Verschwundene Geheimpapiere Clintons Ex-Sicherheitsberater gesteht Aktenklau

Der frühere US-Sicherheitsberater Samuel Berger hat vor einem Washingtoner Gericht eingestanden, geheime Papiere aus dem Nationalarchiv mit in sein Büro genommen und dann zerstört zu haben. Mit dem Schuldbekenntnis vermied er einen Prozess.


Washington - "Schuldig, Euer Ehren", antwortete Berger laut und deutlich, als die Richterin ihn am Freitag danach fragte.

Die Höchststrafe für sein Vergehen ist ein Jahr Gefängnis und eine Geldstrafe von 100.000 Dollar. Berger muss jedoch nicht ins Gefängnis. Er kommt mit einem Bußgeld von 10.000 Dollar sowie dreijährigem Entzug seiner Erlaubnis zur Einsicht von Geheimdokumenten davon. Ein Bundesrichter muss das zwischen Anklage und Verteidigung ausgehandelte Strafmaß im Juli noch offiziell bestätigen.

Der Sicherheitsberater des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton hatte im Jahr 2003 Dokumente aus dem Nationalarchiv entfernt, was aber erst ein Jahr später publik wurde.

Berger bestritt zunächst, die Dokumente, mit denen er sich auf eine Zeugenaussage vor der unabhängigen Kommission zum 11. September 2001 vorbereiten wollte, absichtlich mitgenommen zu haben. Er habe sie wohl versehentlich mit anderen Unterlagen in seinen Aktenkoffer gesteckt, sagte er damals. Allerdings tauchten dann Zeugenaussagen auf, denen zufolge er einige Papiere in eine Socke gesteckt hatte, um sie unentdeckt aus dem Nationalarchiv zu entfernen.

Bergers Motive sind bis heute unklar. Einige Republikaner hatten Berger vorgeworfen, Material verschwinden lassen zu wollen, um Schaden von Clinton abzuwenden. Doch eine unabhängige Untersuchung des Justizministeriums konnte keine Beweise dafür finden, dass Berger der 9/11-Kommission etwas vorenthalten habe. Die Kommission habe Zugang zu allen nötigen Dokumenten bekommen, berichtet die "New York Times".

Nachdem die Vorwürfe im vergangenen Jahr bekannt geworden waren, war Berger als Wahlkampf-Berater des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers John Kerry zurückgetreten.



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