Verschwörungstheorien Strauss-Kahn soll über Komplott spekuliert haben

Er fürchtete eine Überwachung und berichtete von einer Begegnung mit Nicolas Sarkozy am Pissoir: Schon vor seiner Verhaftung wegen eines mutmaßlichen Sexverbrechens soll IWF-Chef Strauss-Kahn eine Verschwörung vorausgesagt haben. Selbst den Vorwurf der Vergewaltigung nahm er angeblich vorweg.
IWF-Chef Strauss-Kahn vor Gericht: Düstere Vorahnung eines Unschuldigen?

IWF-Chef Strauss-Kahn vor Gericht: Düstere Vorahnung eines Unschuldigen?

Foto: POOL/ REUTERS

Hamburg - Sogar die Zimmernummer gilt jetzt als Hinweis. In Suite 2806 eines New Yorker Luxushotels soll Dominique Strauss-Kahn eine Hotelangestellte sexuell belästigt haben. Und am 28. Juni, notierte "Le Parisien", fänden auch die internen Vorwahlen der französischen Sozialisten statt - an denen der bisherige Favorit Strauss-Kahn nun nicht mehr teilnehmen dürfte.

Seit der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in New York verhaftet wurde, spekuliert seine Heimat Frankreich über ein Komplott. Nicht nur sozialistische Parteifreunde, sondern auch Konservative vermuten eine "internationale Verschwörung" oder eine "Falle". Doch die aufsehenerregendste Geschichte liefert derzeit ein französischer Journalist.

"Es war der 28. April", beginnt ein Artikel von Antoine Guiral, der für die linksliberale "Libération" arbeitet. An diesem Donnerstag vor drei Wochen habe er sich "in aller Vertraulichkeit" im zweiten Arrondisement von Paris mit Strauss-Kahn getroffen. Der sei "herzlich, lachend, entspannt" gewesen. Dennoch habe ihn offenbar eine Sorge geplagt.

Ob der Reporter ein Handy dabei habe, soll Strauss-Kahn gefragt haben. Er selbst habe sein privates Mobiltelefon zuhause gelassen, nur das verschlüsselte Telefon des IWF trage er bei sich. Erklärung: Er habe das Gefühl, überwacht zu werden und fürchte einen üblen Zug von "Guéant". Gemeint war Claude Guéant, französischer Innenminister und Ex-Wahlkampfleiter von Präsident Nicolas Sarkozy.

Diese Erklärung passt zur wohl populärsten Verschwörungstheorie im Fall Strauss-Kahn: Demnach steckt Sarkozy hinter den Ereignissen. Seine Motivation: Den populären IWF-Chef als Kontrahenten bei der nächsten Präsidentschaftswahl auszuschalten. Seine schwachen Punkte, schreibt Guiral, habe Strauss-Kahn bei dem Gespräch selbst aufgelistet: "Die Frauen, das Geld und mein jüdischer Glauben." Er liebe nun mal Frauen, gab Strauss-Kahn angeblich lakonisch zu Protokoll. "Seit Jahren redet man von Fotos peinlicher Sexorgien, aber ich hab sie nie gesehen", zitiert Guiral den IWF-Chef. "Sollen sie sie doch zeigen!"

Diese angebliche Aufforderung ist noch eher unspektakulär - schließlich gelten Affären von Politikern in Frankreich meist als Kavaliersdelikt. Doch dann nennt Journalist Guiral deftigeren Stoff für Verschwörungstheorien: Strauss-Kahn wolle Sarkozy persönlich vor Verleumdungen gewarnt haben - als sie sich auf einem internationalen Gipfeltreffen am Pissoir trafen.

Bei dem Gespräch mit Guiral soll der IWF-Chef dann von sich aus ein Szenario für eine solche mögliche Verleumdung geliefert haben. Denkbar sei "eine Frau, die auf einem Parkplatz vergewaltigt wurde, und der man 500.000 Euro oder eine Million verspricht, um sich eine Geschichte auszudenken".

Die düstere Vorahnung eines Unschuldigen? Selbst falls Strauss-Kahn die Aussage gemacht haben sollte, dürfte sie kaum zu seiner Entlastung taugen. Schließlich hat Strauss-Kahn schon lange einen Ruf als notorischer Schürzenjäger, neben Affären wurde ihm auch schon in der Vergangenheit sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Auch in der "Libération", wo Journalist Gurial nun das Treffen mit Strauss-Kahn schilderte, gab es bereits vor Jahren kritische Stimmen. Als Strauss-Kahn 2007 IWF-Chef wurde, schrieb der Brüssel-Korrespondent des Blattes in seinem Blog: "Das einzige echte Problem von Strauss-Kahn ist sein Verhältnis zu Frauen. Zu aufdringlich, es kommt oft der Belästigung nahe."

dab