiziell die Grenze, denn Lai hatte Politiker und Polizisten, Kapitäne und Zöllner in seiner Tasche. Zuweilen reiste die Konterbande sogar auf Kriegsschiffen mit. Selbst wenn Fahnder zum Schlag gegen den Ring bereit gewesen wären - das Militär hätte es nicht zugelassen.

Lai bewirtete seine Freunde in seinem "Roten Haus" im Zentrum Xiamens, wie es die Anwohner nannten. Dort konnten sie ihre Geschäfte abwickeln, Langusten und Täubchen speisen und sich mit vom Hausherren gestellten Konkubinen vergnügen. Die bekamen von Lai ein festes Gehalt.

Flucht nach Kanada

Der Skandal reicht bis in die Zentrale der Macht. Insgesamt rund 500 hohe Funktionäre sollen darin verwickelt gewesen sein, unter anderem ein Vizeminister für Sicherheit. Drei der neun Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros dienten damals in der Provinz Fujian und wollen von Lais Treiben nichts mitbekommen haben, einer ist gar der designierte Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Wie häufig in China, diente auch dieser Kriminalfall Politikern, innerparteiliche Gegner und unliebsame Genossen loszuwerden. Der frühere Parteichef Jiang Zemin soll den Skandal genutzt haben, um zwei Militärs - einen General und einen Admiral - aus der mächtigen Zentralen Militärkommission zu entfernen. Sogar internationale Dimensionen bekam die Affäre: Lai gelang es, vermutlich von hohen Freunden gewarnt, im Jahr 2000 nach Kanada zu fliehen.

Dort wehrte er sich elf Jahre lang erfolgreich gegen die Ausweisung. Ihm drohe Folter und Todesstrafe, argumentierten seine Anwälte.

Druck der Chinesen zu groß

Dennoch schickten ihn die kanadischen Behörden 2011 in seine Heimat zurück. Sie wollten es sich wohl nicht mit den mächtigen Chinesen verderben, die immer energischer Lais Auslieferung gefordert hatten. Immerhin stellten die Kanadier Bedingungen: Lai dürfe nicht zum Tode verurteilt werden und müsse einen Anwalt erhalten. Der Prozess soll öffentlich sein und Kanada einen Beobachter schicken dürfen. Zudem sollen kanadische Diplomaten den Angeklagten regelmäßig besuchen können.

Kaum hatte Lai chinesischen Boden betreten, klickten die Handschellen. Er selbst beteuert, er habe lediglich Gesetzeslücken ausgenutzt und sich nicht anders verhalten als andere chinesische Geschäftsleute.

Unklar ist, wie lange das Gericht verhandeln wird. Doch eines dürfte feststehen: Lai wird bis an das Ende seiner Tage hinter Gittern bleiben.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
frodo88 07.04.2012
1. Soso
Hmmm, soso, in China ist ein Sack Reis umgefallen.
Taixinomee 07.04.2012
2. Alles oder nichts
Zitat von sysopAP/ Canadian PressEr soll den chinesischen Staat um vier Milliarden Euro geprellt haben. Seit Karfreitag muss der Schmugglerkönig Lai Changxing sich vor Gericht verantworten. Dem Multimillionär droht eine lebenslange Haftstrafe, obwohl er Verbindungen in die Führung von Partei und Militär hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826247,00.html
Chinas gesamte Zukunft hängt davon ab, ob sie die seit mindestens 3000 Jahren anhaltende Korruption und Vetternwirtschaft systematisch bekämpfen können bzw. wollen.
der.letzte.dodo 08.04.2012
3. Ein cleverer Geschäftsmann
Zitat von frodo88Hmmm, soso, in China ist ein Sack Reis umgefallen.
ohne Fleiss kein Reis - wie der Chinese sagt kann man vermuten, dass es bei den Verhandlungen mit der Schweiz über die Steuerhinterziehungen ähnlich zugeht? oder etwas feiner, subtiler?
SchneiderG 17.04.2012
4.
Zitat von sysopAP/ Canadian PressEr soll den chinesischen Staat um vier Milliarden Euro geprellt haben. Seit Karfreitag muss der Schmugglerkönig Lai Changxing sich vor Gericht verantworten. Dem Multimillionär droht eine lebenslange Haftstrafe, obwohl er Verbindungen in die Führung von Partei und Militär hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826247,00.html
Waren wohl alle im Oster-Urlaub bei dem Thema. Wichtig find ich die Info, daß der designierte Staats- und Parteichef Xi Jinping von 1995 - 2000 stellvertretender Parteisekretär in Fujian war und Lai Changxing seine Geschäfte unbemerkt von ihm von 1996-1999 ausführen konnte. Meines Wissen wurde Lai Changxing durch Zhu Rongji der ab 1998 Ministerpräsident war gestoppt. Schön zu sehen wie komplett "unkorrupte" Politiker wie Xi Jinping, der 5Jahre lang nichts mitbekommen hat, was in den Nebenbüros vorging, zukünftig als Regierungschef eines der mächtigsten Länder der Welt führen darf. Der derzeitige Regierungschef Hu Jintao hat sich seine Sporen in Tibet 1988 als Parteisekretär für die gewaltsame Protest-Niederschlagung und der Verhängung des Kriegsrechts, für das höchste Amt im Lande qualifiziert. Man könnte meinen, daß in China nur der ganz nach oben kommt, der sich in der Position eines Provinzfürsten als Mörder und Verbrecher vorqualifiziert hat.
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