Vergewaltigungsvorwürfe Irakische Frauen brechen ihr Schweigen

Zuerst eine Sunnitin - nun eine zweite Irakerin: Beide erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei und Militär. Sicherheitskräfte sollen sie vergewaltigt haben.


Bagdad/Kairo - Wenn sie öffentlich von einer Vergewaltigung berichten, riskieren sie von ihren Familien geächtet oder gar getötet und von der Öffentlichkeit geschnitten zu werden. Vergewaltigung gilt im Irak auch als Schande für das Opfer, weshalb Frauen darüber meist schweigen. Dennoch hat nach der Kontroverse um eine angeblich von irakischen Polizisten vergewaltigte Sunnitin nun eine zweite Irakerin schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben.

Die 40 Jahre alte Mutter von elf Kindern aus der nordirakischen Stadt Tel Afar sagte einem lokalen TV-Sender aus Kirkuk und dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, sechs Soldaten hätten sie vergewaltigt, die Tat gefilmt und das Video ins Internet gestellt.

Die Frau, die zur ethnischen Minderheit der Turkmenen gehört, war während der TV-Interviews, die gestern Abend ausgestrahlt wurden, völlig verschleiert. Sie erklärte, die Polizisten hätten von ihr verlangt, ihnen Informationen über Terroristen zu geben. Tel Afar zählt zu den Hochburgen der Aufständischen im Nordirak.

Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte die am vergangenen Montag öffentlich gemachten Vorwürfe der Bagdader Sunnitin Sabrine al-Dschanabi bestritten, die erklärt hatte, drei Polizisten hätten sie bei einer Razzia vergewaltigt.

Maliki entließ den Vorsitzenden der sunnitischen religiösen Stiftungen, Ahmed Abdul Ghafar, nachdem dieser erklärt hatte, die Vergewaltigung Dschanabis habe wirklich stattgefunden. Sie sei "ein verabscheuungswürdiges Verbrechen und ein Beweis dafür, dass der neue Sicherheitsplan gescheitert ist". Die Schiiten in der Regierung haben den Sunniten-Führern indirekt vorgeworfen, sie hätten Dschanabi aus politischem Kalkül zur Lüge gedrängt.

asc/dpa

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