Vernichtendes Urteil Blix nennt Geheimdienstmaterial über Waffen im Irak unbrauchbar

Hans Blix hat erneut die fragwürdigen Begründungen des Irak-Krieges durch Amerikaner und Briten kritisiert. Der Chef der Uno-Waffeninspekteure hat die Informationen der Geheimdienste über die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins als weitgehend unbrauchbar bezeichnet.



Hamburg - "Wir haben zahlreiche Anlagen in Irak untersucht, die uns von Geheimdiensten genannt wurden. Und nur in dreien davon fanden wir überhaupt etwas", sagte Hans Blix dem britischen Sender BBC und fuhr fort: "Und auch das hatte nichts mit Massenvernichtungswaffen zu tun."

Blix legte am Donnerstag dem Weltsicherheitsrat seinen letzten Bericht vor. Darin bekräftigte er erneut, dass sein Team bereit sei, die Kontrollen im Irak wieder aufzunehmen. Blix sagte, die internationale Glaubwürdigkeit der britischen und amerikanischen Experten im Irak könne nicht so hoch sein wie die der Uno-Inspekteure.

Blix' Angebot, Uno-Inspekteure in den Irak zu schicken, lehnte der amerikanische Botschafter bei der Uno, John Negroponte, ab. Die Koalition der Besatzungsmächte habe bekanntlich "die Verantwortung für die Suche und Auffindung von Massenvernichtungswaffen übernommen", sagte Negroponte. Amerikanische Experten würden im Irak intensiv nach versteckten Waffen suchen und dafür "alle verfügbaren Informationsquellen nutzen". Die USA würden den Sicherheitsrat und die Medien über alle Erkenntnisse informieren. Er empfahl mehr Geduld. "Wir sollten die Experten ihre Arbeit machen lassen." Der US-Botschafter verwies auf die kürzliche Entdeckung von zwei Lastwagen, die als Labors für Biowaffen benutzt worden sein könnten.

Nach Angaben von Uno-Diplomaten sind die Vereinigten Staaten das Einzige der 15 Mitgliedsländer des Sicherheitsrates, das sich einer Rückkehr der Uno-Inspekteure widersetzt. Auch Großbritannien, das neben den USA die zweite Besatzungsmacht im Irak stellt, sei nicht gegen eine Fortsetzung der Uno-Inspektionen, hieß es. Londons Botschafter Jeremy Greenstock sagte Reportern: "Selbst der engste Verbündete kann nicht für die Vereinigten Staaten sprechen."

Ob durch Briten, Amerikaner oder durch die Uno - bei der Übergabe seines letzten Tätigkeitsberichts sagte Blix, unter Bedingungen, wie sie nach dem Sturz Saddam Husseins herrschten, müsste es "möglich sein, die Wahrheit herauszufinden, die wir alle erfahren wollen". Blix, der nach seinem 75. Geburtstag am 28. Juni in den Ruhestand geht, bekräftigte, dass seine Inspekteure keine Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen gefunden hatten.

Grund dafür könne entweder sein, dass sie vom Saddam-Regime alle vernichtet oder dass sie sehr gut versteckt worden seien. Das herauszufinden, wäre angesichts der jetzigen Möglichkeiten zur Befragung irakischer Zeugen leicht möglich, betonte Blix.

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