Vergeltung Frankreich zerstört Luftwaffe der Elfenbeinküste

Nach dem Tod von mindestens neun französischen Blauhelmen hat Paris alle Maschinen der Luftwaffe der Elfenbeinküste zerstört. Es verstärkte die Truppen und entsandte Mirage-Flugzeuge. Empört über die Intervention Frankreichs bewaffneten sich Tausende Einwohner und steckten französische Schulen in Brand.


Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste: Anhänger von Präsident Laurent Gbagbo brandschatzen französisches Eigentum
AFP

Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste: Anhänger von Präsident Laurent Gbagbo brandschatzen französisches Eigentum

Abidjan/Paris - Frankreich greift massiv in den neu aufgeflammten Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste ein. Nach dem Angriff von Regierungstruppen auf seine Blauhelme verstärkte es seine Truppen. Heute trafen 250 französische Soldaten aus Gabun ein. Außerdem wurden drei Mirage-Kampfflugzeuge in das Land verlegt.

Gestern zerstörten die Franzosen zwei in Russland hergestellte Kampfflugzeuge und fünf Kampfhubschrauber. Diese waren bei den Luftangriffen auf Stellungen der Rebellen im Norden eingesetzt worden, mit denen der Bürgerkrieg nach einjähriger gespannter Ruhe in der vergangenen Woche von neuem begonnen hat. Bei dem letzten Luftangriff der Regierungsstreitkräfte kamen gestern mindestens neun französische Soldaten und ein Amerikaner ums Leben. Mindestens 30 weitere wurden verletzt. Französische Soldaten halten den internationalen Flughafen von Abidjan besetzt.

Elfenbeinküste: Zerstörte Hubschrauber der Regierungstruppen
REUTERS

Elfenbeinküste: Zerstörte Hubschrauber der Regierungstruppen

Der Generalstab der französischen Streitkräfte wies die Behauptung des ivorischen Parlamentspräsidenten Mamadou Koulibaly zurück, die Franzosen hätten etwa 30 Ivorer getötet und rund 100 weitere verwundet. Die französische Uno-Truppe habe in der Nacht lediglich Warnschüsse am Flughafen von Abidjan abgegeben, um Ausschreitungen einzudämmen, sagte der Sprecher Oberst Gérard Dubois.

Französische Schulen brennen

Empört über die Intervention Frankreichs und angeheizt von nationalistischen Parolen bewaffneten sich mehrere tausend Einwohner von Abidjan mit Macheten, Äxten und Knüppeln. In Abidjan zündeten jugendliche Anhänger des Präsidenten Laurent Gbagbo, die sich "Patrioten" nennen, gestern Abend französische Schulen an. Eine große Menschenmenge belagert den größten Militärstützpunkt der Franzosen in Abidjan. Soldaten gaben Warnschüsse ab. Parlamentspräsident Mamadou Coulibaly forderte in einem Interview des Rundfunksenders "France Inter" den "Abzug der Besatzungsarmee" und warf Frankreich vor, die Rebellen zu unterstützen.

Viele Franzosen verbrachten die Nacht auf den Dächern ihrer Häuser und mussten zusehen, wie ihr Hab und Gut geplündert wurde. Einige wurden von französischen Hubschraubern vor dem Mob gerettet, nachdem sie über Anrufe in Pariser Zeitungen auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam gemacht hatten. "Die Patrioten haben ganze Viertel geplündert", sagte ein Augenzeuge Radio Monte-Carlo. "Es sind Hunderttausende. Man kann nichts tun." Die europäischen Familien seien froh, wenn sie noch genug zu trinken hätten.

Die französische Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie machte den Präsidenten der ehemaligen französischen Kolonie persönlich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in Abidjan verantwortlich. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte nach einer Dringlichkeitssitzung die Einstellung aller militärischen Aktionen und betonte, dass die französischen Truppen autorisiert seien, alle erforderlichen Mittel zur Aufrechterhaltung des Friedens einzusetzen. In dem Land sind rund 4000 französische Soldaten und 6000 Mann einer Uno-Friedenstruppe stationiert.

Die Elfenbeinküste, weltgrößter Produzent von Kakao, ist seit einem Putschversuch im September 2002 de facto geteilt. Im Norden herrschen die Rebellen, die Regierung hat nur noch den Süden mit der Wirtschaftsmetropole Abidjan unter Kontrolle. Das Friedensabkommen von 2003 scheiterte vor allem daran, dass die vereinbarte Allparteienregierung nicht zustande kam.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seine Reisehinweise aktualisiert. "Vor Reisen in die Cote d'Ivoire wird dringend gewarnt", heißt es in dem am Sonntag in Berlin veröffentlichten Hinweis.



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