Verlust des Spitzenratings Obama gelobt härteren Sparwillen

"Wir müssen zusammenarbeiten": Nach dem Verlust des Spitzenratings ruft US-Präsident Obama die zerstrittenen Parteien zu Geschlossenheit auf - an seiner Finanzpolitik will er allerdings festhalten. Die führenden Wirtschaftsnationen haben erste Reaktionen angekündigt.

US-Präsident Obama: Gerangel hat "zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet"
AFP

US-Präsident Obama: Gerangel hat "zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet"


Hamburg - Nach der spektakulären Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit verteidigt Präsident Barack Obama seine Finanzpolitik. Das jüngste Schuldenabkommen sei ein "wichtiger Schritt in die richtige Richtung" gewesen, teilte das Weiße Haus mit. Zugleich räumte Obama aber ein, das wochenlange politische Gerangel habe "zu lange gedauert und hat zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet".

Obama rief die Parteien des Landes zu mehr Einigkeit in der Sparpolitik auf, hieß es in der Stellungnahme vom Samstag (Ortszeit). Der US-Präsident glaube, "dass es wichtig ist, dass unsere gewählten Führer zusammenkommen, um unsere Wirtschaft zu stärken und unserer Nation ein stärkeres finanzielles Fundament zu geben".

Obama werde alle Mitglieder des US-Kongresses in den kommenden Wochen ermutigen, "unser gemeinsames Bekenntnis zu einer stärkeren Erholung und einem gesünderen langfristigen Weg bei den Finanzen über politische und ideologische Differenzen zu stellen", teilte das Weiße Haus mit.

Es war die erste Reaktion der Regierung, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) erstmals in der Geschichte den USA die Bestnote "AAA" entzogen und die Bonität auf "AA+" abgestuft hatte.

"Krasse Fehlentscheidung"

Die Agentur begründet ihre Entscheidung ausdrücklich mit dem jüngsten Schuldenabkommen der Regierung Obama: Demokraten und Republikaner im US-Kongress hatten am Dienstag nur Stunden vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit eine Anhebung der US-Schuldengrenze unter der Auflage massiver Haushaltseinsparungen verabschiedet.

Der Kompromiss sieht eine zweistufige Anhebung des Schuldenlimits um 2,1 Billionen Dollar sowie Haushaltskürzungen von mehr als 2,4 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren vor.

Die angepeilten Einsparungen, so das Urteil der Rating-Agentur, würden zur Finanzkonsolidierung aber nicht ausreichen. Zugleich kritisierte S&P, der langfristige Ausblick sei negativ, sollten die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen. Allerdings halten die beiden anderen großen US-Rating-Agenturen Moody's und Fitch an der Bestnote fest.

Gene Sperling, Chef-Wirtschaftsexperte des Weißen Hauses, warf der Rating-Agentur eine "krasse Fehlentscheidung" vor. S&P hatte Medienberichten zufolge bei der Überprüfung der US-Finanzen einen Rechenfehler in Höhe von zwei Billionen Dollar gemacht, und - nachdem die Agentur von der US-Regierung darauf hingewiesen wurde - erklärt, das würde nichts an der Entscheidung ändern. "Hier wurde mit einem Fazit begonnen - und anschließend wurden die Argumente zurechtgebogen, bis es passte", ätze Sperling.

Staats- und Regierungschefs in Aufruhr

Der Schritt löste in der globalen Finanzwelt schwere Sorge aus, dass die ohnehin flaue US-Konjunktur weiter geschwächt werden könnte. Mit Spannung wird erwartet, wie die Märkte am Montag reagieren.

Bereits am Freitag, noch vor der Herabstufung der USA, waren die Börsenkurse an der Wall Street, in Europa und Asien dramatisch abgesackt. Parallel gärt die europäische Schuldenkrise weiter.

Die führenden Wirtschaftsnationen der Welt bemühen sich derweil um eine Beruhigung der Lage: Am Sonntagabend südkoreanischer Zeit (früher Sonntagmorgen MEZ) schlossen sich nach Angaben der Regierung in Seoul Vertreter der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in einer Telefonschalte zusammen. Es sei über die Schuldenkrise in Europa und den Verlust der Spitzenbewertung der USA diskutiert worden, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Nach einer ganzen Reihe von Telefonaten führender Euro-Zonen-Politiker hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der derzeit Vorsitzender der G7 und der G20 ist, bereits Samstagabend mit dem britischen Premierminister David Cameron telefoniert. Auch dieses Gespräch drehte sich nur um zwei Themen, teilte London mit: die Schuldenkrise in Europa und die Bonitätsherabstufung der USA. Beide Politiker seien sich einig, zusammenzuarbeiten, die Situation genau zu beobachten und in den kommenden Tagen in Kontakt zu bleiben.

