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Irans Atomprogramm: Raketen und Sanktionen

Foto: DON EMMERT/ AFP

Verhandlungen über Atomprogramm Ahmadinedschad verurteilt Kritik aus dem Westen

Kurz vor Beginn der internationalen Atomgesprächen in Genf zeigt sich Iran unnachgiebig. Der Westen müsse beweisen, dass er die Rechte Teherans respektiere, forderte Staatschef Ahmadinedschad. Die Kritik am Bau einer zweiten Anlage zur Urananreicherung bezeichnete er als "historischen Fehler".

Teheran - Vor den Gesprächen über das iranische Atomprogramm in Genf hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen erneut scharf angegriffen. Die internationalen Reaktionen auf den Bau der zweiten iranischen Anlage zur Urananreicherung seien ein "historischer Fehler" gewesen, sagte er im Fernsehen. Deutschland geht nach Angaben des Auswärtigen Amts mit einer "realistischen Erwartungshaltung" in die Verhandlungen am Donnerstag.

Ahmadinedschad kritisierte Forderungen westlicher Staats- und Regierungschefs, wonach Iran Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) so schnell wie möglich Kontrollen der Atomanlage nahe der Stadt Ghom ermöglichen soll: "Wer sind Sie, dass Sie der IAEA und Iran sagen, was sie tun sollen?", empörte er sich laut staatlichem Fernsehen.

Iran sei "auf alle Situationen vorbereitet", zitierte außerdem die Nachrichtenagentur Fars den Präsidenten. Sein Land werde in jedem Fall "unbeschadet" aus den Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, China und den USA hervorgehen. Darüber hinaus bezeichnete Ahmadinedschad die Gespräche als "außergewöhnliche Gelegenheit für die USA und einige europäische Länder, die Art und Weise zu korrigieren, wie sie andere Nationen der Welt behandeln".

Auch Ahmadinedschads Berater Ali Akbar Dschawanfekr warnte den Westen vor "Gewalt und Einschüchterungen". Bei den Verhandlungen dürfe es keine "unmoralische Politik von Zuckerbrot und Peitsche" geben, hieß es in einer an die Nachrichtenagentur AFP übermittelten Stellungnahme. Vielmehr müssten die USA in den Gesprächen eine "goldene Gelegenheit" sehen. Irans Chefunterhändler Said Dschalili, der als Vertrauter von Ahmadinedschad gilt, sagte, sein Land werde bei den Gesprächen einen "positiven Ansatz" verfolgen. Er hoffe, dass auch die Verhandlungspartner dies so halten würden.

Iran habe eine "grundsätzliche Dialogbereitschaft" angekündigt, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner, in Berlin. Jetzt müssten den Worten auch Taten folgen. "Wir hoffen, dass sich die iranische Delegation logisch verhalten wird", fügte Plötner hinzu. Das bedeute einerseits, dass über das iranische Atomprogramm geredet werden müsse. "Das ist das, was die internationale Gemeinschaft insgesamt umtreibt", sagte er.

Atomarer Sprengkopf in Arbeit?

Andererseits seien sich die Verhandlungsführer der sogenannten Sechsergruppe einig, dass auch andere Themen, die für Iran wichtig seien, angesprochen werden könnten. Teheran will bei den Gesprächen vor allem über allgemeine Themen wie die Sicherheit im Irak oder in Afghanistan reden. In einem Bündel von Vorschlägen für die Verhandlungen, das Iran vorgelegt hat, wird die umstrittene Anreicherung von Uran in dem Land nicht erwähnt.

Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama sagte am Dienstag dagegen, sein Land werde die Besorgnis über die Urananreicherung auf jeden Fall zur Sprache bringen. Die Gespräche werden unter Leitung von EU-Chefdiplomat Javier Solana geführt.

IAEA-Chef Mohammed ElBaradei sagte am Mittwoch, Iran habe die Behörde zu spät über den Bau der zweiten Urananlage informiert. Das Land hätte die IAEA demnach schon vor Baubeginn in Kenntnis setzen müssen. Die Zeitung "Financial Times" berichtete, der britische Geheimdienst gehe davon aus, dass Iran bereits an einem nuklearen Sprengkopf arbeitet.

amz/AFP
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