Vermittlung in Nadschaf Sadr ruft den Papst zur Hilfe

Nadschaf ruft die Weltgemeinschaft auf den Plan. Alle wollen vermitteln: die irakische Nationalkonferenz, der Uno-Gesandte Ashraf Qazi und der Papst. Besonders über das Angebot des Letzteren freut sich der radikale Schiitenführer Muktada al-Sadr.


Schiitenführer Sadr: Hofft auf den Papst
REUTERS

Schiitenführer Sadr: Hofft auf den Papst

Nadschaf - "Wir begrüßen die Initiative des Papstes", erklärte ein Vertrauter Sadrs heute in Nadschaf, "und wir rufen ihn auf, sich einzuschalten, um die Krise beizulegen." Der Vatikan hatte gestern Abend im italienischen Rundfunk erklärt, sollte eine Vermittlung gewünscht werden, werde diese bereitwillig zur Verfügung gestellt. Zugleich rief Kardinal Angelo Sodano im Namen von Papst Johannes Paul II. alle Truppen in Nadschaf auf, den heiligen Charakter der Stadt zu respektieren und Verhandlungen aufzunehmen.

In der südirakischen Pilgerstadt kommt es nach dem Zusammenbruch einer Waffenruhe seit fast zwei Wochen immer wieder zu Gefechten zwischen Kämpfern Sadrs sowie irakischen und amerikanischen Truppen.

Angesichts einer drohenden erneuten Eskalation der Kämpfe zwischen dem US-Militär und Mitgliedern der "Mahdi-Armee" hatte sich auch die in Bagdad tagende Nationalkonferenz gestern für die Entsendung einer Delegation nach Nadschaf ausgesprochen. Sie soll Sadr überreden, mit seinen Milizen die Imam-Ali-Moschee zu verlassen.

Sadr solle freies Geleit garantiert werden. Er dürfe in Nadschaf bleiben, aber nicht in der Moschee. Die heiligen Stätten müssten unter der Kontrolle der Regierung stehen. Zugleich forderte ein gemäßigter Schiiten-Führer, die Kämpfer der "Mahdi-Armee" zu entwaffnen und die Miliz in eine politische Partei umzuwandeln.

Viele Delegierte der Nationalkonferenz begrüßten den Vorschlag mit Applaus. Nach einem Bericht des Fernsehsenders al-Dschasira wurde er bei einer Abstimmung durch Handheben angenommen. Einige Anhänger al-Sadrs hätten das Votum aber angezweifelt. In Nadschaf sagte ein Sprecher Sadrs, dieser sei zu Verhandlungen bereit.



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