Versorgungskatastrophe EU plant schnelle Hilfe für Gaza

400.000 Menschen sind noch immer ohne Trinkwasser, 22.000 Häuser wurden zerstört, bis zu zwei Milliarden Dollar werden zum Wiederaufbau benötigt: Die Situation in Gaza ist katastrophal. Die EU kündigt rasche Hilfe an.

Gaza/New York/Brüssel - Die Uno schlägt Alarm: Zur Unterstützung der 1,4 Millionen Menschen im Gaza-Streifen sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen mehrere hundert Millionen Dollar an Soforthilfe nötig. Der Wiederaufbau der im Krieg zwischen Israel und der Hamas zerstörten Infrastruktur werde Milliarden kosten, sagte am Montag der Nothilfekoordinator John Holmes. Einige Bezirke seien völlig zerstört, viele Häuser zerbombt. In einige Straßen flössen Abwässer, nicht explodierte Munition sei ein großes Problem. 400.000 Menschen seien immer noch ohne Trinkwasser.

Die EU will nun umgehend auf die Katastrophe reagieren. Entwicklungskommissar Louis Michel kündigte in Brüssel an, er wolle sich am Sonntag und Montag in Gaza ein Bild über die am dringendsten benötigte Hilfe machen. Die Prager EU-Ratspräsidentschaft teilte mit, drei tschechische Experten seien unterwegs, um den Bedarf für humanitäre Hilfe abzuschätzen.

Die Europäische Gemeinschaft hatte im vergangenen Jahr bereits 73 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zugunsten der Palästinenser ausgegeben. Davon gingen nach Angaben der EU-Kommission vom Dienstag rund 56 Prozent in den Gaza-Streifen. Bereits unmittelbar vor dem Beginn der israelischen Aktion gegen die Hamas, die von der Europäischen Union als Terrororganisation betrachtet wird, hatte die EU 10,4 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt. In einer Erklärung Michels heißt es, wichtig sei nun vor allem, dass die Hilfe rasch zu den Bedürftigen gelange.

"Es mag zwar noch unklar sein, wer in diesem Konflikt gewonnen hat, aber es ist klar, wer ihn verloren hat und das ist die Bevölkerung des Gaza-Streifens und in einem geringeren Umfang auch die zivile Bevölkerung im Süden Israels", sagte Uno-Sprecher Holmes. Nach palästinensischen Angaben wurde in dem Krieg Infrastruktur im Wert von mindestens 1,4 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) im Gaza-Streifen zerstört. Für den Wiederaufbau wird Saudi-Arabien eine Milliarde Dollar spenden.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wollte am Dienstag nach Gesprächen mit der israelischen Regierung selbst in den Gaza-Streifen reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er wollte dort auch Uno-Einrichtungen besuchen, die während der dreiwöchigen israelischen Militäroffensive unter Beschuss gerieten, meldete der israelische Rundfunk.

Die israelische Außenministerin Zipi Livni warnte vor dem Besuch Bans vor einer Stärkung der islamistischen Hamas-Organisation durch die Bemühungen um einen Wiederaufbau des Gaza-Streifens. Livni habe Ban während eines Telefongesprächs gesagt, die Hamas habe während der Offensive bewiesen, dass sie sich nicht für die Belange der Zivilbevölkerung interessiere. Die Organisation sei bereit, die Interessen ihres eigenen Volkes für ihre Terrorziele zu opfern.

Israel setzte den Truppenabzug aus dem Palästinensergebiet fort. Eine Armeesprecherin sagte am Morgen, es seien noch Soldaten in dem Palästinensergebiet. Es wurde erwartet, dass Israel den Abzug bis zum Nachmittag weitgehend abschließt.

Die Uno-Resolution zum Gaza-Krieg

als/dpa/AP
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