Versenktes Kriegschiff Nordkorea will auf Propaganda-Lautsprecher feuern

Kriegsrhetorik, Drohungen, Säbelrasseln: Zwischen Nord- und Südkorea spitzt sich der Konflikt um eine versenkte Korvette zu. Seoul kündigte mit Unterstützung der USA an, den Uno-Sicherheitsrat anzurufen - Pjöngjang drohte, auf Grenzanlagen des Nachbarlandes zu feuern.

Wrack der "Cheonan": "Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen"
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Wrack der "Cheonan": "Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen"


Seoul - Seit knapp zwei Monaten schwelt zwischen Seoul und Pjöngjang der Streit um den Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan", der laut Urteil einer internationalen Ermittlergruppe auf einen Torpedoangriff eines nordkoreanischen U-Boots zurückzuführen ist. Jetzt droht der Konflikt zu eskalieren.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak kündigte am Montag an, den Uno-Sicherheitsrat einzuschalten, was weitere Sanktionen gegen Nordkorea zur Folge haben könnte. Unter den gegebenen Umständen sei ein Austausch mit dem kommunistischen Norden "unsinnig", deshalb werde der Handel auf Eis gelegt, sagte Lee in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. Unter anderem dürften Handelsschiffe aus dem Norden die südkoreanischen Schifffahrtsrouten nicht mehr nutzen. Lee verlangte zudem eine Entschuldigung Pjöngjangs und die Bestrafung der Verantwortlichen.

"Wir haben Nordkoreas Brutalität immer wieder ertragen", sagte Lee, nachdem er verschiedene Übergriffe des Nordens auf den Süden aufgezählt hatte, darunter auch den Abschuss eines Passagierflugzeugs 1987. "Aber diesmal liegen die Dinge anders", sagte Lee weiter. "Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen."

Gleichzeitig kündigte Lee an, das Militär zu reformieren und aufzurüsten. Falls die Gewässer Südkoreas, dessen Luftraum oder Territorium verletzt würden, werde das Land sofort von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen.

Pjöngjang reagierte prompt und drohte am Montag, an der Grenze auf südkoreanische Befestigungsanlagen zu schießen, falls es das Land nicht unterlasse, über Lautsprecher antinordkoreanische Propaganda zu verbreiten.

USA werten Südkoreas Maßnahmen als "völlig gerechtfertigt"

Bereits vergangene Woche hatte Südkoreas Präsident Lee in einer Ansprache die Absicht erklärt, die Zusammenarbeit mit Nordkorea wegen des Vorfalls fast vollkommen einzustellen. Südkorea sei "gegen weitere Provokationen gewappnet".

Seinen wichtigsten Verbündeten weiß Südkorea hinter sich: US-Präsident Barack Obama hat dem Land seine volle Unterstützung zugesagt und eine engere militärische Zusammenarbeit mit Seoul angeordnet. Das teilte das Weiße Haus am Montag mit.

Damit sollten in Zukunft Angriffe des kommunistischen Nordens abgewendet werden, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. "Wir werden auf dem bereits starken Fundament exzellenter Kooperation unserer Militärs aufbauen und weitere Verbesserungen prüfen", hieß es weiter. In Reaktion auf die Verletzung internationaler Gesetze durch Pjöngjang überprüften die USA ferner ihre gegenwärtige Politik gegenüber Nordkorea. So werde sichergestellt werden, dass künftig mit "angemessenen Maßnahmen" auf Aktionen Pjöngjangs reagiert werden könne. Die von Seoul auferlegten Sanktionen gegen Nordkorea bezeichnete der Obama-Sprecher als "völlig gerechtfertigt".

Nordkorea spricht von "Kriegserklärung"

Bei der Havarie der "Cheonan" am 26. März waren 46 südkoreanische Seeleute ums Leben gekommen. Nordkorea weist jede Verantwortung für den Untergang des Schiffes zurück.

Die wichtigste nordkoreanische Tageszeitung "Rodong Sinmun" berichtete am Montag, die Untersuchung des Vorfalls sei eine "nicht tolerierbare, schwere Provokation", gleichbedeutend einer Kriegserklärung.

US-Außenministerin Hillary Clinton forderte unterdessen von China eine abgestimmte Reaktion auf den mutmaßlichen nordkoreanischen Angriff. Zu Beginn ihrer zweitägigen Spitzengespräche in Peking sagte sie, Nordkorea müsse für den Vorfall verantwortlich gemacht werden. China und die USA müssten dabei zusammenarbeiten.

Die Vereinten Nationen nahmen am Samstag eine eigene Untersuchung zum Untergang der "Cheonan" auf. Der United Nations Command, der seit Ende des Korea-Krieges 1953 den Waffenstillstand zwischen beiden Staaten überwacht, soll feststellen, ob Nordkorea die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens gebrochen hat, wie der Sprecher des Uno-Kommandos, Kim Young Kyu, mitteilte.

pad/dpa/AP/Reuters



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