Am Sonntag wird zudem mit einer Telefonkonferenz der Finanzminister und Notenbankchefs der G7 gerechnet. Im Anschluss werde es möglicherweise eine Erklärung geben, verlautete aus japanischen Regierungskreisen. Innerhalb der G7 wird diskutiert, das für Mitte September geplante Treffen der Finanzminister vorzuziehen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) will sich am Sonntag in einer Telefonkonferenz beraten.

Reaktionen auf die Herabstufung

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China schießt gegen Washington

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch vier führende Industrienationen mit der Bestnote der Agentur: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada. Die Bundesregierung wollte sich am Wochenende nicht äußern.

Auch andere Industrienationen halten sich mit öffentlichen Reaktionen bislang bedeckt - das Wochenende scheint im Zeichen von ersten Gesprächen zu stehen, wie man mit der historisch einmaligen Lage umgehen soll.

Eine ungewöhnlich scharfe Kritik an der US-Schuldenpolitik kam einzig aus China. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb: "Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen." Die Volksrepublik verlange, dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen "und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen", hieß es. China ist mit seinem immensen Anteil an amerikanischen Staatsanleihen der größte ausländische Gläubiger der USA.

amz/dpa/AFP/Reuters/dapd

insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
Schwede2 07.08.2011
1. Obama hat dazu keine Macht (mehr) !
Zitat von sysop"Wir müssen zusammenarbeiten": Nach dem Verlust des Spitzenrankings ruft US-Präsident Obama*die zerstrittenen Parteien*zu*Geschlossenheit auf - an seiner Finanzpolitik will er allerdings*festhalten. Die führenden Wirtschaftsnationen haben erste Reaktionen angekündigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778804,00.html
Die US-Amerikaner träumen immer noch in Mehrheit davon, auf Kosten der gesamten Welt eine Freiheitsillusion leben zu können. Ihre Schulden sollen andere bezahlen. Dazu nehmen sie das Dollardrucken nebst Inflation in Kauf, fahren mit Ihrer Bonität nach unten und werden irgendwann in nicht mehr ferner Zukunft Gläubigerschutz beantragen. Die Welt hat aber längst damit begonnen, ohne die USA zu rechnen. Zugegeben, damit steht die Welt noch am Anfang. Der aber ist gemacht.
Dramidoc 07.08.2011
2. xxxx
Zitat von sysop"Wir müssen zusammenarbeiten": Nach dem Verlust des Spitzenrankings ruft US-Präsident Obama*die zerstrittenen Parteien*zu*Geschlossenheit auf - an seiner Finanzpolitik will er allerdings*festhalten. Die führenden Wirtschaftsnationen haben erste Reaktionen angekündigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778804,00.html
Obama kann schon sparen, aber er sollte überlegen, ob es nicht Sinn machen würde, hohe Einkommen und Spitzeneinkommen massiv zu besteuern. Ansonsten kann er machen was er will, er wird nie auf einen grünen zweig kommen.
Rainer Helmbrecht 07.08.2011
3. .
Zitat von sysop"Wir müssen zusammenarbeiten": Nach dem Verlust des Spitzenrankings ruft US-Präsident Obama*die zerstrittenen Parteien*zu*Geschlossenheit auf - an seiner Finanzpolitik will er allerdings*festhalten. Die führenden Wirtschaftsnationen haben erste Reaktionen angekündigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778804,00.html
Das was alle Staaten "gelobt" haben, war Besserung. Was noch nie gemacht wurde, war die Neuverschuldung zurück zu fahren. Die Erhöhung der Schuldengrenze war noch nie eine Lösung, das war aber das Einzige, was Alle Regierungen Weltweit zugelassen haben. Das Ranking auf AA+ ist dermaßen getürkt, dass man es als Zuhälterei für Banken betrachten könnte. Schon die Bekanntgabe der Zurückstufung, nach Börsenschluss zeugt doch von einem Mittäterverhalten. Es gibt keinen ernsthaften Willen, die Ursachen entschieden zu bekämpfen. MfG. Rainer
rahelsu 07.08.2011
4. Riss im Raum-Zeit-Kontinuum? Oder Zeitmaschine?
"Am Sonntagabend südkoreanischer Zeit (früher Sonntagmorgen MEZ) schlossen sich nach Angaben der Regierung in Seoul Vertreter der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in einer Telefonschalte zusammen. Es sei über die Schuldenkrise in Europa und den Verlust der Spitzenbewertung der USA diskutiert worden..." Welchen Sonntagabend meint denn die Redaktion? Den heutigen? Ich befinde mich in Singapur und hier ist es 15:00 Uhr, in Seoul ist es 16:00 Uhr...
Indigoartshop 07.08.2011
5. Triumph des Willens
Was ist bitteschön ist ein "härterer Sparwille"? Ist der alleinige harte Sparwille etwa nicht ausgereichend? Wer willentlich sparen will, hart und härter wenn es sein muß, muß dies nicht "geloben", oder?
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