Verschwörungstheorien zu 9/11 Ahmadinedschad sorgt im Uno-Plenum für Eklat

Aufruhr in der Uno-Vollversammlung: Mit wüsten Theorien zu den Terroranschlägen vom 11. September hat Irans Präsident Ahmadinedschad für einen Eklat gesorgt. Zahlreiche Delegationen verließen während der Rede den Saal, darunter die Abgesandten der USA und Deutschlands.
Verschwörungstheorien zu 9/11: Ahmadinedschad sorgt im Uno-Plenum für Eklat

Verschwörungstheorien zu 9/11: Ahmadinedschad sorgt im Uno-Plenum für Eklat

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS

Mahmud Ahmadinedschad

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New York - Seine Rede war mit Spannung erwartet worden - und sorgte vor der Uno-Vollversammlung in New York tatsächlich wieder für einen Eklat. Der Präsident provozierte mit wüsten Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 heftige Unruhe im Saal. Vertreter der USA und Westeuropas verließen demonstrativ den Raum, als Ahmadinedschad nahelegte, die USA selbst steckten hinter den Angriffen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington, um Israel zu retten.

Es gebe die Theorie, dass "einige Elemente in der US-Regierung den Angriff orchestriert haben, um die schrumpfende amerikanische Wirtschaft und ihren Griff auf den Nahen Osten ebenso zu retten wie das zionistische Regime", sagte Ahmadinedschad. "Die Mehrheit des Volkes in Amerika wie auch in anderen Ländern teilt diese Ansicht." Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida hatten am 11. September 2001 vier Passagierflugzeuge entführt. Zwei steuerten sie in das World Trade Center in New York, eines ins US-Verteidigungsministerium in Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen kamen 3000 Menschen ums Leben.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle bezeichnete die Äußerungen des iranischen Präsidenten als "abwegig und verletzend". Auch die deutsche Delegation hatte den Saal verlassen. Mark Kornblau von der US-Mission bei der Uno sagte, statt den guten Willen des iranischen Volkes zu repräsentieren habe der Präsident "abscheuliche Verschwörungstheorien" verbreitet. Die Verschwörungstheorien und antisemitischen Ausfälle Ahmadinedschads seien ebenso "widerwärtig wie wahnsinnig und vorhersehbar".

Umstrittenes Atomprogramm verteidigt

Für Empörung sorgte auch, dass der iranische Präsident die etwa 3000 Toten der Terrorangriffe gegen "Hunderttausende Tote im Irak und in Afghanistan" aufrechnete. Die USA hätten die 9/11-Anschläge als Vorwand für die Invasionen im Irak und in Afghanistan benutzt. Er warf dem Westen "unglaubliche Verbrechen" vor. Über Jahrhunderte seien andere Länder besetzt, ihre Völker unterdrückt und ermordet und Millionen Menschen versklavt worden.

"Weite Teile der Welt haben unter der westlichen Dominanz gelitten", so Ahmadinedschad. Zugleich pries er seine Toleranz. Er hielt einen Koran und eine Bibel hoch und sagte: "Ich habe vor beiden dieser heiligen Bücher Respekt."

Ahmadinedschad verteidigte außerdem die umstrittenen Nuklearpläne seines Landes. "Atomenergie ist sauber und billig und fossilen Energieträgern weit überlegen. Aber die fünf ständigen Mitglieder im Weltsicherheitsrat wollen ein Monopol schaffen, um andere nicht an die Energiequelle zu lassen. Und das, obwohl sie sogar über die Atombombe verfügten." Er wolle das Jahr 2011 zum Jahr der Abrüstung machen: "Atomenergie für alle, Atombomben für niemanden."

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Vorwand der Energiegewinnung heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet dies. Die Verhandlungen der 5+1-Gruppe mit Iran stagnieren, seit der Uno-Sicherheitsrat im Juni neue Sanktionen gegen das Land verhängt hat.

Es war nicht der erste umstrittene Auftritt Ahmadinedschads in New York. Erst im vergangenen Jahr hatten aus Protest gegen seine antisemitischen Äußerungen bei der Uno-Vollversammlung zahlreiche Vertreter den Saal verlassen, darunter auch die deutsche Delegation. Die Rede des iranischen Präsidenten war damals durchsetzt mit antiisraelischen und antisemitischen Angriffen.

jok/dpa/dapd
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