Verhandlungen mit Teheran Irans Atomeinladung brüskiert USA

Wie ernstgemeint ist das Besuchsangebot aus Teheran? Das iranische Regime hat mehrere Staaten zur Besichtigung seiner Atomanlagen eingeladen - jedoch nicht die USA. Washington wittert darin einen Versuch, Zwietracht unter den westlichen Staaten zu säen.

Atomkraftwerk in Buschehr: Neue Verhandlungen über Irans Atomprogramm
DPA

Atomkraftwerk in Buschehr: Neue Verhandlungen über Irans Atomprogramm


Washington - Es ist eine Offerte, die den Westen spalten soll: Zur Besichtigung seiner Atomanlagen hat Teheran nach eigenen Angaben Vertreter aus "einigen der sechs großen Mächte", die mit Iran über sein Atomprogramm verhandeln, eingeladen. Das teilte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums mit.

Tatsächlich wurden nach amerikanischen Angaben mehrere europäische Länder, China, Russland und Vertreter anderer Staaten zu einer Besichtigung der iranischen Atomanlagen gebeten - nicht aber die Vereinigten Staaten. Laut einem Bericht der "New York Times" gab es keine Einladung an die USA.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, sprach von einem "cleveren Trick". Entscheidend sei, dass Teheran seine Atomanlagen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) öffnen müsse. Auch von europäischer Seite gab es verhaltene Reaktionen. Die US-Zeitung zitierte einen europäischen Diplomaten mit den Worten, es sei unwahrscheinlich, dass das Angebot vor dem Abschluss der nächsten Gesprächsrunde in Istanbul angenommen werde - wenn überhaupt.

Vor allem der Westen verdächtigt die Islamische Republik, unter dem Deckmantel der Energiegewinnung Kernwaffen zu entwickeln. Die Regierung in Teheran weist das zurück und hat mehrfach erklärt, das Atomprogramm diene lediglich der zivilen Nutzung der Atomenergie.

In der Türkei sollen Ende Januar Gespräche der fünf Uno-Vetomächte und Deutschlands mit der iranischen Führung fortgesetzt werden. Die fünf ständigen Mitglieder im Weltsicherheitsrat - Großbritannien, China, Frankreich, Russland und die USA - sowie Deutschland fordern vor allem, dass Iran die Anreicherung von Uran aussetzt.

Am Montag wurde bekannt, dass sich die Inbetriebnahme des ersten iranischen Atomkraftwerks verzögert - die Anlage im südiranischen Buschehr soll erst im Februar ans Netz gehen. Das sagte der Chef der Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, am Montag der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

Ursprünglich war angekündigt worden, der 1000-Megawatt-Reaktor in Buschehr könne bis spätestens Januar 2011 erstmals Strom produzieren und ans nationale Netz gehen. Das in Kooperation mit Russland errichtete AKW Buschehr ist nach Angaben Salehis der Start eines Programms, mit dem insgesamt zusätzliche 20.000 Megawatt Strom in das iranische Netz eingespeist werden sollen.

anr/dpa/AFP

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Seite 1
durchblick 04.01.2011
1. Lass die USI doch wittern
Zitat von sysopWie ernst gemeint ist das Besuchsangebot aus Teheran? Das iranische Regime hat mehrere Staaten zur Besichtigung seiner Atomanlagen eingeladen - jedoch nicht die USA. Washington wittert darin einen Versuch, Zwietracht unter den westlichen Staaten zu säen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737612,00.html
Na dann lassen wir die USI doch wittern. Im Irak ist ja auch lange "gewittert" worden und noch heute suchen wir nach den WMD.
gambio 04.01.2011
2. Ich hätte die USA...
..auch nicht eingeladen. Seine Gäste kann man sich zum Glück aussuchen. Eine Spaltung der westlichen Nationen sehe ich darin nicht es zeigt vielmehr, dass die USA nach und nach immer unbedeutender werden. Ihr Stern ist halt im sinken.
Clawog 04.01.2011
3. Brüskierungt
Denkt man an die Depeschen, sollte das überhaupt kein Problem sein. Außerdem wird für gutes Geld alles geliefert, was sich das Herz wünscht.
EuroStar2011 04.01.2011
4. titles are for monarchs
Zitat von sysopWie ernst gemeint ist das Besuchsangebot aus Teheran? Das iranische Regime hat mehrere Staaten zur Besichtigung seiner Atomanlagen eingeladen - jedoch nicht die USA. Washington wittert darin einen Versuch, Zwietracht unter den westlichen Staaten zu säen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737612,00.html
Irgenwann muss jeder auch einmal seine eigene (Zwietrachts) Medizin testen, davon ist die USA nicht ausgeschlossen
Silverhair, 04.01.2011
5. Tuff sein
Nicht der "Westen" verdächtigt - präsise verbreiten die USA/Israel die Propaganda , das der Iran nach Atomwaffen strebt - genauso wie man die "Massenvernichtungswaffen" im Irak "gefunden" hatte - nur das da keine sind! Und da hilft auch keine Regierungspropaganda mehr - seit gut 6 Jahren hören wir von allen Seiten das es nur noch Monate - oft nur noch Wochen dauern soll - und wer sich da alles als "Wissende Outet" ist schon bombastisch. sogar das BKA wußte das seit Jahren - zumindest nachdem sie das so in SPON veröffentlichten! Und seit WikiLeaks wissen wir ziemlich präzise das zwischen dem was Diplomaten sagen - und dem was sie denken und dem was ist gewaltig unterschiedliche Welten existieren - sprich - reden die USA davon das da Atomwaffen gebaut werden können wir eher mal davon ausgehen das da KEINE gebaut werden! Wonach die USA streben wissen wir nach gut 200 Jahren sehr gut - wonach der Iran "strebt" ist dagegen auf Hellsehen und wohl Telepathie gebaut - bis heute gibt es keinen einzigen tragfähigen Beweis dafür das der Iran etwas anderes als Zivile AKW's baut - sondern nur ein Hetzpropaganda die laufend den "anderen" böse Absichten unterstellen will um sich als "Retter der Menschheit" darzustellen! Und das der Iran bei solcher Hetze auf Besucher aus Washington verzichtet ist mehr als verständlich. Sind eben nicht alle so tuff wie Merkel die einem Folterpräsidenten noch die gebratenen Wildschweine im Garten präsentiert -auf Steuerzahlerkosen wohlgemerkt!
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