Verstärkung für Afghanistan Obama schickt 17.000 zusätzliche Soldaten in Krieg gegen Taliban

Barack Obama macht Tempo an allen Fronten: In der Nacht hat er das riesige US-Konjunkturpaket unterzeichnet - und direkt danach eine Truppenverstärkung in Afghanistan verkündet. Der Präsident will die US-Präsenz im Land auf das Anderthalbfache erhöhen, um die Taliban zu bekämpfen.


Washington - Die USA entsenden noch mehr Truppen nach Afghanistan. Präsident Barack Obama billigte am Dienstag einen Antrag von Verteidigungsminister Robert Gates. Eine Brigade der Marineinfanterie wird damit im Frühjahr sowie eine weitere Heeresbrigade mit Unterstützungseinheiten im Sommer in das Krisenland geschickt. Insgesamt handelt es sich dabei um etwa 17.000 Soldaten.

US-Soldaten in Afghanistan: Obama schickt noch mehr Truppen
AFP

US-Soldaten in Afghanistan: Obama schickt noch mehr Truppen

Die Erhöhung sei dringend geboten, um die Lage in Afghanistan zu stabilisieren. Das Land habe bisher "nicht die strategische Aufmerksamkeit, Richtung und Ressourcen bekommen, die es dringend braucht", wird Obama in einer Pressemitteilung zitiert. "Die Entscheidung wurde dem Pentagon gestern mitgeteilt, die Order heute unterschrieben", sagte Sprecher Robert Gibbs am späten Dienstagabend in Denver - wo der Präsident gerade in einer feierlichen Zeremonie das gigantische 787-Milliarden-Dollar-Konjunkturpaket unterschrieben hatte, das die USA aus ihrer tiefen Rezession holen soll.

Der US-Kommandant in Afghanistan, General David McKiernan, hatte ein größeres Kontingent angefordert: Es brauche gut 30.000 zusätzliche Soldaten, um die Taliban zurückzuschlagen und die Zivilisten zu schützen. Bisher sind rund 33.000 US-Soldaten in dem Land. Ob eine weitere Verstärkung zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist, ließ das Weiße Haus offen.

Bereits Anfang Februar hatte das US-Verteidigungsministerium angekündigt, dass die USA vor Festlegung einer neuen Afghanistan-Strategie ihre Truppen am Hindukusch aufstocken wollen.

Der gewaltsame Konflikt in Afghanistan hat im vergangenen Jahr über 2000 Zivilisten das Leben gekostet - mehr als je zuvor seit dem Sturz der Taliban vor gut sieben Jahren. Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) teilte am Dienstag in Kabul mit, die Zahl der zivilen Opfer sei 2008 im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent auf 2118 gestiegen. Für 55 Prozent der getöteten Zivilisten seien Aufständische wie die Taliban verantwortlich gewesen. 39 Prozent der Opfer seien von afghanischen oder internationalen Truppen besonders bei Luftangriffen getötet worden. Die restlichen sechs Prozent seien keiner Seite eindeutig zuzuordnen gewesen, da sie etwa im Kreuzfeuer umgekommen seien.

"Die Taliban und deren Helfer sind für etwa 80 Prozent der zivilen Todesopfer verantwortlich", sagte Nato-Sprecher James Appathurai dagegen in Brüssel. Nach Angaben der Allianz wurden 97 Menschen durch die Afghanistan-Schutztruppe Isaf getötet, etwa 130 durch US-Soldaten der "Operation Enduring Freedom". 987 Menschen seien jedoch durch Aufständische getötet worden. Die Nato geht allerdings von anderen Bezugszahlen aus: Über Todesopfer durch die afghanische Armee werden dazu keine Angaben gemacht. "Wir haben ein neues Beobachtungssystem, das wir für zuverlässig halten", sagte Appathurai zu den Zahlen.

"Wir sollten die Schuldigen sehr klar benennen", sagte der Nato-Sprecher. "Die Taliban kämpfen aus zivilen Wohngebieten heraus und ziehen sich nach den Angriffen dorthin zurück. Sie setzen Zivilisten ganz bewusst der Gefahr aus und versuchen, sie als menschliche Schutzschilde zu benutzen." Die Nato bemühe sich intensiv, zivile Opfer so weit wie möglich zu vermeiden. "Können wir das noch verbessern? Wir können und sollten das tun", sagte der Sprecher.

als/dpa/AP/AFP/Reuters



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