Verschärfte Vorschriften US-Regierung hebt Verbot von Tiefseebohrungen auf

Die Vereinigten Staaten erlauben wieder Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. Nach der verheerenden Ölkatastrophe hatte die US-Regierung einen Stopp der Bohrungen verkündet - eigentlich sollte er bis Ende November andauern.


Washington - Die USA haben das Verbot für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko vorzeitig aufgehoben. Es sei an der Zeit, dies den Unternehmen wieder zu erlauben, die die verschärften Sicherheitsvorschriften einhielten, teilte US-Innenminister Ken Salazar am Dienstag mit.

Die US-Regierung hatte im Juli einen Stopp für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko verkündet, der bis Ende November gelten sollte. Zwar musste die Regierung zunächst Rückschläge in Kauf nehmen, weil Gerichte nach Einspruch der Ölindustrie das Moratorium beanstandet hatten. Darauf erließ die Regierung aber ein erneutes Verbot.

Präsident Barack Obama und seine Regierung stand zuletzt unter hohem Druck das Verbot trotz der Umweltbedenken aufzuheben, weil es Arbeitsplätze koste und die ohnehin angeschlagene US-Wirtschaft schädige. Einer Untersuchung zufolge verloren zwischen 8.000 und 12.000 Menschen wegen des Moratoriums zeitweise ihren Job.

"Entscheidende Fortschritte"

Im April hatte die Explosion einer Ölplattform der britischen Firma BP eine riesige Ölpest ausgelöst. Seitdem wurden die Vorschriften verschärft, um Tiefseebohrungen nach Gas und Öl künftig sicherer zu machen.

Es gebe "entscheidende Fortschritte, die mit Tiefseebohrungen verbundenen Gefahren zu reduzieren", so Salazar. "Die Öl- und Gasindustrie wird unter strengeren Regeln und unter strengerer Aufsicht arbeiten", sagte er.

Wegen dieser neuen Regeln gehen die Behörden nicht davon aus, dass bereits in Kürze neue Tiefseebohrungen gestartet werden. Die Industrie brauche Zeit, sich auf diese neuen Regeln einzustellen. "Das wird sicherlich nicht morgen oder nächste Woche sein", sagte Michael Bromwich, Chef des Bureau of Ocean Energy Management. Er rechne damit, dass zum Jahresende erste Bohrerlaubnisse vergeben werden.

Bei dem Unfall der "Deepwater Horizon" war in rund 1500 Meter Tiefe unter dem Meeresspiegel nach Öl gebohrt worden. Mehrere Anläufe, die Ölfontäne zu stoppen, scheiterten nicht zuletzt, weil die Experten nach eigenen Worte praktisch keine Erfahrungen mit Rettungsarbeiten in einer solchen Tiefe hatten.

Erst nach rund drei Monaten konnte der Ölfluss gestoppt werden, zwei Monate später gelang es, die Quelle endgültig zu versiegeln. Insgesamt waren 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer geflossen - mehr als jemals zuvor bei einer Ölkatastrophe. Weite Teile der US- Golfküste wurden verseucht, zeitweise war in einem Drittel der US-Küstengewässer der Fischfang verboten.

wit/dpa/dapd/AFP



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