Verschleppung im Irak Glos appelliert an Entführer

Trotz intensiver Bemühungen des Krisenstabes fehlt auch am vierten Tag nach ihrer Verschleppung im Irak von den beiden Ingenieuren aus Sachsen jede Spur. Wirtschaftsminister Glos appellierte im Bundestag an die Entführer, die Männer freizulassen.


Berlin - Michael Glos dankte in seiner Rede den Menschen, die - wie die beiden Entführten - als Monteure und Ingenieure ins Ausland gingen, um deutsche Anlagen zu bauen. Dies komme der deutschen Wirtschaft zugute und diene einer friedlichen Entwicklung, sagte der CSU-Politiker.

Die US-Streitkräfte im Irak kündigten heute die Freilassung von 419 irakischen Gefangenen an, darunter fünf Frauen. Dies stehe aber in keinem Zusammenhang mit der Entführung der US-Journalistin Jill Carroll. Sie war am 7. Januar in Bagdad verschleppt worden und ihre Geiselnehmer hatten damit gedroht, sie zu töten, falls nicht alle Frauen aus irakischen Gefängnissen entlassen werden. Die Frist war bereits vor knapp einer Woche abgelaufen. Carrolls Schicksal blieb ungewiss.

Die US-Armee hatte in der vergangenen Woche die Inhaftierung von neun Irakerinnen bestätigt. Heute teilte sie mit, dass zwei weitere Frauen festgenommen worden seien. Die Inhaftierung von Irakerinnen gilt in dem arabischen Land als heikel. Vertreter des Justizministeriums haben die Inhaftierung der Frauen als "Ungnade" bezeichnet.

Heute wurden zudem zwei ranghohe Mitarbeiter der irakischen Regierung in Kirkuk auf offener Straße erschossen. Wie die Polizei mitteilte, wurden der stellvertretende Direktor eines staatlichen Lebensmittelunternehmens und ein Mitarbeiter der Anti-Korruptions-Behörde bei zwei Anschlägen getötet. In beiden Fällen habe es sich um dieselben Täter gehandelt.

Bei zwei Bombenanschlägen wurden vier Menschen getötet, wie die US-Streitkräfte berichteten. Ein US-Soldat kam bei einer Detonation südlich von Bagdad ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Bei einem weiteren Anschlag an der Straße zwischen Bagdad und Mossul kamen nach offiziellen Angaben drei irakische Sicherheitskräfte ums Leben. Nach Zählung der Nachrichtenagentur AP sind seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 mindestens 2237 US-Soldaten getötet worden.

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