Verschwörungstheorie Gaddafi-Sohn nennt Aufstand "Qaida-Komplott"

In Libyen liefern sich Rebellen und Armee wilde Gefechte - und Gaddafi-Sohn Saif al-Islam hat seine ganz eigene Erklärung für die Eskalation: Die Revolte sei ein militärisches Komplott des Terrornetzes al-Qaida, die Kämpfer ehemalige US-Gefangene.

Diktatoren-Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi: "Ich kenne euch namentlich"
REUTERS

Diktatoren-Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi: "Ich kenne euch namentlich"


Tripolis/Kairo - Saif al-Islam al-Gaddafi, der Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, macht wieder einmal mit wirren Theorien auf sich aufmerksam. Der Aufstand in Libyen sei von al-Qaida geplant und organisiert. "Das war von allem Anfang an ein militärisches Komplott", sagte er am Freitag auf einer Pressekonferenz in Tripolis. Die Veranstaltung wurde vom staatlichen libyschen Fernsehen übertragen.

Die Führer der Rebellen, die die östliche Landeshälfte kontrollieren, seien ehemalige Häftlinge des US-Gefangenenlagers Guantánamo, behauptete er. Auch sein Vater hatte die Rebellen bereits mehrfach als Terroristen und Handlanger von al-Qaida beschimpft.

"Ich selbst habe eure Freilassung veranlasst, ich kenne euch namentlich", sagte der jüngere Gaddafi, an die Führung des Aufstandes in Bengasi gerichtet. "Der Westen hat sie uns übergeben, in Säcken verpackt wie Hühner."

Saif al-Islam betreibt eine Stiftung, die nach eigenen Angaben seit 2007 die Freilassung von über 700 Islamisten aus libyschen Gefängnissen erwirkte, die der Gewalt abgeschworen hatten. Darunter waren auch an Libyen überstellte Guantánamo-Häftlinge.

Die Anführer des Aufstands und der von ihnen gebildete Nationalrat rekrutiert sich allerdings hauptsächlich aus Militärs, Diplomaten und Beamten, die nach Ausbruch der Unruhen dem Gaddafi-Regime die Treue aufgekündigt hatten.

Den Vereinten Nationen liegen zudem Berichte über eine Rekrutierung von Kindersoldaten zum Kampf in Libyen vor. Unicef-Sprecherin Marixie Mercado sagte der Nachrichtenagentur AP, es bestehe die Sorge, dass sich Kindersoldaten unter den Söldnern befänden, die Gaddafi für den Kampf gegen Aufständische anwerbe.

Die Söldner kämen aus dem Tschad, Niger, der Zentralafrikanischen Republik und der sudanesischen Region Darfur, erklärte die Sprecherin des Uno-Kinderhilfswerks weiter.

Großdemonstration in Bengasi

In der Rebellenhochburg Bengasi demonstrierten mehr als zehntausend Demonstranten friedlich für den Rücktritt von Machthaber Gaddafi. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, strömten sie mit Fahnen auf die Straßen, um unter freiem Himmel gemeinsam das Freitagsgebet abzuhalten.

"Viele Menschen sind in unserem Kampf in Ras Lanuf und in Bengasi getötet worden, aber die Jugend hat entschieden, lieber zu kämpfen, als mitansehen zu müssen, wie dieses Regime weitermacht", sagte ein Imam vor dem Gebet. "Der Sieg ist nahe", rief er den Menschen zu.

jok/dpa-AFX



insgesamt 2 Beiträge
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Kaworu 11.03.2011
1. -/-
Seltsam, der Papa droht damit, Al Quaida zu unterstützen sollte sich der Westen einmischen und der Sohnemann schiebt die Schuld für den Aufstand/Bürgerkrieg Al Quaida in die Schuhe.
hubert_hummel 11.03.2011
2. Al CIAda?
Zitat von KaworuSeltsam, der Papa droht damit, Al Quaida zu unterstützen sollte sich der Westen einmischen und der Sohnemann schiebt die Schuld für den Aufstand/Bürgerkrieg Al Quaida in die Schuhe.
Stimmt, das ist ebenso seltsam wie der Fakt, dass die CIA erst Al Quaida aufgebaut hat, um sie dann als allgemeinen Kriegsvorwand zu verwenden. (Glauben sie nicht? Dann googeln Sie mal nach "Sibel Edmonds" und "boiling frogs".) Wer weiß, wie viele andere noch dem Beispiel der USA folgen werden und "9/11 spielen" wollen?
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