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06. Mai 2014, 10:34 Uhr

Terror in Nigeria

USA wollen bei Suche nach verschleppten Mädchen helfen

Voller Empörung haben die USA auf die angedrohte Versklavung Hunderter entführter Schülerinnen in Nigeria reagiert. Die Mädchen sind in der Hand der Terrorgruppe Boko Haram. Jetzt will Washington eingreifen, auch London bietet Hilfe an.

Washington - 276 Mädchen wurden Mitte April in Nigeria entführt. Doch erst am Montag bekannte sich die Terrorgruppe Boko Haram zu der Tat. Sie kündigte den Verkauf, die Versklavung und Zwangsverheiratung der Schülerinnen an. Voller Empörung äußerten sich jetzt die Regierungen der USA und Großbritanniens. Washington und London sicherten der nigerianischen Führung Hilfe bei der Suche zu.

Die USA würden relevante Geheimdienstinformationen mit Abuja austauschen, sagte ein US-Behördenvertreter am Montag (Ortszeit) dem TV-Sender CNN. Man werde sich diplomatisch und militärisch damit befassen, aber keine Truppen schicken. US-Präsident Barack Obama habe sich in den vergangenen Wochen mehrfach über die Lage in Nigeria informieren lassen.

Der britische Außenminister William Hague bot am Dienstag ebenfalls seine Hilfe an. Während eines Aufenthaltes in Wien bezeichnete er das Verhalten von Boko Haram am Morgen als unmoralisch. "Mädchen als Kriegsbeute zu benutzen, ist abscheulich." Wie eine mögliche Hilfe aussehen könnte, wollte er nicht näher beschreiben.

Am Montag, rund drei Wochen nach der Entführung der Mädchen aus einer Schule im Nordosten des Landes, hatte sich Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Video zu Wort gemeldet. "Ich werde sie auf dem Markt verkaufen, so Gott will."

Islamistenchef kündigt Verkauf der Mädchen an

In der 57 Minuten langen Aufnahme sprach Shekau von den Schülerinnen, die aus ihrer Schule in Chibok verschleppt worden waren. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach einige der Entführten über die Grenze zum Tschad und nach Kamerun für jeweils zwölf Dollar (knapp neun Euro) zwangsverheiratet worden waren. Von den Geiseln konnten bislang 53 Mädchen fliehen, 223 sind nach Angaben der Polizei noch in der Gewalt ihrer Entführer.

Boko Haram kämpft seit Jahren für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmäßig Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen. Der Name Boko Haram bedeutet übersetzt etwa "Westliche Bildung ist Sünde".

Den nigerianischen Behörden ist es bisher nicht gelungen, die Mädchen zu finden. Inzwischen protestieren Eltern und empörte Bürger gegen die Polizei und Präsident Goodluck Jonathan. Der Staatschef hatte erst am Sonntag in einer Fernsehansprache zugegeben, dass seine Streitkräfte trotz wochenlanger Suche keine Spur von den Schülerinnen haben. Auf Twitter drücken betroffene Familien unter dem Hashtag #bringbackourgirls ihre Trauer und Wut aus, Menschen aus der ganzen Welt zeigen Anteil an dem Schicksal der Mädchen und ihrer Angehörigen.

Die Ehefrau von Präsident Jonathan fürchtet angesichts der Entführung offenbar vor allem um die Beliebtheit ihres Ehemannes: Sie ließ zwei Protestführerinnen verhaften und warf ihnen vor, den Ruf ihres Mannes zu ruinieren.

ler/dpa/Reuters/AFP

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